Ausgabe 
23.10.1847
 
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war. 1580 starb Philippine in Innsbruck, wo ihr Andenken durch ein Denkmal geehrt ist.

Der Informator.

Novelle.

1.

Stumm und melancholisch saß der heute gerade 32jährige Candidat der Theologie August Werner in einem Winkel der Richter'schen Weinstube zu Leipzig. Es war sonst nicht seine Gewohnheit, Wein zu trin­ken, aber heute, an seinem Geburtstage, den er in recht trüber Stimmung verlebt hatte, glaubte er sich einmal einen Römer gönnen zu dürfen. Hatte er sich doch nach dem Tode seines Vaters, weiland Pfarrers zu Wildenfels, ehrlich geplagt, um nicht nur sich, sondern auch seine bereits betagte, immer kränkelnde Mutter zu erhalten; hatte er sich doch mit unermüd­lichem Fleiß allen möglichen ErwerbSarbeiten unter­zogen und jedes Vergnügen entbehrt; halte er doch schon seit Jahren schmerzlich auf eine Anstellung gehofft, und noch immer wollte ihm kein freundlicher Stern erscheinen!

Heute wollte er sich durch ein Gläschen Wein seiner trübseligen Gedanken entschlagen, aber allein und verlassen wie er, in sich gekehrt dasaß, versank er nur noch tiefer in Schwermuth. Trotz der angestrengtesten Thätigkeit, wollte sein Verdienst eben doch nicht aus­reichen ; das Leben in der Stadt war theuer, und seine Unterrichtsstunden in der Musik und in den alten Sprachen wurden ihm sehr niedrig bezahlt.

Während er im Stillen recht trostlos in die Zu- ckunft blickte, begrüßte ihn ein soeben eingetretener Kaufmann, Namens Hellmuth, dem er früher einmal durch die Abfassung eines lateinischen Briefes nach Ungarn eine Gefälligkeit erwiesen hatte.

Ah, sieh da, mein lieber Herr Candidat!" rief ihm der Handelsherr freundlich zu.Nun, wie stehl's? Wie geht's? Wieder wohl und gesund? Wie ich hörte, waren Sie eine Zeitlang kränklich?"

Es ist vorüber," versetzte Werner.

Nun, das freut mich sehr. Ei apropos, wollen Sie mir nicht noch auf eine Flasche Wein Gesellschaft leisten? Kellner, eine Flasche guten Rüdesheimer! Nun, wie geht es Ihnen denn sonst? Sind sie immer nach Wunsche beschäftigt?" fragte in unermüdlichem Rede­fluß der geschwätzige, aber theilnahmvolle Kaufmann.

Auf die letztere Frage ist die Antwort schwer," sagte Werner.Das Loos eines armen Candidaten ist, wie Sie wohl wissen, eben kein Himmelreich. Beschäftigt bin ich freilich von früh bis in die Nacht, auch wenn ich gar keine Geschäfte habe. Dann lese ich meine Griechen und Römer und vergesse darüber die Noth der Gegenwart.

Ach, mit Ihren Griechen und Römern lockt man heut zu Tage keinen Hund inehr aus dem Ofen," er- wiederte Hellmuth.Und was lhun Sie denn, wenn Sie nicht lesen?" .

Dann mache ich griechische und lateinische Verse," versetzte Werner,aber leider gibt es jetzt keinen deut­schen Kaiser mehr, der mich, wie einen Stockmann mit einer Pension von tausend Thalern zu einem laureatus poeta ernennte; diese schöne Zeit liegt weit in nebelgrauer Ferne. Ja, will ich mir je hie und da etwas zu Gute tbun, so gehe ich in ein Gasthaus und unterhalte dort die jugendliche Menschheit durch Clavier und Flöte, wofür mich doch öfters ein Glas Wein erquickt, sonst komme ich nicht dazu, selbst nicht, wenn ich an Sonn- und Festtagen zum öfteren für den Organisten der Leouhardskirche, der während des Vormittags-Gottesdienstes gerne in das Wciuhäuschen schleicht, die Orgel spiele." (Forts, folgt.)

Gott, die Liebe.

Die Flammenlippen drückte schon die Sonne Zum Lebewohle auf die Berge hin. Der Herbstesabend sank in hehrer Wonne Hernieder, und sein letztes Purpurglüh'n Umzog das Blau' der Berge, sie besäumend, Wie Purpur siumt den blauen Sammttalar; Des Waldes Kinder ruh'n, nur manchmal träumend Die Bäume schütteln ihr erbleichend Haar Es schweigt der Forst, nur daß ein später Rabe Noch krächzend hinstreicht durch die öde Luft. Die Hände sinken, und des Herbstes Gabe Wird eingebracht, die Feierglocke ruft. Des Lebens warme, volle Pulse stocken;

Mit leerem Füllhorn kniet die Erde da. Den Vaterkuß drückt Gott ihr auf die Locken, Dem seine Kinder sie so reich versah.

Ein Liedchen trägt der Abendhauch dahin Der Schnitter singt es und die Schnitterin. Und langsam knarren reiche Erntewagen Zur Stadt, wo schon das laute Treiben schweigt; Der Menschen Dankgebet die Winde tragen Zu Ihm, der sich so segnend niederneigt'.

Ja, danket Menschen! Seht den Mond dort glühen, Das ist Sein Ange, das Euch liebend wacht;

Seht diesen Wolkenstreif dorthin sich ziehen, Wie eine große Ricsenhand er ragt: Die Vaterhand ist es, die alte, treue, Sie streckt sich segnend auf Euch Alle auck. Daß nach der Noth der Mensch sich wieder freue, Hat Er mit Segen ihm gefüllt sein Haus! Jetzt wird es stiller Alles sinkt in Schlummer, Und manche Schmerzenswundr ist geheilt. Es schweigt der ernste, finster bleiche Kummer, Auch ihm hat Gott ja Freude zugetheilt.

Ja, der die Liebe ist, hat's wohlgcmachk, O schlummert, Menschen, Gott, die Liebe, wacht!

<ö. St.

Auflösung des RäthselS in */<? 84: Filz.

Truck und Verlag der G. D. Brühl'schrn Buch- und Stemdruckerei.