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die Hand auf sein Haupt und sprach feierlich: „Wer Du auch seyst, Du Geschiedener, ich hake Deine Blicke verstanden und schwöre hier bei Deinen ehrwürdigen Resten, daß ich dem Kinde, so lange ich lebe, ein liebender Vater seyn will."
Der Knabe, der sich auf ein Knie niedergelassen hatte, schlug mit dem heiligen Ausdruck der leidenden Unschuld seine großen thränenvvllen Augen zu Valentin auf, liebend beugte sich dieser zu ihm nieder und breitete seine Arme nach ihm aus. Lächelnd erhob sich die schlanke Gestalt und barg ihr glühendes Haupt an des Retters Brust. Valentin streichelte ihm die kastanienbraunen Locken aus der Stirne und drückte einen Kuß auf dieselbe, indem er ihn fragte, ob der Gestorbene sein Vater gewesen? Der Knabe riß sich statt aller Antwort in heftigem Schmerz von Valentin los und weinte bitterlich über der Leiche. Als er sich nach einer Weile wieder ruhig emporrichtete, fragte ihn Valentin zärtlich: „Willst Du mein Sohn seyn, wie Du diesem es warst?" worauf das Kind die linke Hand auf des Greisen Brust te..te und mit krampfhafter Zuckung Valentin's Rechte faßte. „Wie heißt Du?" fragte ihn Valentin. — „Gabriele nannte mich mein Vater. — Und wer seyd Ihr? — Und Du?"
lispelte der Knabe, indem er auf seines Vaters Leiche und die Harse deutete — „Ich bin ein Maler aus fernen Landen, doch komm' mit mir in Deine neue väterliche Wohnung!" — Gabriele war nicht zu bewegen , die Leiche zu verlassen und Valentin war ge- nöthigt, ihn so lange dort zu lassen, bis er sie mit herbeigeholter Menschenhülse in seine Wohnung tragen konnte. Er ließ sie in der Stille begraben und forschte nun sorgfältig nach seines Sohnes Heimath und Geschlecht, konnte aber Nichts weiter erfahren, als daß der Alte in Rom ein kleines, einsam gelegenes Haus bewohnt und sich von seiner Harfe ernährt habe.
II.
Achtzehn Monate lebte Valentin in treuem Streben nach künstlerischer Vollendung in Rom, und schon wurde sein Name in Italien uuv jenseits der Alpen rühmlich genannt. Clärens hielt soivohl sein Freund, als die Alterthümer Roms, für die er eine leidenschaftliche Vorliebe hatte, zurück, und in glücklicher Abgeschiedenheit lebten die Freunde ihre Tage hin, die ihnen durch die holde Gegenwart Gabriele's nicht wenig verschönert wurde.
(Fortsetzung folgt.)
B e k a n n t m a ch u n g.
Das Anzeigeblatt für die Stadt und den Kreis Gießen erscheint vom Jahre 1848 an vereint mit den Kreisen Grünberg und Hungen, wöchentlich 2mal, am Dienstag und Freitag Abends. Inserate jeder Art, welche längstens bis Montag, Morgens 9 Uhr, an die Erpcdition eingesendet werden, werden in das am Dienstag Abend erscheinende, und diejenigen, welche längstens bis Donnerstag, Morgens 9 Uhr, eingehen, in das am Freitag Abend erscheinende Blatt ausgenommen. Jnseratgebühren werden für gewöhnliche Schrift per Zeile mit 2 Kreuzer, größere oder kleinere Schrift nach Ranmverhältniß berechnet. Die Pränumeration für das ganze Jahr ist für Einheimische 1 st. 30 fr., für Auswärtige incl. des Porto's und Postgebühren 1 st. 42 fr., für das halbe Jahr 51 fr. Da das Abonnement ans dieses Blatt für das laufende. Jahr mit dem 31. d. M. zu Ende geht, so belieben sich diejenigen auswärtigen Abonnenten, welche solches auch für das folgende Jahr fortzuhalten wünschen, wegen Anbestellung desselben, an die ihnen zunächst gelegenen Großhcrzogl. löbl. Postämter oder Posterpeditionen und Einheimische an die unterzeichnete Erpcdition innerhalb 8 Tagen zu wenden, und den Pränumerativnsbetrag franco einzusenden. —
Die Redaction.
Die Möglicher der Backgesellschaft, welche mit ihrer Beilreibung, pro November noch rückständig sind, haben nunmehr dem mit der Mahnung beauftragten Stadtdiener Moll von jedem restirenden Posten die Kosten der Erhebung mit drei Kreuzer zu vergüten. Von heute Mittwoch an können die Mitglieder der Gesellschaft ihre Kuchen in der Bäckerei gebacken erhallen; jedoch wollen sich dieselben soweit, alö die vorräthiqen Kuchenbleche nicht ausreichen, selbst für solche sorgen.
Der V o r st a n d.
Truck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei.


