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steht's übrigens? Wie gefallen Sie sich in dem Hause meines Freundes Harder?"

O ganz vortrefflich," versetzte Werner;ich bin Ihnen ewig Dank schuldig, daß Sie mir zu einem so angenehmen -Posten behülflich gewesen sind. Wenn dieses Glück nur von Dauer wäre!" setzte er seufzend hinzu,.

Wie meinen Sie das?" fragte Hellmuth.Be­sorgen Sie, Ihre Stelle zu verlieren? Man ist ja mit Ihnen zufrieden!"

Ja, dieß wohl aber ich weiß nicht, welche Ahnung

Ah, jetzt merke ich, worauf Sie anspielen. Man raunt sich in die Ohren, daß es mit dem Commerzien- rath nicht ganz richtig aussehe; aber so schlimm kann es doch nicht stehen, denn sonst würde wohl die heutige Soiree unterblieben sehn. In der Kaufmannswelt treten manchmal Krisen ein, die aber ost ganz glück­lich vorüber gehen. Ich wollte wetten, so mancher der heute hier anwesenden großen Handelsherren steht nicht sicherer da, als unser guter Harder. Auf daS Gemunkel der Leute darf man nicht höre». Harder bat ja wenigstens über eine Million zu commandiren. Da geht es nicht so schnell zu Ende."

Während dem Gespräch der Bilden war Rosalie aus dem Salon entschwunden.

6.

Eine unerträgliche Beengung halte Rosalie hinaus in das Freie getrieben. Das Tanzen mit einem An­dern als mit Werner war ihr heute eine Strafe. Ost waren ihr dabei die Thränen in die Augen getreten. Endlich hatte sie den Zwang nicht mehr aushalten können und war allein hinuntergceilt in den Garten Ihre Brust war so voll von Seelenschmerz, -als ob sie zerspringen müßte.

Wie wohl that ihr der frische Anhauch der Abend­kühle! Um sich nicht zu erkälten, lief sie rasch durch einige französische Gartenalleen mit verschnittenen Gängen, und erst als sie sich für aus dem Gewühl gerettet hielt, wandelte sie langsamer über die Wiese nach den englischen Anlagen mit ihrem dunkeln Tan­nenwald im Hintergründe.

Es war eine herrliche klare Mainacht. Hell und rein stand der Vollmond am Himmel. Die ganze Luft war von Jasmin-, Hollunder- und Blumendust ge­würzt. Süß flöteten aus den Gebüschen die Nach­tigallen.

Als sie Niemand um sich sah, brach ihr ein Seuf­zer aus der Brust, so mächtig, als sollte er ihren ganzen Bau zerschmettern. Dem Seufzer folgte ein Strom von Thränen. Sie rang die Hände gen Himmel und wünschte der Erde entnommen zu seyn. Darauf betete sie, und da wurde ihr etwas wohler. Erschöpft von den vielen Ach's, die der Schmerz ihr ausgepreßk, setzte sie sich am Eingänge in den pechschwarzen Fich­

tenwald auf einer Ruhebank nieder. Dort versank sie in tiefe, tiefe Träume, bis sie endlich des Tageö und des ganzen Lebens müde sanft entschlummerte.

Da sie beim Weggehen gegen die Mutter über Kopfweh geklagt, und diese ihr selbst gerathen hatte, mit dem Tanz ein wenig auszusetzen, so fiel ihre Ab­wesenheit wenig auf, und noch weniger hätte sich Je­mand erlaubt, sie zu verfolgen. Nur Werner blickte tiefer. Als sie sich entfernte, hatte er keine Ruhe mehr. Er brach sein Gespräch mit Hellmuth ab und ging während dem Tanz hinunter in den Garten. Sein Herz zerfloß heute ganz in Schmerz, Seligkeit, Sehnsucht und Liebe. Rosalie war sein einziger Ge­danke. Tanz und Musik freuten ihn nicht ohne ihre Gegenwart sie war die Seele der Gesellschaft als er sie nicht mehr- sah, war der Saal für ihn wie ausgestorben.

Wie von einer geheimen Ahnung gezogen, durch­streifte er die Gänge des Gartens es war ihm immer, als ob er sie irgendwo entdecken müßte. Doch all' sein Spähen blieb vergebens.

Endlich wandte er sich in recht düsterer Stimmung nach dem melancholischen Tannenwald. Bei dem Ein­tritt in denselben überkam ihn ein geisterhaftes Gefühl. Auf einmal erblickte er etwas Weißes. Er schrack.un- willkührlich zusammen. Doch sich sogleich fassend trat er leise näher und wer schildert seine angenehme Ueberraschung, als er in dem vermeintlichen Gespenst seine geliebte Rosalie erkannte.

Da saß sie in halb liegender Stellung, den rechten Arm auf das Geländer der Bank gestützt, malerisch hingegossen und in süßen Schlummer versunken. Lieb­lich verklärte der zauberische Strahl des Mondes ihr rosiges Antlitz leise spielte der Lufthauch mit ihren Locken ihr voller Busen hob und senkte sich bei jedem Athemzuge ein holdes Lächeln umspielte ihren kleinen Purpurmund.

Werner setzte sich, den Himmel im Herzen, neben sie, die trunkenen Augen nicht von ihr verwendend und. lauschend.

Auf einmal rief sie im Traume:O Werner, mein geliebter Werner!"

Der Ausruf ging unserm Werner durch und durch. Wiewohl er sich manchmal schon in Momenten dem Gedanken hingegeben, daß er Rosalien vielleicht auch Etwas sey, so war er doch bei der großen Zweifel­haftigkeit eines schüchtern Liebenden nie so kühn ge­wesen, an etwas mehr als eine gewisse Freundlichkeit ohne tiefere Bedeutung zu glauben.

Jetzt hatte er mit eineiumale die Gewißheit, daß ihn Rosalie liebte. Sein ganzes Wesen brauste erregt auf, wie ein von einem erquickenden Maisturm erregter Walv.

Und als sie jetzt nochmals im Traume rief: Werner, nimm mich hin! Ich bin Dein!" da konnte"