Änzcigrbtntt für die Stadt und den Kreis Gießen. Jti 30. Mittwoch den 14t. April 184l7.
Bekanntmachung.
Das Befahren des hiesigen Stadtpflasters mit schwerem Fuhrwerk betreffend.
Unter Aushebung der diesseitigen, im obigen Betreff erschienenen Bekanntmachung vom 20. Oktober 1846 wird nunmehr festgesetzt:
daß Fracht- und anderes schwere Fuhrwerk, welches in hiestgcr Stadt weder auf- noch abladet, nicht durchpassiren darf, sondern von dem nächsten Thore ab links um die Stadt gefahren werden muß, und zwar bei Vermeidung einer Strafe von 5 ff.
Gießen am 12 April 1847.
Der Großh Hess. Kreisrath des Kreises Gießen.
________ Prinz.
Be ka n nt m a ch u n g.
647) Der Hülfsverein zur Unterstützung iwthleidender biestgcr Einwohner hat in Erwägung der Beschränktheit seiner Mittel und des so sehr gestiegenen Preises der Lebensbedürfnisse, beschlossen-
1. Daß vom 15 April an der Preis einer Portion Stippe von l‘/2 Schoppen auf 2 Kreuzer allae- mein erhöht ist; 5 a
2. daß von dem 15. April an die bisher verabfolgten Freikarten ihre Gültigkeit verlieren und zurückzu- gcben sind; 0 1
3. daß nur notorisch ganz arbeitsunfähige Personen vorerst noch unentgeltliche Suppe erhalten können deren täglicher Bedarf nach geschehener Revision 43 % Schoppen nicht übersteigt. 9 '
Indem Vorstehendes zur öffentliche Kcnntniß gebracht wird, nimmt das Comite des Hüsssvereins Veranlassung der hier und da verbreiteten irrigen Ansicht zu widersprechen, als habe die Suvvenansialt hauptsächlich zum Vortheil der hier beschäftigten auswärtigen Fabrikarbeiter gedient. Diese bezahlten » !»esige Einwohner das Doppelte für die Portion Suppe und konnten solche in der Regel erst dann erhalten wenn das Bedürfmß der Hiesigen befriedigt war. J cipmten,
Gießen am 12. April 1847.
Für das Comite des Hülfsvereins.
___________________________________ Bansa.
Bericht
aus Nordamerika über die Kartosfelkrankheit.
(aus dem Rapport des Commissaires du Patent-Office de l’union Americaine nour les ' 1845 et 1846.) 1 eS
Seit mehreren Jahren hatten meine Kartoffelernten au der Krankheit trockener Fäulniß gelitten Da ich ein Abhülfemittel gesunden, so beeile ich mich, dasselbe zum Nutzen Ihrer Leser bekannt zu machen'
Die Kartoffelkrankheit zeigt sich in unserer Gegend seit etwa zehn Jahren. Oester ging ein Drittel der Ernte verloren; überdieß mußten im Frühfahr Hunderte von Scheffeln als ganz verdorben weaaeworken werden — Seit einigen Jahren habe ich zerfallenen Kalk angewendct, welchen ich über die frisch rerlckmit lenen und mit etwas Wasser angeseuchteten Kartoffel-Setzlinge verbreite und nach gutem Ausschütteln alei.fi in den Boden bringe. — Seitdem ich dieses Verfahren anwende, habe ich keine Kartoffeln mehr verloren weder auf den Aeckern noch in den Kellern: und meine Nachbarn, die mein Beispiel befolgten, sind bmt.1 eben so glücklich. Joseph Walter.


