Ausgabe 
23.10.1847
 
Einzelbild herunterladen

659

zu können. Zum Schutze hatten sie eiserne Pickelhackeu und Bruststücke. Die übrigen führten noch volle Rüstung. Sturmhut, Brust- und Rückenstück, nebst einem Seitengewehr, ferner Picken, Hellebarden oder lange Schlacktschwerter. Die sechzig Reiter waren halb geharnischt und leicht beritten. Ein Theil von ihnen führte ein Feuerrohr mit Radschloß.

Mit bewunderungswürdiger Raschheit ordnete jetzt der Prinz den Trupp. Tie Musketiere und Hacken­schützen besetz en die Höhen, um den engen Thalweg zu veriheidigen, die Pickcniere mit einigen Schützen hielten auf dem Weg, um den Angreifenden mit dein Spieß auf den Leib zu gehen; die Hellebardiere und Rondaschiere waren endlich mit der Reiterei, welche abgesessen war, weiter rückwärts aufgestellt, um die Vorderen beim Zurückgehen aufzunehmcn.

. Kaum war die Aufstellung beendet, so erschien die Vorhut der kurfürstlichen Truppen. Sie hatte sich int Glauben, nur einen Haufen Flüchtlinge vor sich zu haben, zu sehr von dem Haupttrupp entfernt und drang unaufhaltsam vor. Jetzt aber eröffneten die Schützen, in ihrem Versteck auf den Bergen, ihr Feuer und jeder Schuß streckte einen Feind nieder. Einen Augenblick stutzte die feindliche Vorhut und dringt dann um so rascher vor. Da bricht der Prinz, welcher seine Pickeniere hinter einen Bergvorsprung gestellt hatte, vor unD mit dem Rufe:Alles für den Kaiser!" werfen sie sich, den Helden-Jüngling an der Spitze, dein Feinde entgegen, zwingen ihn nach kurzer Gegenwehr zur Flucht und bringen ihm großen Schaden bei. Nach einiger Zeil wagten die Kurfürstlichen noch einen 'An­griff, er wurde aber wie der erste abgeschlagen, aber leider erhielt der Prinz eine Wunde über die Schulter welche ihn jedoch nicht hinderte, sein Commando sort- zuführen. Indessen rückte der Haupttrupp immer näher, immer dichter wurden die Schaaren desselben int Thale, ein harter Kampf stand bevor. Da traf die Nachricht von Innsbruck ein, wohin der Prinz von der drohenden Gefahr hatte Nachricht geben lassen, daß der Kaiser bereits seit zwei Stunden nach Villach abgereist seh, somit durste jetzt der Prinz daran denken, sich zurückzuziehen. Um dieses nun um so leichter ausführen zu können, unternahm er noch seinerseits einen Angriff, warf die vordersten feindlichen Abthei- lungen und zog sich dann in Ordnung über Inns­bruck ins Gebirg zurück, wo er, verstärkt durch Tyroler- Landleute, dem weiteren Vordringen des Feindes ein Ziel setzte, der wieder nach Schwaben zurückmarschirie

Prinz Ferdinand hatte seinem Oheim Ehre und Leben gereitet und dieser war ihm zum größten Dank verpflichtet. Aber der mürrische Karl V. war der Meinung, es zieme sich für den Neffen, ihn aufzusuchen, und dieser glaubte, der Kaiser dürfe sich schon herab­lassen, ihm zu danken. Da keiner von Beiden nach­geben wollte, so blieb das Verhälti iijj zwischen Oheim

und Neffen dasselbe und der letztere lebte, als" die Kriegs- unruhcn gänzlich verschwunden "waren, wieder in dein stillen Kreise der Seinen, wie ein Privatmann.

Nach kurzer Zeit kehrte der Kaiser nach Innsbruck zurück. Philippine beschloß, ohne Wissen ihres Ge­mahls, einen Plan auszuführen, den sie längst gehegt hatte. Karl V. hatte gewisse Tage bestimmt, an wel­chen sich ihm nahen durfte, wer ein Gnaden-Gesuch anzubringen hatte. Im einfachen Anzuge mischte sie sich unter die Bittenden; endlich traf sie die Reihe, vor dem Kaiser erscheinen zu dürfen. Mit dem Be- wußtseyn eines reinen, schuldlosen Herzens trat sie vor den finsteren Karl, warf sich ihm zu Füßen und übet reichte knieend, ohne zu sprechen, ihre Bittschrift.

Die strengen Züge des Kaisers milderten sich, als er das engelschöne Weib vor sich knieend sah, das ihn mit vertrauensvollen Augen anblickte.

Was ist Euer Gesuch, schönes Mädchen ?" sprach er mit Güte.

Nicht Mädchen, großer Kaiser," sprach Philippine;

dockr habt die Gnade und leset."

Wer send Ihr?"

Das Weib eines Unglücklichen, der, weil er mich liebte, von Vater und Oheim verstoßen ward,"

Ihr wäret?"

Philippine Weiser, Ferdinand's Frau."

Eine peinliche Pause trat ein. Die schöne Frau hatte die Augen gesenkt und wagte nicht, weiter zu sprechen. Nachdem sie der Kaiser einige Zeit mit Rührung betrachtet hatte, sprach er, sie vom Boden aufhebend:

Bei Gott, reizende Nichte, Eure Schönheit ver-- dient eine Krone und hätte der eigensinnige Stoffe Euch früher gesandt, Euch ja Euch hätte Karl nicht widerstanden."

Gnädigster Herr!" war Alles, was Philippine stammelte, die des Kaisers Hand küssen wollte. Er duldete es aber nicht, sondern zog sie sanft an sich und küßte ihr die Stirne.

Ich bin hart mit Euch verfahren," sprach er, sie freundlich anblickend,aber ich will es wieder gut machen und mein Erstes seh, Ferdinand mit seinem Vater auszusöhnen, es wird mir leicht gelingen, denn ich werde mich Eurer, scköne Seichte, dabei bedienen."

Der Kaiser hielt getreulich Woet. Kurz darauf halte er eine Zusammenkunft mit seinem Neffen- und es war eine rührende Seene, als er diesen und die bezaubernde Philippine mit ihren Kindern seinem Bruder zuführte, der nicht minder r der deren Schwie­gertochter Benehmen, als über ihre Schönheit erstaunt und entzückt war. Tie Kinder des treuen Paares wurden legitim erklärt, doch werden sie nur die Mark­grafen von Burgau und nicht Erzherzoge von Oester­reich genannt. Noch achtundzwanzig Jahre dauerte die glückliche Ehe, welche ein Beispiel hat Sl ich en Glücks