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und Verkaufsniederlage errichtet werden. Zn der Nie­derlage lieferte jeder einzelne Mitarbeiter die Produkte seines Fleißes und empfängt aus der gemeinschaftlichen Kasse nach Zeit und Umständen den Lohn seiner Arbeit.

In solcher Weise wirkt der ehemalige Franen- schncider S. bereits im Kleinen geräuschlos für arbeits­lose Schneidermeister in hiesiger Stadt und gibt da­durch ein ehrcnwertbes Beispiel, das Nachahmung verdient. In der Folgezeit könnte successive Erweiterung derartiger kleiner Institute, gemeinschaftliche Werk­stätten 2C., zur Hebung der Arbeiterklasse Großes be­wirken; denn gar Vieles ist in der Welt klein be­gonnen worden und hat den Grund zu wohlthätigen größeren Anstalten gelegt. S . . . .

Das

Sängerfest -es Lahnbundes in Gieße n.

Bei der kürzlich in Weilburg stattgefundenen Feier des dritten Sängerfestes deö Lahnbundes be­schlossen die Vorstände der anwesenden 18 Vereine dem im nächsten Sommer zu veranstaltenden Frank­furter Fest nicht beizuwohnen, sondern nach der bestimmten Weise ein F e st des Lahnsänger- b und es f.nern zu wollen, und dach! en, ungeachtet der Bitten der Vereine zu Limburg und Herborn der Stadt Gießen, als der älteren Schwesterstadt die Ehre zu, im nächsten Jahre die hohen Sänger­gäste aufnchmen zu dürfen. \

Zum Zweck der Berathung war bereits eine Versamm­lung der Vorstandsmitglieder der 3 hier bestehenden Vereine anberaumt, die aber durchaus ohne Resultat blieb. Es wäre jedoch zu wünschen, daß die Vereine selbst mehr Interesse an der Sache zeigten; denn sie sind es doch, die der ganzen Anstalt Leben und Geist geben sollen. In dieser Borstandsversammlung nun wur­den bereits Stimmen laut, die befürchten ließen, der Eifer der einzelnen Bürger werde so gering seyn, daß sich die Stadt Gießen blamiren und hinter den kleineren Städten, die sich bei Anordnung der früheren Feste so aufopfernd und freundlich gezeigt, weit Zurückbleiben werde. Die Stadt Weilburg zumal hat die größten Opfer zu Empfang, Ausnahme und Bewirthnng ihrer Gäste gebracht, die alle noch recht gern und oft an die heiter verlebten Tage zurückdenken werden. Mit denselben Erwarlungen werden nun die 18 Vereine nach Gießen kommen und um so größer wird die Schande seyn, je nuhr man den ärmlichen Anstalten ansicht, daß Gießen das Fest nur haltest will, weil es einsieht, daß cs Revange schuldig ist, und so wohl­feil als möglich daran vorbei kommen möchte!--

Die Theilnahme in Weilburg war eine allge­meine. Sämmtliche Häuser der Stadt, bis auf die entlegensten Sackgäßchen waren aus's Prächtigste

decorirt, sämmtliche Hausbesitzer hatten für Zimmer gesorgt, die mit der größten Gastlichkeit den Sängern geöffnet wurden; die Schulsäle selbst waren ausge- räuint und Betten darin aufgefchlagen; die Kosten des Festes trug nicht der Gesangverein, nicht die Stadt; sondern sie wurden durch Actien gedeckt, bei deren Uebernahme Verlust zu befürchten war, ganze Leinwandlager wurden ausgelcert und die theucre Waare unentgeldlich hergeliehen, und warum soll in Gießen nicht auch ein solcher Gemcinsinn Wurzel schlagen können?

Freilich darf der Staatsdiener nicht stolz herunter­blicken auf ein Fest, dessen Bedeutung in unserer Zeit so recht klar wurde; freilich darf er sich nicht aus- schlicßcn und es zu tief unter feiner Würde halten, Thcil zu nehmen an dein Fest der Nation. Ein­sender dieses greift diese Anschuldigung nicht aus. der Luft, sondern hat wirklich mehrere Stimmen gehört, die da sagten:Was geh'n uns die Spässe der Philister an!" O pfui!

Nun erlaube ich mir einige Vorschläge zur Ent­fernung der verschiedenen Bedenklichkeiten zu machen.

Vor Allenr wird der Gcmeinderath die ganze Lei­tung des Festes zu übernehmen haben; das Fest ist ein Fest der Stadt und nicht der drei Vereine. Der Gemcinderath wählt die Mitglieder der verschiedenen Comitös; ihm liegt die Pflicht ob, nach allen seinen Kräften zu wirken und zu schaffen. Der Gemeinde­rath hat vor Allein darauf zu sehen, daß die Häuser der Stadt würdig decorirt werden; das nöthige Laub­werk wird unentgeldlich, wie auch in Weilburg, der Stadtwald liefern, denn ohne diese Maßregel möchte wohl vor dem Wallthor und auf dem SAtersberg ein geschmücktes Haus gefunden werden und die ganze Stadt mit trübem Aschcrnrttwochsgesicht einen trau­rigen Hintergrund zu einem Feste abgeben. Der Gemeinderath hat für ein passendes Lokal zu sorgen. So wird er sich etwa bereit finden lassen die Wiesen vor dem Philosophcnwald oder den Trieb zur Er­bauung einer Festhalle herzugebcn.

Für das Zusammenbringen der allerdings bedeu­tenden Kosten kann schon jetzt gesorgt werden; denn je eher dies geschieht, desto weniger Opfer kann es dem Einzelnen seyn. So könnten etwa z. B. die drei Vereine zu einem großen Concert zusammentreten, was ausnahmsweise stark besucht seyn müßte und so schon einige hundert Gulden abwerfcn könnte. Aetien zur Erbauung der Halle, sind eigentlich nur billige Vorschüsse, also wird gar mancher Bürger mit Vergnügen einige Loose nehmen, die sich ja im gün- ßigen Fall gut rcnürcn können. Kurz Wril­l' u r g hat gezeigt, wie man ein Fest feiern soll, Gießen wirds doch wenigstens nachmachen können und sich nicht blamiren wollen.

St.