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Es mochte bereits nahe an Mitternacht fepn, als ein in einen Mantel gehülltes Mädchen die Straßen Eßlingens durchschritt und sich hinaus nach dein Neckarufer wandte. Es war eine -herrliche Mondnackt. Als sie die letzten Häuser im Rücken hatte, und keine Seele um sich sah, begann sie die Hände zu ringen und laut zu seufzen und zu weinen. Darauf ging sie noch ein wenig weiter, bis sie eine Stelle erreicht hatte, die einen mächtigen Eindruck auf sie zu machen schien. Dort warf sie sich nieder auf ihre Kniee und betete.
Hell schien , vom Himmel der Mond. Es war eine - xlare, stille Nacht. .Ruhig glitten die ewig eilenden Wellen des Flusses fort. Das Mädchen dachte an einen süßen Traum aus früheren Zeiten.
Da klang auf einmal ein Lied über die Wogen herüber, so innig, so sehnsüchtig, so lockend, daß sie, ganz Ohr, näher an das User trat und lauschte. Und siehe da, plötzlich fchimmerte im Mondschein <1118 dem Flusse ein weißer Arm.
„Bist Du da, Carl,," rief das Mädchen, von süßem Wahnsinn erfaßt.
„Ja, ich halte Wort!" rief eine hohe, edle Gestalt, die plötzlich vor dem Mädchen stand. , „Fürchtest Du Dich vor mir V‘
„O nein, mein Carl, ich fürchte mich nicht vor Dir! Ich sehne mich sa, mit Dir vereint zu werden! Es schaudert mich freilich ein wenig! Die Nacht ist so kühl!"
„Seh nur getrost!" liebe Pauline, „ich bm zwar eiskalt und komme in der Gestalt der Geister; aber Gott hat mir vergeben. Mir ist jetzt wohl. Nur Du fehlst mir in der andern Weit!"
„Und Du fehlst mir in dieser!" sagte Pauline.
„Horch! das sind die Mclodieen des Jenseits!" rief 'Sehbold's Geist, als die Wogen des Flusses stärker rauschten. „Höre, wie sie locken! Komm und folge mir!"
„O weile nur noch einen Augenblick!" sagte Pauline.''„Laß dich umfassen, Du theures Schattenbild!"
Sie streckte ihre Arme nach ihm aus, aber seine Gestalt zerfloß in die Lüfte.
Da ergriff sie ein namenloses Weh, sie wußte sich nicht mehr zu rathen und zu helfen, alle ihre Gedanken verwirrten sich in einander — die Nire hob aus den Wellen wieder lockend den Arm empor — das rufende Lied erklang wie von dem geheimnißvolUn Ufer des Jenseits stärker und stärker — der Wahnsinn packte sie am Arme — sie hielt das grause
Phantom für ihren Carl — und bewußtlos fühlte sie sich von dem abschüssigen Ufer hinabgeriffen in die feuchte Tiefe.
Das Echo.
Ein Oberförster voll von lust'gen Streichen (Es müffen's glaub ich alle Grünröck fepn) Verzehrte in dem Schatten stolzer Eichen Sein Mittagsbrod und machte Jagdlatein, Das heißt auf deutsch, er machte Wind. Zwei fremde Herrn, die neben jenem saßen, Und auch nicht übel becherten und aßen, Vergassen, wie die fremden Herren sind. Vorlauter Staunen Braten, Brod und Wein; Bei diesem Wind fürwahr könnt' es nicht anders fepn. Der Mann erzählte nehmlich, gar nicht weit Von jenem Platz, wo eben stolz und breit. Die Grünröck' saßen, sep ein Wiederhall, Der ganze Sätze oft verdoppelt schallte „Ei nun, so sprach ein Herr, ist's in dem Walde, So laßt uns hören jenen Wunverhall!" Da wird's dem Forstmann doch zu kraus und bunt, Er krazt sich fast den armen Schädel wund; Doch was half das? es macht nicht ungelogen, Wie er mit tölpler List die Herrn einmal betrogen. Doch faßt er sich ein Herz, schickt einen Jägersmann Hinweg und spricht: „Sell dei grüß Dann
Do stellst du deich derhinnig, und wann eich was sahn, Dann sahst de grod, wei eich gesaht!"
„Schunt gout!" spricht Bruder Hanns, geht seinen Pfad. Da kommen denn die Drei zur großen Tann', In der das Echo wohnt; da fing der Jäger an Zu fragen: „No, Hannes, sepd er dm?" Das Echo spricht: „E halbe Stunn schunt, jo!" „Das Echo un die Krenk!" ruft laut der Jäger aus: „No flucht mer nor nit su, eich kumm jo schunt eraus" Erwiedert's Echo drauf, und aus dem Busch heraus Tritt keck Miß Echo angethan mit einem JägerflauS.
Glückliche Zeiten.
O glückliche Zeiten!
Die Heiligen beten für unS,
Die Mönche trinken für unS, Die Reichen essen für uns, — O glückliche Zeiten!
Mr brauchen nur für ans zu arb eiten!
Auflösung der Charade in Nr. 49. Brautwerber.
Zur gefälligen Beachtung.
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Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.


