Ausgabe 
25.8.1847
 
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und nieder. Da öffnete sich wieder die Thüre und zwei Soldaten der schottischen Leibwache führten einen gefesselten Mann herein, der düstere Blicke im Geniach umherwarf, aber kühn dem König in's Auge sah. PaScals Haar sträubte sich er erkannte jenen Mann auf den ersten Blick; es war nicht Jeoffrop, aber dennoch einer derjenigen, die ihn unweit der Kapelle im Wald angefallen und zu dem Alten hin­geschleppt hatten. Ein Wort dieses Mannes nur und er war verloren. (Forts, folgt.)

Reisebilder vom Rheine.

Ein Leben, wie im Paradies, Gewährt uns Vater Rhein.

Hölty.

Wer der Sphäre des Gewöhnlichen sich entheben und einen wahren Reiz in sein Leben bringen will, der eile zu den Ufern des reichgesegneten und vielge­feierten Rhetnstroms, zu jener Fülle des Schönen, welche dem König der deutschen Ströme alljährlich aus allen Landen Tausende von Besuchern zuführt und einen Schatz wohlthuender Erinnerungen an die hier verlebten Tage in jedem Reisenden zurückläßt. Denn derselbe wird überrascht von den großartigsten Naturbildern in üppiger Mannichfaltigkeit. Berge wechseln mit Ebenen, aus üppigen Thälern lächelt die freundlichste Statur, die grünen Hügel, wo in golde­nem Sonnenstrahl die Traube reift, entsenden ihm ihren heitern Gruß und der Geist ehrwürdiger Vor­zeit blickt ernst von erhabenen Kunstdenkmalen und von der Höhe burggekrönter Felsen, zu welchen die Zeit ihre Ruinen hinzugefügt, und die Geschichte ihre Er­zählungen aus wunderbaren Tagen, die längst nicht mehr sind. Wird der Reisende schon hierdurch mit magischen Banden an dieses Wonneland gefesselt, so findet dies noch seine Erhöhung, durch das rege, viel­seitige, joviale Leben seiner Bewohner. Denn es gibt nur ein Volk, wie das am Rheine, nur ein Leben, wie es sich leben läßt in seiner Mitte. Heiterkeit und leichter Sinn, Offenheit und Freundlichkeit ist das Hauptgepräge des Rheinländers. Es ist ein rühriges und gutmüthiges Volk von schneller Fassungsgabe und richtigem Tacte in Beurtheilung dessen, was das Leben bietet. In ihm findet man jene glückliche Mischung des Blutes, die zu seinen lachenden Fluren und Thälern, zu seinen Rebhügeln und trauten Wäl­dern paßt. Von dorther hat von den Zeiten der Römer bis auf unsere Tage unser gesammtes Vater­land immer den mächtigsten und wirksamsten Ein­fluß erfahren. Mit Recht behauptet darum ein rühmlichst bekannter Historiker, daß nach der großen Völkerwanderung, die ein colossales Schauspiel mäch­tiger Heerzüge und ungeheuerer Thaten zeigt, aber auch alles in Wildheit und Barbarei zurückwarf, vom Rheine her das erste Licht und die Gesetzlichkeit über

Europa ausgtngen; daß in seinen Feldern und Städ­ten die deutschen Kirchen gegründet, die deutschen Gesetze gegeben und die deutschen Könige gewählt wurden, ja daß sein merkwürdiges Land dem Reiche die größten Kaiser, die berühmtesten Gelehrten und Künstler, auch die vorzüglichsten Prälaten, und der Welt einen allgemeinen Handelsverkehr geschaffen hat. Daher der stolze Klang seines Namens.

Der Reisende versäume darum nicht die Bequem­lichkeit und 9luhe der Schönheit zu opfern; er durch­wandere diese von der Natur so bevorzugten Gegenden, erklimcke Berg und Fels, durchdringe Flur und Thal und mische sich unter die Bewohner dieser Ufer, um sich des dargebotenen Genusses vollständig erfreuen und ein treues Bild davon in die Heimath initnehmen zu können. Mit Liebe und Begeisterung wird er dann an diesem lockenden deutschen Paradiese hängen, das ihn durch zahllose magnetische Reize mit fast unwider­stehlicher Macht fesselte, und wo er sich so frei, so wohl und glücklich fühlte.

Für diese so reich belohnende Reise wollen wir nun in Folgendem einige Winke geben und auf Alles, was Kunst und Natur dört Schönes und Sehens- werthes auszuweisen hat, kurz aufmerksam machen.

Bevor wir jedoch mit der eigentlichen Rheinreise beginnen, wollen wir einen Ausflug in das an herr­lichen Punkten ebenfalls reiche Taunusgebirge machen.

T a u 11 u s nennt man das freundliche an Mineral­quellen reiche Gebirge zwischen dem Main, dem Rhein und der Lahn, das an seinen Abhängen zum Nhein­strome mit den trefflichsten Weinbergen bepflanzt ist und von der von Frankfurt nach Limburg führenden Straße durchschnitten wird. Um dasselbe kennen zu lernen, fahre man von Frankfurt oder von Castel bei Mainz aus auf der Eisenbahn nach Hattersheim, wandere dann zu Fuß nach Hofheim (2 Stunden) mit der weißen, von Wallfahrern viel besuchten ' Hofheimer Kapelle; von da durch das sehr malerische Thal von Lorsbach nach Eppstvin (1% Stunden,) einem Stäbchen in einem herrlichen Thale mit vielen Denkmälern in der Kirche von der im 16. Jahrhundert ausgestorbenen Familie Epp­stein, die dem Kurstaate von Mainz in dem Zeit­räume von 1059 1284 fünf Erzbischöfe gab, deren Burg auf einem beinahe unersteiglichen Felsen das Städtchen überragt. Alsdann gehe man durch das Fischbacher Thal nach dem freundlichen Orte Königstein (1% Stunden) mit den ansehnlichen Trümmern der int Jahre 1800 von den Franzosen zerstörten Bergfestung Königstein, einst Kur-Mainz gehörig, dessen Wappen noch über dem Eingang zu sehen ist; Stunde entfernt erheben sich auf einem be­waldeten Bergkegel die Trümmer der Burg Falken­stein, welche eine höchst malerische Aussicht darbieten. Ein sehr bequemer Weg, welcher l/a Stunde von