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fte sich anschließen könnte. Lange erinnerte sie sich der Tage, wo sie noch bei der lieben Mutter gelebt. Auf einmal sprach die Kleine freudig vor sich hin:
„Ach, ich habe sa auch noch Etwas von ihr, ich will's doch suchen!" Und sie eilte dem Ofen zu, kletterte an ihm hinauf und brachte bald varauf ein kleines Schächtelchen zum Vorschein, das sie in ihrer kalten Hand empor hielt; dann sagte sie heiter, als wenn sie einen Schatz besäße:
„O wie glücklich bin ich! das ist doch meinen Plünderern entgangen." Sic öffnete das Schächtelchen, das eine Christrose barg, die auf einem messingenen kelchartigen Gestellchen stand. Sie betrachtete die zu- sammengeschrumpste Rose mit dem schönen Gestellchen, auf dem zierlich die Worte eingegraben waren:
„Franz Loose seiner lieben Therese zum And enke n."
Diese Rose hatte Klärchens Mutter als Brautgeschenk von ihrem Bräutigam erhalten, und seither war sie, wie eine Reliquie, aufbewahrt worden. Aber die Kleine ward jetzt wieder traurig und bald füllten Thränen ihre Augen.
„Heute," seufzte sie, „kann ich sie nicht einmal aufgehen sehen, ich habe kein Licht — ja nicht einmal ein Lager und nichts zu essen. O mich friert und hungert gewaltig. Was soll ich anfangen? Die Rose verkaufen? Nein! Soll ich betteln? Das vermaa ich nicht."
Aber nach einer Weile sagte sie ängstlich:
„Und doch muß ich jetzt das Mitleid der Menschen anflehen, und ichen, ob sich denn gar Niemand meiner annimmt."
Jetzt packte, die Kleine ihr Schächtelchen wieder sorgfältig zusammen, steckte es ein und eilte rasch die vier Treppen des ärmlichen Hauses hinab.
(Fortsetzung folgt.)
Lantz wirthscha ft liches.
Der Sauerklee, eine neue G emüsepstanze.
sie zugleich eine schöne Zierpflanze, welche in einem fetten, gut gedüngten Boden trefflich gedeiht. Die Blätter werden als Sauerampfer, die Blüten als Salat verjpeist; am schmackhaftesten sind jevoch die Wurzeln. Dieses ist die Benutzung des oxalis Deppei im Sommer, „jn der letzten Hälfte des Oktobers oder im Anfänge Novembers nimmt nran die Pflanzen aus dem Boden, welche dann an den Wurzeln eine große Anzahl Knollen haben, die zur Fortpflanzung dienen. Unter diesen Knollen finden sich vier dicke rübenarlige Wurzeln, welche im Geschmack große Aehnlichkeii mit Spargel haben, jedoch weit feiner und aromatischer schmecken. Sie werden mit Wasser und Salz gekocht und mit einer Saure von frischer Butter unv Eigelb verspeist. Ihr Genuß gewährt dem raffinirtesten Gurschmecker vollständige Befriedigung, und ist nahrhaft und gesund. Diese Gemüsepflanze, die sich durch leichte Eultur und Ergiebigkeit auszeichnet, verdient gewiß Aufmerksamkeit und allgemeine Verbreitung. Der Versuch, dieses nützliche Gemüse anzubauen, wird sich jedenfalls belohnen.
(Die^ Ackerbohnen als Surrogat für die Kartoffeln.) Man bereitet sie zur Speise aus folgende Weise zu. Rachvem die Bohnen über Nacht im Wasser erweicht worden, setzt man sic in einem Topfe inct reinem Wasser zum Kochen an's Feuer. Sobald das Wasser den Siedepunkt erreicht hat, wrrd es von den Bohnen abgegossen unv reines kochenves Wasser den Bohnen wieder zugegebeil. Nun läßt man sie kochen, bis sie weich sind. Bei alten überjährigen und harren Bohnen erreicht man das Weichwerden leicht durch einen Zusatz von einer Messerspitze voll Pottasche over Soda. Unter jedes Gemüse können die Bohnen dann ähnlich wie Kartoffeln gerührt werden, oder man ißt ;ie allein mit Salz, Pfeffer und einer Sauce, in der etwas gebratener Speck enthalten ist. Alle Leute, die von den so zubereiteten Bohnen gegessen haben, stimmen damit überein, daß sie nicht nur das billigste, sondern auch das wohlschmeckendste Surrogat für Kartoffeln und Brod sind.
25 n e k d o t e.
Im Hause jedes nur etwas ordentlichen Indianers befindet sich ein Zimmer unter dem Namen Brovha- gara, d. h. Schmollzimmer. In dieses schließt sich jede mißgelaunte oder ärgerliche Hausfrau so lange ein , bis die Einsamkeit ihren Zorn beschwichtigt har. Bei uns käme Manche gar nicht mehr heraus!
Im vorigen Jahre machte man in Braunschweig einen Verjuch ir.it dem Anbau einer neuen Gemüsepflanze. Nachvem derselbe über alle Erwartungen günstig aussiel, hat man jetzt begonnen, die Eultur nach einem größer» Maßstabe zu betreiben, und bei der Vortrefflichkeit der Pflanze kann es nicht fehlen, daß deren Anbau und Verbrauch bald allgemeiner werden wird. Schon im Jahre 1844 machte man in England viel Aufhebens von dem durch den geschickten Berliner Gärtner Deppe eingeführten Sauerklee (oxa- lis Deppei esculenta). In Europa wurde diese Kleeart zuerst im Jahre 1827 bekannt, und 1837 kam man zuerst in Lüttich auf den Gedanken, sie zur Spelse zu benutzen. Mit ihrer goldgelben Blume ist
Ein Bauer brachte einmal einem Maler ein Brett, mit der Bitte, ihm den großen Christoph darauf zu malen. Der Maler entgegnete ihm aber, daß das Brett viel zu klein sey. „I!" rief der Bauer „hä ______________ kann ja de Beene ruitterbammeln laten!"
Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Lteindruckerel m Gießen.


