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mutg nach wenig geeignet sind, der Sache zu dienen, mit Wahrheit behauptet werden.
Artikel, wie der von (S. geschriebene, sind geeignet, bei jedem Handwerker Nachdenken zu erwecken, ich crlanbe mir noch einen Punkt zu berühren, welcher bis jetzt noch nicht zur Sprache fant, und welchen solche Leute/ deren Lage cs erlaubt und mit sich bringt, berücksichtigen mögen. An keinem Orte wird wohl der Handirerker so sehr in Anspruch genommen zu creditiren als hier, abgesehen von den Studirenden, deren Verhältnisse es oft mit sich bringen, einen längeren als halbjährigen Kredit anzusprechen, haben wir aber auch wohlhabende Leute in allen Klassen, die den Handwerker oft Jahre lang auf seinen Verdienst wartLN lassen, der Eine kann sich von seinem Mammon nicht trennen, der Andere weiß das Geld noch eine Zeit lang mit Vvrtheil zu verwenden, der Dritte ist nachlässig, braucht oft nur die Rechnung nachzusehen und je nen Namen zu schreiben re. re. Höchst übel wird es oft vermerkt, ost mit bitteren Worten ja mit Entziehung der Krmdschast gerügt, wenn der Handwerker sich durch Gelvnoih gedrängt sieht, um Zahlung zu bitten. Mancher spricht lieber einen Freund um ein Darlehen an, ehe er den Muth saßt sich diesem auszusetzen. Die Folgen welche ein solcher Zustand mit sich bringt, sind leicht cinzusehen, der Verdienst steht im Buche, mit Mühe bringt man das Geld zu den nöthigsten Ausgaben und Zahlringen zusammen, in der Erweiterung des Geschäftes ist man geheniint, junge Anfänger können ohne bedeutende Geldmittel ihren Verpflichtungen nicht pünktlich nachkommen, und mancher fleißige Mann verliert den Muth. Fast in allen Geschäften, deren man hier bedarf, haben wir Meister, die tu Ausführung der Arbeit Jedem einer größeren Stadt würdig zur Seite können gestellt werden, aber an Gcldnoth scheitert die Erweiterung des Geschäftes und der beste Wille. Mögen Diejenigen, für w.lche diese Zeilen geschrieben sind, solche nur recht beherzigen, so ist der Einsender dieses vollkommen mit dem zufrieden, was dieser Artikel bezwecken soll. K.
Andeutung.
Bei gegenwärtigem Eisenbahnbau werden so viele schöne in bester Kraft stehende Obstbäume umgehauen und ausgerottet, während doch mancher, wenn nicht, alle, leicht für die Produktion gerettet und erhalten werden könnte. Im Schloßgarten zu Bieberich stehen- die dicksten prächtigsten Eichbäume, erst seit wenig Jahren aus den Bergen dahin, in die Ebene versetzt. Um einen guten Obstbaum, der in der Bahnlinie steht, daraus zu entfernen und sich zu erhalten, darf man nur im Winter bei Frost von seinem Standorte an einen Graben bis zu der Stelle ziehen, wohin er
zu stehen kommen soll. Alsdann -wird derselbe in weitem Kreise um den Stamm mit möglichster Schonung der Wurzeln und Belassung möglichst vieler Erde an diesen, los und auögegraben und auf einen über oder in dein Graben bereitstehcnden Wagen um- gelegt und so auf die neue Stelle geführt unt> allda anfgcrichtct und festgcstellt. Auch dürften ihn: da noch etwas Aeste genommen und zurückgeschnitten werden- Freilich ist die Verpflanzung solcher Bäume alsdann schwieriger, wenn dieses nicht in der-Nähe geschehen kann, sondern sie erst weiterhin geführt werden müssen. Allein daß auch dieses möglich ist, wird durch jene Eichen bei Bieberich nachgewiesen. — r.
Eingrfandt von Steinbach.
Vor einigen Tagen hörten wir zum erstenmal die feierlichen Töne der neuen Glocken in Steinbach. Die Schönheit und Harmonie des Geläutes verdient eine allgemeine Anerkennung, welche dem Verfertiger, Herrn Glockengießer Friedrich Otto in Gießen, zur größten Ehre gereicht.
Feuilleton.
Mehrere Studenten badeten sich einst auf ihrer Ferienreise in einem ziemlich fern udh einem Dorfe gelegenen Bache. Da schon einige Tage bei ihnen Scbmalhans Küchenmeister gewesen, so machte es ihnen keine geringe Freude, als sie zwölf Enten den Bach herabschwimmen sahen, die sie sofort als gute Beute erklärten. Vergebens harrte der EigeMhümer dieser Enten auf ihre Zurückkunft, erst spät am Abend kant der Enterich ganz allein auf das HauS zugewackelt und wies seinem Herrn ein Täfelchen , auf welch euch dieser nicht ohne Verwunderung die Worte las:
„Wir alle zwölf Enten
Geriethen unter die Studenten,
Ich, die größte ganz allein,
Bring' von den andern den Todtenschein!"
Charade.
(Zweisilbig.)
Das Erste zieht in ungemess'ncm Kreise In ew'ger Klarheit still und traulich hin, Es sinnt und staunt und forscht in ihm der Weise, Fühlt zaubrisch sich nach seinen Sphären zieh'n Du schwärmst i» Liebeslust, in tausend Wonnen, Von Lebeusglück die Brust Dir überschäumt; — Da naht das Zweite, stürzt Dich aus den Sonnen, In denen Du ein Ideal geträumt.
Das Ganze ladet Dich in trauten Stunden In Buchengänge zu der höchsten Lust, Kein süß'rcs Glück hat je Dein Herz empfunden, Lockt's Dir Geständnisse aus voller Brust.
Th. $.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei.


