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hob eine Steinplatte empor und man stieg m ein gut erhaltenes Gewölbe hinab, das sein schwaches Lucht von oben empfing. Es mußte dies nicht di- erste Zusammenkunft seyn, denn di- Fremden schienen ziemlich bekannt mit den Eigenthümlichkeiten der Ruine Lange sprachen sie untereinander, endlich kehrte Jeoffroy, gefolgt von fünf andern Männern, zurück.
„Ich darf hoffen," begann er, „daß der Zweck meiner Ladung Euch Allen nicht unbekannt geblieben ist und danke Euch zuvor für die Bereitwilligkeit, nut welcher Ihr Euch eingefunden habt. Wir Md hier so sicher wie in dem Schooße Abrahams und da uns Alle ein Band verbindet,, so kann höllischer Verrath sich nicht bei uns einschleichen. Frankreich hat uns alle Zwölf ausgestoßen, unser Leben ist dem Henker verfallen, unser Haupt vogelfrei. Unser Aller Begehr
__ Rache an dem Urheber unserer Leiden, unserer Schande. Der Zeitpunct dürfte gekommen seyn Ich bin von den Todten erstanden und habe Euch m qanz Frankreich aufgesucht, Einer fand den Andern, aber nur zusammen in Einigkeit können wir gewaltig bandeln. Ich ermahne Euch, ftyd einig und vergeßt Eurer selbst, wo Ihr für ein- höhere Sache zu handUn habN^ „ rief begeistert einer der V»r- sammelten. „Aber Ieoffroy halte, was er versprochen Wir sind zum drittenmal hier versammelt und noch immer fehlt jener junge Mann, der mit fo_ gkh"M- nißvollen Banden mit dem König verbunden ,eyn zoll. Ihr habt uns gesagt, von ihm hänge Alles ab, und dennoch zögert er, vor uns zu erscheinen.
Jeoffroy's Stirn umwölkte sich, er stockte mit der Stimme und erst das Murren der Versammelten brachte ihn wieder zu sich. ,
Wer wagt eS hier," rief er nut starker Stimme, mich an meine Pflicht zu mahnen? Was wäret Ihr ohne mich? — Männer der Nacht, die, ausgcscblossin aus der bürgerlichen Gemeinschaft, dem unschuldigen Wanderer auf der Heerstraße auflauerten und ihm um rirres Lire halber di- Kehle abschnnten Men, Vorhaben ist ein heiliges, und nicht die Sucht nach Beute bestimmt mich, wie Euch, zur Rache Es trete aus dem Bund, wer nickt die Kraft zum Handeln fühlt
Alle schwiegen; das Wort dieses einzigen Mannes schlug die rauhen Söhne des WaldeS darnieder. Noch stand Jeoffroy leuchtenden Auges, die Hand erhoben, da drangen verworrene Stimmen aus der Höhe herab. Todtenbleich sprangen Alle auf, nur der Greis alle,»
Zittert Ihr!" rief er höhnisch, „packen Euch die Schrecknisse des Gewissens? Bleibt ruhig — ich werde Euch Beruhigung bringen, die Nahenden muffen -in- geweiht seyn — horch, da tönt das Zeichen'/
Mit dem Feuer eines Jünglings sprang er die
Stufen hinan, stieß die Fallthür auf und erblickte — Paseal gebunden in der Mitte dreier Männer.
„Da seht den jungen Fant!" rief einer von ihnen Jeoffroy entgegen. „Wir fanden ihn in unserem Gehege und durften ihn die Straße nicht ziehen lasten, wollten wir nicht Verrath befürchten."
„Befreit mich aus den Händen dieses rohen Gesindels !" sprach der junge Mann unwillig zu Jeoffroy. Diesen aber ergriff das höchste Entsetzen bei dem unerwarteten Anblick des Jünglings.
„Unglücklicher!" rief er verzweiflungsvoll, „welcher Unstern führte Dich zu so unheilbringender Stunde in diese Gegend?"
Er hieß die drei Männer in das Gewölbe hinab- steigen und wandte sich dann wieder zu dem Gefesselten, dessen Bande er löste:
„Weißt Du, daß Du unrettbar verloren bist, wenn Dich die erblicken, die diese unterirdischen Gänge bergen? Nur zwei Entschlüsse können Dich retten; vertrau Dich mir gänzlich, räche durch mich Deine gemordete Mutter, oder schwöre bei ihrem Andenken, nie zu ver- rathen , was Du hier erblickt."
„Glaubt Ihr, ich habe je vergessen, was Ihr meiner unglücklichen Mutter wäret?" fragte empört der junge Mann. „Ich werde Euch nicht verrathen, aber gesteht offen, was Ihr im Werke gegen meinen königlichen Vater führt."
„Noch einmal," rief die letzten Künste der U-ber- redung aufbietcnd, der Alte, „noch einmal, Pascal, beschwöre ich Dich, vertraue Dich mir an und ich werde Dich groß machen, Dich auf die höchste Stufe deö Glücks erheben!"
„Und die Ruhe meiner Seele?" unterbrach ihn erschüttert Pascal. „Wähnt Ihr nicht, ste stünde mir höher, als alle Güter der Erde? Jeoffroy, ich beklage Euch, aber Ihr werdet mit aller Gewalt der Erde den König nickt gefährden können. Lebt wohl, vielleicht für ewig; es ist besser, ich weiß nichts von Eueren Plänen, als daß ick wissend der Gefahr ausgesetzt bin, zum Verrä her an Euch zu werden!"
Noch einmal drückte er dem ehemaligen Vater die Hand und wandte sich dann schmerzlich ergriffen in den Wald zurück. Jeoffroy starrte so lange nach, als er ihn erblicken konnte, dann warf er noch einen Blick finsterer Entschlossenheit gen Himmel und eilt- in die Ruinen. (Fortsetzung folgt.)
Auflösung des einsilbigen Räthsels in 65.: Nacht.
Auflösung des Silbenräthsels in .A8 65.: Prozeß.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.


