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Sie uns unr wegen der obwaltenden Verhältnisse den Gefallen, unser Haus vor der Hand so viel als möglich zu meiden!"

Seybold versprach dieß wahrscheinlich mit der größten Bereitwilligkeit; und so war denn der ganze Vorfall mit seinen möglichen bösen Folgen für heute ausgeglichen. In den nächsten Tagen sollte es freilich anders kommen.

5.

Es gab nämlich eine große Jagd, an welcher fast sämmtliche Jagdfreunde der ganzen Umgegend iheilnah- men. Auch P a u l i n e n ' s Verlobter hatte sich dazu eingefunden. Daß der Försterssohn Seybold dabei nicht fehlen durfte, versteht sich von selbst.

Die Jäger wandten sich nach dem Walde über dem rechten Neckarufer, und postirten sich dort einzeln in den gewöhnlichen Distanzen. Laut erscholl das Halloh der Treiber.

Zufällig war Bär der Nachbar Seybold's ge­worden. Sie standen etwa dreißig Schritt weit von einander. Plötzlich rauschte das Gebüsch; ein Wild nahte sich. Bär legte auf dasselbe an, schoß und fehlte.

Auch Seybold hatte, an eine- mächtige Buche gelehnt, nach der Richtung angelegt, woher das Wild zu kommen schien. Doch noch ehr Bär sein Gewehr abschoß,' dachte er an die Worte seines Nebenbuhlers: Wir treffen uns!" und jener böse Dämon rauschte wieder an ihm vorüber.

In solchen Augenblicken theilt sich des Menschen Wesen manchmal halb in Raffinerie und Besinnungs-, losigkeit. Noch ehe Bär abschoß, überlegte er blitz­schnell, und ehe er noch mit seiner Ueberlegung fertig war, hatte sich unwillkürlich der Lauf seines Geweh­res nach Bär hingelenkt.

Genug, als r abgeschossen hatte, erfolgte fast gleichzeitig ein zweiter Schuß, und Bär lag blutend am Boden.

Seybold sppang darauf rasch hinzu und rief um Hülfe. Bald versammelten sich um den im Blute schwimmenden Bär eine Menge von Leuten. Sey- bold, von allen Seiten mit Fragen bestürmt, ant­wortete, daß sich Bär entweder absichtlich, oder un­absichtlich selbst erschossen haben müsse. Da Bär be­wußtlos und mit dem Tode ringend am Boden lag, und Seybold selbst augenblicklich nach dem Schüsse um Hülfe gerufen hatte, so setzte man, da man ihn als einen Biedermann kannte, in seine Behauptungen keinen Zweifel, und dachte vor Allem darauf den schon halbtodten Bär in die Stadl hereinzuschaffen. Man brachte ihn zu seinem Onkel, dem Sattler Pfau. Alle ärztliche und chirurgische Hülfe schien fruchtlos. Die Kugel hatte durch die Brust getroffen. Der Patient lag ohne Bewußtseyn; es war nicht mehr 'zu befürch­ten, daß er den näheren Thatbestand verrathen würde.

Seybold befand sich während dieser Zeit in größter Aufregung. Erst nachdem seine That verübt war, befiel ihn eine' gräßliche Angst. Er nannte sich im Stillen einen gemeinen Verbrecher, und es war ihm zu Muthe, als ob er wie Kain durch die ganze Welt immer weiter rennen müßte. Doch auf der an­dern Seite suchte er sein- Gewissen zu beschwichtigen, und beredete sich sogar, eine Edelthat gethan zu haben. Er dachte an P a u l i n e n ' s Worte;B ä r k a n n vielleicht sterben!" Und sein Tod begründete ja das Glück zweier Liebenden, die ohne denselben Zeitlebens unglücklich geworden wären. Er redete stch ein, nur Paulinen zu Liebe das Verbrechen be­gangen zu haben, das ja übrigens zu seinem Tröste nicht mehr an den Tag kommen konnte. Denn Bär röchelte, als er ihn verließ, und rang schon mit dem Tode. Aber:

Hoffe nie, ein Glück zu erringen,

Das die Geschicke nicht selber bringen!" nuipte er sich doch dabei im Stillen sagen. Er ging nacl) Hause warf sich in gräßlicher Stimmung auf fein Belt, und that die ganze Stacht kein Auge zu.

Obgleich nach den Aeußerungen des Arztes Bär schwerlich zu retten war, so erhob sich gleichwohl immer vor Seybold der Gedanke wie ein drohendes Ge­spenst:Wie aber, wenn er doch wieder aufkäme und die Wahrheit an den Tag brächte?"

Schon mit dem frühesten Morgen eilte Seybold, um durch den Schein von Theilnahine allen Verdacht von stch abzulen'ken, an Bär's Krankenlager. Man fürchtete noch jeden Augenblick, d ß er sterben könne. Zu seiner großen Beruhigung vernahm er, daß der Kranke noch kein Wort gesprochen habe.

Der fürchterliche Zustand deS Kranken dauerte einige Tage fort, als auf einmal eine unerwartete Krisis eintrat. Sein Fieber ließ etwas nach; er konnte freier athinen. Zwar phantastrte er noch; doch traten zu­weilen lichte Augenblicke ein, wo er die ihn umgeben­den Personen erkannte und auch einige Worte sprach.

In fürchterlicher Spannung streifte Seybold durch Feld und Wald. Er wagte es nicht mehr, den Kranken zu besuchen, sondern suchte nur durch Fragen zu erfahren wie es mit ihm stehe.

Eines Tages verschlimmerte sich B ä r' s Zustand wieder dermaßen, daß er allgemein todt gesagt wurde. Eine Centnerlast fiel Seybold bei dieser Nachricht von der Brust. Er athniete neu aus und ging Abends in den 'Adler zu Eßlingen. Dort trank er ganz ruhig feinen Schoppen Wein, als auf einmal zwei Polizeisoldaten eintraten, und ihn in das Eriminalge- fängniß abführten. ,,

Denn, schon dem Tag vorher, wo sich Bär wohler und bei voller Besinnung befand, hatte er das Ge- heimniß an das Licht gebracht. Pa er zugleich über sein und Seybold's Verhaltniß zu Pauli neu