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Hr. Herold, Färb. v. Erfurt. Hr. Metzger, Schneid, v. Lich. Hr. Weller, Geschäftsm. v. Biedenkopf/
In den P r i v a t h ä u sie r n.
Bei Fr. Pfarr. Brieglebr Fr.-Pfarr. Langsdorf v. Kirchgöns. — Bei Hrn. Landger. Dien. Scharmann: Fr. Keller v. Ulrichstein. — Bei Hrn. Tapez. Reiber: Hr Bru- sius, Privatm. v. Lollar. — Bei Fr. Hofger-Ri Weber: S* Landricht. Dittmar v. Lich. — Bei Hrn. Prof Dr. Braubach: Fr. Böhm v. Offenbach. — Bei Hrn. Landricht. Ploch:
Hr. Wolf m. Fr., Hauptm. v. Friedberg. — Bei Hrn. Geh. Medic.-R. Dr. Nebel: Hr Nebel, Pfarrvic. v Oberscemen. — Bei Hrn. Hofger.-Advoc. Dr. Sundheim: Hr. Dr. Ullmann, Geh Medic.-R. v. Marburg. — Bei Hrn. Regier.«R. Müller: Hr. Greve, Oberlieutn. v. Darmstadt. — Bei Hrn. Stuck. Knös: Hr. Schlosser, Cand v. Friedberg. — Bei Hrn. Condit. Lind: Hr. Fischer, Doct. v. Ulm. — Bei Hrn. Kürschn. Schultheiß n : Hr. Becker, Privatm. ».Bleidenrod. Bei Hrn. Geh. Hofr. Langsdorf: Fr. Pfarr. Bergen m. Fam. v. Oberhörlen.
Unterhaltendes nnd Gemeinnntziaes.
Der Informator.
Novelle.
(Fortsetzung )
7.
Bald nach der Entfernung Werner's, der in das zwölf Meilen weit entfernte D — gezogen war, rückten Rosalien's Eltern mit einem neuen Heirathsplane gegen sie hervor. Der Bankier Villani aus Triest hatte geschrieben, daß er in den nächsten Tagen eintreffen werde, um die gefürchtete Abrechnung mit Harder zu halten. Da Villani noch unverheirathet war, so schmeichelten sich Harder's mit der Hoffnung, daß es ihrer Rosalie bet einem klugen Benehmen vielleicht gelingen könne, Villani ein lebhafteres Interesse einzuflößen, und wenn dieß glückte, dann waren sie gerettet.
Vater und Mutter sprachen sich darüber gegen die Tochter ans; sie trafen aber bei ihr auf härteren Widerstand, als sie vermuthet halten. Rosalie brach in Thränen aus und wollte vor Schmerz über diese Zumuthnng vergehen.
„Ich kann mich nicht verstellen," sagte sie, „ich bin es nicht im Staüde, einem stockfremden Menschen Empfindungen vorzuheucheln, von denen mein Herz nichts weiß! Ihr wollt mich als Waare behandeln — Ihr wollt mich verkaufen, liebe Eltern — o, das würde mich namenlos elend machen — das würde mich in mein Grab stürzen!"
„Aber, Rosalie," sagte die Mutter, „es ist der einzige Hoffnungsanker — es ist das letzte Mittel, und wenn auch dieses fehlschlägt, so sind wir unrettbar .verloren! Betrachte Deines Vaters von Kummer gefurchte Stirn — sieh seine Bläffe, seine eingefallenen Wangen —"
„Und sieh die Mutter," fuhr Harder fort, „steh ihre gramverzehrten Züge, steh ihre verweinten Augen — bedenke, daß die Gesundheit Deiner Eltern wankt, daß Du sie vielleicht bald Beide zugleich zum Grabe begleiten kannst, wenn keine Hülfe kommt! Bedenke, daß wir unser Haus, all' unfern Besitz, und was noch mehr ist, den Kredit und guten Namen vor der Welt verlieren; daß die Leute spöttisch mit Fingern auf uns deuten werden, die bisher vor uns zur Erde stürzten —
o, Armuth ist häßlich, aber Schmach und Verhöhnung sind noch fürchterlicher — ich und die Mutter würden ein solches Schicksal nicht überleben! Villani ist unseres Wissens ein feingebildeter und auch äußerlich nicht unangenehmer Mann — Du würdest vielleicht mit ihm recht glücklich ! Genug, Du hast unser künftiges Loos in Deiner Hand! Sollen wir sterben, oder leben! Du hast jetzt darüber zu entscheiden!"
Rosalie rang im Stillen eine Weile fürchterlich mit sich selbst. Sic hatte Werner in einem heimlich an ihn geschickten Briefe ewige Treue geschworen. Jetzt befand sie sich in der Alternative, entweder ihm ihren Eid zu brechen, oder einen feinen Todlschlag an ihren Eltern zu begehen. Wie zwei feindliche, einander gegenüberstehende Ungewitter kämpften zwei : ihr obliegende unvereinbare..Pflichten miteinander — endlich errang die Pflicht des kindlichen Gehorsants die Oberhand.
Ihre Eltern jubelten fast laut auf, als sie ihnen versprach, sich ihrem Wunsche fügen zu wollen.
Alles wurde jetzt aufgeboten, Herrn Villani wahrhaft fürstlich zu empfangen. Zwei Tage später traf dieser in Leipzig ein und stieg im gegenüber von Harder's gelegenen Hotel de Rom ab. Harder's ließen sogleich eine Einladung an ihn. ergehen, bei ihnen zu logiren; diese wurde jedoch dankend abgelehnt. Schon eine Stunde nach seiner Ankunft gegen Vormittags 11 Uhr erschien bei Harder's ein langer, blasser, nicht schöner, aber doch auch nicht gerade uninteressanter Mann im feinsten schwarzen Anzng, der sich als den Bankier Villani aus Triest vorstellte. Harder's schienen überaus erfreut über sein persönliches Erscheinen. Stach einigen andern Gesprächen fragten sie, ob er länger in Leipzig verweilen werde?
„Mein Aufenthalt wird nur von sehr kurzer Dauer seyn," versetzte Villani. „Ich habe hier nichts weiter vor, als unser beiderseitiges Geschäft zu Ende zu bringen, und will mich dann schleunigst nach Hamburg wenden, wo ich baldigst erwartet werde."
„Aber einige Tage werden Sie doch jedenfalls—" fragte die Commerzienräthin beklommen.
„O nein, das ist nicht möglich! Ich wollte eigentlich schon morgen —"
„Ich sage Ihnen, so schnell kommen Sie doch


