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Branntweinladen und Branntweinbrennereien noch mehr zu befördern. Ein Staat, wo dieß Laster allgemein wird, muß untergehen, denn Fleiß, Tugend, Menschlichkeit, Mäßigkeit und moralisches Gefühl, Eigenschaften ohne die kein Staat bestehen kann, werden dadurch völlig vernichtet. Die Geschichte belehrt uns, daß bei wilden Nationen der Zeitpunkt der Einführung des Branntweins immer das Dqtum ihrer kürzer« Lebensdauer und ihrer Schwächung war, und daß dieses Geschenk sie den Europäern mehr unterjochte, als Schießpulver und Kanonen.
Man glaube auch ja nicht, daß man dadurch dem Schaden entgehen könne, wenn man milde und süß- schmcckende Liqueurs oder täglich nur eine Wenigkeit trinkt. Jene schmeichelnden Liqueurs sind cs bloß für die Zunge, im Magen verlieren sie jene Zucker- theile, die ihren wahren Charakter versteckten, und lassen ihr Feuer desto stärker wirken. Und das Wenige, was man täglich trinkt, wirkt doch immer etwas, und, was noch übler ist, es bleibt nicht dabei, sondern macht immer mehr nothwendig. ' Freilich, wer sich einmal an so etwas gewöhnt hat, darf
Zu JV5 K. G. 7925.
Betreffend: den Fruchtmarkt zu Gießen.
Der Großherz
Kreisrath des'
nicht schnell abbrechen, und doch ist es bei dem all- mäligen Abgewöhnen so leicht geschehen, daß man einmal in die vorige Menge wieder zurückfällt. Solchen möchte ich wohl die Methode, die schon einmal mit Nutzen gebraucht worden ist,. empfehlen, in das , gewöhnliche Schnapsgläschen täglich 5, 8 oder 10 Tropfen Siegellack zu tröpfeln; so bekommen sie täglich eben so viel Tropfen Branntwein weniger, und werden unvermerkt zu dem entscheidenden Moment gelangen, wo das Glas ganz von Siegellack voll, und also ihre Portion Branntwein = 0 ist. Der-. selbe Zweck ist auch zu erreichen, verinittelst kleiner Kieselsteinchen."
Daß dieser gutgemeinte Rath in den Herzen aller derer "Eingang finden möge, welche von dieser Sucht befallen sind, ist mein sehnlichster Wunsch. Besonders bitte ich Eltern, Lehrer, Pfarrer, Obrigkeiten, sowie alle gleichgesinnten Mitmenschen, diesem Laster kräftig entgegenzuwirken. — P —
Auflösung der dreisilbigen Charade in 54. ______Rauchschwalbe.
Gießen am 29. Juni 1847.
oglich Hessische
Kreises Gießen
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die sämmtlichen Gr. Bürgermeister dieses Kreises, mit Ausnahme desjenigen zu Gießen.
Um zu verhüten, daß Diejenigen, welche die hiesigen Fruchtmärkte besuchen und Getraide, Hülsenfrüchte, Mehl und dergleichen zum Verkaufe ausstcllen, nicht in die Lage kommen, ihre Maaren um Mn Preis verkaufen oder solche wieder hcimführen zu müssen, ist die Einrichtung getroffen, daß zeder Verkäufer, wenn er es wünscht, auf desfallsiges Anmelden bei dem Marktschreiber seine unverkauften MarktobMe von einem Markte zum anderen dahier einstellen, und darauf einen entsprechenden Vorschuß aus städtischen Mitteln
Ich fordere die Großh. Bürgermeister aus, dieses,in den resp. Gemeinden alsbald gehörig zu veröffentlichen und wie geschehen binnen acht Tagen einzuberichten.
Prinz.
(Verspät et) 1274) Versteigerung von Bauarbeiten.
Montag den 12. d. M.,
Vormittags 10 Uhr, sollen an den Pfarrgebäudcn dahier nachstehende Arbeiten, als:
1) Schreinerarbfft, vcranschl. zu 89 fl. 10 fr.
2) Zimmerarbeit, „ ,, 4 „ 4 ,,
3) Maurerarbeit, - ,, „ 24 ,, 20 ,,
an Ort und Stelle unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen an die Wenigstfordernden in Accord gegeben werden.
Großenlinden am 5. Juli 1847.
Der Kirchen verstand.
1276) Am 8. Juli gegen Abend ist vom Seltersberge bis ans Thor ein Heukelkorb mit einem himmelblauen Kindcrkleidchen verloren gegangen. Der redliche Finder wird ersucht, solches gegen eine Belohnung bei der Erped. d. Bltts. abzugeben.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch - und Steindruckerei in Gießen.


