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Die Noch hatte dem Prinzen endlich geboten, sich dem Grafen Stephani anzuvertrauen. Was die Freundscbast und Zuneigung nur ersinnen kann, bot dieser auf, um jenen von seiner unglücklichen Leidenschaft zu heilen. Vergebens. Die Schwermuth des Prinzen nahm immer mehr überhand und er erklärte fest, in einen Orden zu treten, wenn es ihm nicht gelingen sollte, Philippine zu seiner Lebensgefährtin zu erhalten. Bei dem bekannten, mit seinem Alter ganz außer Verhältniß stehenden, unbiegsamen Character hielt Graf Stephani für das Beste, den Prinzen in seiner Liebe zu unterstützen, um ihn nicht zu extremen Schritten zu veranlassen. Es wird daher ein zweiter Brief an Philippine gesandt, auf welchen folgende Antwort einlief:
„Gnädigster Prinz!
„Ich bin nicht unempfindlich für Euere Liebe und ich schäme mich nicht, zu gestehen, daß ich Euch seit dem ersten Augenblick, wo ich Euch sah, liebte, daß ich Euch ewig lieben werde. Aber dieses Geständnis; ist auch Alles, was ich rhun darf. Ich bitte Euch, damit zufrieden zu sehn und nicht mehr daran zu denken, mir zu schreiben, weil es mich und Euch in große Verlegenheit setzen könnte."
Dieser Brief, statt den Prinzen auf eine hoffnungslose Liebe aufmerksam zu machen, erregte vielmehr die größten Hoffnungen in ihm und — so schwach macht die Liebe — auf vieles Bitten wurde ihm auch endlich ein Stelldichein im Garten bewilligt.
IV.
Es war eint schöne, freundliche Sommernacht, die Sterne funkelten am Horizonte, kein Lüftchen regte sich und Alles schien int tiefsten Schlafe zu scyn. — In einem leichten, einfachen Anzuge stand die schöne Philippine unter der Thüre ihres Schlafzimmers, welche in den, hinter dem Hause liegenden Garten ging. Ihre Augen hefteten sich auf die Garten-Anlage vor ihr, als suchten sie einen Gegenstand zu erspähen. Ihr Herz klopfte lebhaft. — Es schlug ein Uhr auf St. Martha. Einer Stelle, der düstersten und unfreundlichsten im ganzen Garten, flog jetzt ihr Blick zu; dort standen die Bäume dicht auf einander gedrängt, und entzogen die niedere Mauer, welche Haus und Garten einschloß, dem Auge. Die Zweige der Bäume knisterten leise, sie bewegten sich und jetzt tauchte aus dem Dickicht langsam und vorsichtig eine einzelne Gestalt empor. Jetzt nahete sie sich der geöffneten Thüre, wo Philippine mit einem weißen Tucke winkte und im nächsten Augenblicke war die Gestalt int Zimmer, die Thür schloß sich und Prinz Ferdinand lag zu den Füßen seines angebeteten Mädchens, welcher ein leiser Schrei des Schreckens und der Ueberraschung entsuhr.
Was sich jetzt Beide sagten, bestand meistens nur aus abgerissenen Sätzen und wir wollen es nicht
versuchen, die gegenseitigen Liebeserklärungen wiederzugeben, welche sich die Liebenden zuflüsterten. Endlich mahnte der anbrechende Morgen zum Abschied. Philippine wurde etwas verlegen, denn sie fühlte, wie schwer cs ihr werden möge, den Geliebten zu vermögen, sie ferner zu meiden, eine Nothwendigkeit, die sie immer mehr einsah.
Wolken singen an, die Sterne zu verhüllen; ein Gewitter war int Anzug. Dringend mahnte jetzt das Mädchen an den Rückweg. „Wir müssen uns jetzt trennen, Prinz" sprach sie, „es ist die höchste Zeit."
„Wie?" rief er erzürnt. „Schon wieder „ „Prinz!" " Hast Du mir nicht versprochen, mich ferner nur Deinen Ferdinand zu neunen?
„O Ferdinand!" sprach jene „wie schwach hast Du mich gemacht! — Aber entferne Dich jetzt und nehme die Versicherung mit, daß ich Dich ewig, ewig in meinem Herzen tragen werde."
„Und wenn sehe ich Dich wieder?" frug der Prinz.
„O Gott!" seufzte das . Mädchen, „wir dürfen uns nimmermehr sehen.
„Wie? Du willst mir entsagen?" fragte er auffahrend.
„Ich muß."
„Philippine! Du könntest mir entsagen, dem Du vor wenigen Minuten ewige Treue schwörtest?" rief Ferdinand aus.
„Ja, entsagen muß ich, eines Patriziers Tochter, wohl dem Prinzen; doch lieben werde ich ihn , bis des Todes Nacht mich umgibt."
„Nein, ungetreues Mädchen, Du darfst mich nicht verlassen, das schwöre ich und müßte ich mein Wappen in den Abgrund des Meeres schleudern."
„Das darfst Du nicht, Ferdinand," sprach Philippine begütigend. „Du bist berufen, Tausende zu beglücken, gerne will ich diesen mein liebendes Herz zum Opfer bringen."
„Verschmähst Du mich," antwortete er, „so zerstörst Du dieses Herz für immer und ein elender Mann bin ich dann, nicht gemacht, um zu beglücken. Nein, Philippine, mein mußt Du werden, mein treues liebes Weib sollst Du seyn, mir höher als alles Erdenglück."
„Ich, des Patriziers Welser Tochter, kann ja nicht Dein Weib werden. Wie könnte ich meinen Blick zu dem Neffen Karls V. erheben? Und — glaubst Du Ferdinand, daß, wenn auch Du den Muth und die Kraft haben folltest, Dich gänzlich über eine Miß- heirath wegzusetzen, glaubst Du, daß die Deinen unfern Bund anerkennen würden? O Ferdinand bedenke die Folgen eines Schrittes, der Dich dem Zorne des Kaisers überliefert und mich unaussprechlich unglücklich machen kann."
Der Prinz hatte deut schönen Mädchen aufmerksam zugehört und ihr dabei fest in das seelenvolle Auge geschaut.


