Ausgabe 
4.8.1847
 
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Ihr sprecht irr, Vater!" sagte er, Verzweiflung im Ton ;wer sollte es in diesem Königreich wagen, Euch oder die Mutter mit Wort oder Thal zu kränken? Wer sollte Euch in Eurer Wilduiß aufgefunden haben?"

Sprich nicht von des Schicksals ünerklärlichen Be­stimmungen , erwiederte verdüstere der Vater. Wir können nicht fassen und begreifen, was in den Sternen geschrieben steht. Es waren Zeiten, wo ich nicht an die Wechsel des Glücks glaubte, aber sie kamen und ich mußte den Nacken unter die harten Schlage beu­gen. Ein solches Geschick steht jedem Glücklichen be­vor' deshalb trage die Schrecknisse einer hassenswcrthen Vergangenheit, die ich dir entrollen muß, und ivaffne Dich mit Gleichmuth." u

Beide setzten sich auf das Geröll des alten Gebäudes und der Alte begann mit Ruhe zu erzählen!

)ch bin nicht Dein Vater, und die sanfte, junge Frau, die Du Mutter nanntest, war nie meine Gattin. Du bist vor 18 Jahren zu Gemappe im Brabantischen geboren; Deine Mutter zählte damals kaum 16 Jahre »Np hatte das Unglück von dem Dauphin, dem jetztgen König von Frankreich, erblickt zu werden , dessen Ver­trauter ich damals war. Er thcllte mir zuerst mit, welche Gefühle das Mädchen in ihm erregt. Ich ward abgesandt, und zum erstenmal in meinem viel- bcwegten Leben ward auch ich von dem Bilv eurer Unschuld und Tugend ergriffen. Mit wundem Herzen kehrte ich zum Dauphin zurück, um ihm abzurathen. Es war zu spät ich konnte das Unvermeidliche nicht' verhindern. Der Dauphin sandte mich an den Hof des Königs, und als ich zurückkehrte, war dgs Mädchen Mutter eines Knaben. Ich hatte die Nachricht von dem Tode Karls VII. gebracht, und Ludwig, dessen Liebe längst in den Ränken des Staats­lebens wieder untergegangen war, dachte ihrer kaum mehr Erst ich rief in ihm die Erinnerung wieder zurück. Der Gedanke, der Knabe möge dereinst seine Rechte geltend machen, erfüllte ihn mit Entsetzen Mrc es und schaudre! er befabl mir, die Mutter und das Kind umzubringen. Nicht fähig, so Gräp- liches zu begehen, floh ich mit dem Mädchen fort in die' undurchdringlichsten Wälder und rettete dadurch unser Leben; denn auch das meinige war gefährdet, da ich mich, hätte ich auch des Königs Befehl vollzogen, doch nicht mehr sicher glaubte. Fünfzehn Jahre ver­strichen in der Einöde, Du wuchsest auf, allein langer konnte ich es nicht ertragen, Dein junges Leben in der Wilduiß vertrauern zu scheu. Wider den Willen Deiner Mutter brachte ich Dich auf jene geheimnißvolle Weise an den Hof des Königs, wo Du so schnell em- porstiegst; Deiner Mutter Leben verstrich, seit Du fern wärest, unter steten Klagen ; unaufhörlich flehte sie mich an, ich möge ihr nur einmal vergönnen, Dich zu sehen. Ich konnte nicht widerstehen, an einem jeiier großen Festtage verließen wir unsere Einöde und misch-

Druck und Verlag der G. D. Brühl)

ten uns unter das schaulustige Volk. Sie sah Dich, aber es war ihr Verderben. Das Uebermaß des Ent­zückens entpreßte ihr einen Freudenschrei und Tristans Falkenauge wandte sich nach uns hin. Er mußte sie wieder erkannt haben, denn er flüsterte lange und heimlich mit seinen Trabanten, und nur durch die schleunigste Flucht glaubte ich der Verfolgung entgehen zu können. Vergebens auf der Straße von Melun wurden wir erreicht und Deine Mutier ward von meiner @e te gerissen, um in den Fluthen der Seine ihr kummervolles Leben zu endigen! . . ."

Entsetzlich! gräßlich!" rief mit dem Ausdruck deö höchsten Abscheus der Jüngling.Waebe ich denn, oder ist es ein Traum? ich beschwöre Euch, sagt nein. Dieses räthselhafte Schicksal, und jenes Unge­heuer, der König mein Vater!. .." (Forts, folgt.)

Feuilleton.

Das ist ein Fortschritt. In Stockholm ist der Zunftzwang gänzlich abgeschafft und vollstän­dige Freiheit des Handels- und Gewerbebetriebes cingc- führt worden. Was sagen die Bäcker dazu, die noch immer auf ihr Monopol pochen? Hoffentlich wird auch ihnen bald das Brod gebacken werde».

(Eheliche Kriegslist.) Ein gewisser Herr hatte erfahren, daß seine Frau auf der Straße ein Rendezvous einem Jugendbekannten geben wollte. Was ihut der Gatte? Er ist darüber gar nicht traurig, er stürzt sich nicht ing Wasser, er hängt sich nicht an einen Strick, noch an eine Andere; im Gegentheil, den ganzen Tag über ist er in der lustigsten Stimmung. Abends aber, zur Stunde des Stelldicheins, erscheint er frühzeitig auf dem bestimmten finstern Platz, nimmt die Stimme des guten Freundes an, und fängt einen Zank mit per Geliebten au, den er in roher Weise mit Miß­handlung der Frau endet. Die Frau eilt empört nach Hause, und liebkost den Mann, als er nach Hause kam, da sie ihn nun jedem Geliebten vorzieht. Der Gatte aber ist damit noch nicht zufrieden, er ladet den guten Freund zu Tische, und ist gegen ihn äußerst zuvorkommend. Nach dem Essen entfernt er sich einen Augenblick, um Cigarren zu holen. Die Frau aber, in deren Brust der Zorn die ganze Zeit über gekocht hatte, fährt nun auf, schleudert dem Geliebten das Salzfaß an den Kops, nebst einigen entsprechenden Titulaturen. Ehe es zu einer Erklärung kommen kann, ist der Mann wieder da. Der Geliebte aber schützt Zahnschmerzen vor, und entfernt sich mit süßlichen Worten und glühenden Blicken. Der Mann lächelt in sich hinein, er denkt, ich habe mich gerächt, ohne von Beiden angefeindet zu werden.

Auslösung des Stlbimäthsels in jV5 6l:

Buch- und Steindruckerei in Gießen.