Ausgabe 
4.8.1847
 
Einzelbild herunterladen

464

knöpfe sind nicht nur schöner und dauerhafter, son­dern auch billiger.

Wohin sind die zahlreichen Wollenwebcr und Wollenspinner gekommen? Sie sind verdorben und gestorben; denn die Maschinenspinnereim haben das Spinnrad der Wollenspinnerinnen gelähmt und dem Weber das Handwerk gelegt

Die Finger, die jetzt noch Wolle zupfen, kann man zählen und auch die Schönfärber unterliegen den Unbilden der schlechten Zeit, in welcher alle diese Produkte unendlich billig geworden sind. Auf diese Art verarmt der Handwerker nnd die Fabri­kanten werden reich, Fabrikanten, die auf Messen und Märkten ost in Champagner schwelgen und den Schweiß ihrer Arbeiter, ja, Vas Blut desselben zu Gold und Silber münzen, Fabrikanten mit harten Shylocks-Herzcn, die nicht wissen, wie es'einem Ar­beiter zu Muthe ist, dessen Kinder nach Brod schreien und vor dessen Thür das Elend ruhet, so lange er­lebt.

Jetzt wieder zurück zu unserm Gegenstand, zu einem Gegenstand tiefer und ernster Betrachtung.

Wohin ist die zahlreiche Gilde der Gürtler und Geschmeidemachcr, der Strumpfwirker, der Gelb- und Rothgießer, der Nagelschmiede, so wie der Kürschner gekommen? Geht auf den Markt, kaum, daß man noch weiß, was sie verfertigt haben.

So sind im Laufe der Zeit Gewerbszweige un­tergegangen und dafür zahlreiche neue entstanden. Wo ist die Zeit der Perücken? Wer selbiger noch gedenken kann, der wird wissen, welchen Verdienst die Perückenmacher davon trugen.

Werfen wir jetzt einen Blick ans die Federbüsche, welche auf Damenhütcn prangten. Nur das Mode- Journal aus jener Zeit gibt uns heute Kunde, wel­sches da sagt, daß die Federbusch-Jndustrie jener Zeit ein jährliches Kapital von 30 Millionen Gulden in Umlauf brachte und tausende von Händen in Be­wegung setzte. Sie mußten den künstlichen Blu­men weichen, welche mcistentheils aus Paris zu uns nach Deutschland kommen und so das Geld der Deutschen ins Ausland schleppen. Man hat es zwar in Verfertigung dieses Artikels bei uns zu großer Vollkommenheit gebracht, der Deutsche aber, der Affe fremder Nationen, ist bekanntlich stets dem Aus­lande hold und wenn irgend ein Ding aus London _ oder Paris ist, so zahlt er gern das Doppelte, wenn er es avch zu Hanse billiger und schöner erhalten kölinte. Die Franzosen und Engländer lachen frei­lich über solche Bornirtheit und Dummheit, nnd das mit Recht, denn in diesem Punkte steht der Deutsche wirklich zu lächerlich und erbärmlich da.

Jetzt einen Blick aus das Spinnen des Flachses. Meilenweit kann man gehen, ehe man ein Spinnrad schnurren hört, jene Zierde wackerer Hausfrauen.

Die Flachsspinnmaschine ist Herr und Gebieter ge­worden. Bald wird das letzte Spinnrad in den Ofen wandern oder irgend ein alles Mütterlein wird sich damit ein Schälchen Kaffee kochen, und was das bin- und herschießende Schifflein des Leinwebers an- belangt, so hat das Erlöschen der Handspinnerei schonten Ton zum Todtenliede angestimmt, bis daß cs über kurz oder lang auch zur ewigen Ruhe ein- gehen wird.

' Wer jetzt in einer Stadt einen Zinngießer suchen will, der möchte wandern wie der ewige Jude. Wo­her kommt dieß? Porcellain nnd Steingut, das von Tag zu Tag billiger geworden, hat ihm und seiner Arbeit ein' Schnippchen geschlagen. Gleiches LooS droht dem Töpfer, der höchstens noch auf eine Brat­pfanne oder einen dreibeinigen Tiegel pochen kann, denn die Industrie der Fayence drückt auf ihn wie ein Alp nnd was die Töpfe anbelangt, so hat die Eisengußwaare ihm einen gewaltigen Riegel vorge­schoben. In Zeit von 10 Jahren ist ein Töpfer vielleicht eine Rarität, die man auf der Messe für Gelb sehen läßt.

Wenn man früher durch die Straßen großer.und kleiner Städte wanderte, so hörte man raspeln und hämmern, daß Einem die Ohren brummten. Büch­senmacher, Schwcrtfeger und Waffenschmiede waren in voller Thätigkeit, jetzt bestehen nur noch die Na­men solcher Gewerbe, nnd ein' Schwcrtfeger zieht in Universitätsstädten höchstens noch einem Studenten einmal eine alte rostige Klinge ins Napprer em, hämmert die Nieten und Buckel an einem Schläger ans, der schon ganzen Generationen von Studenten Dienste geleistet. . ,

efeigt mir einen Schlosser, der jetzt noch selbst ein Schloß verfertigt, fällt ihm nicht ein, die Fabrik liefert schöne und zierliche Schlösser um den halben Preis nnd was den Uhrmacher änbelangt, so weiß dieser längst, wie viel es geschlagen, seine Zeit ist um, er hat nur noch Reparaturarbciten, wo er denn oft gezwungen ist, den oder jenen über's Ohr zu hauen, zumal sich seine Arbeit nicht tariren laßt, we­nigstens nicht von Laien, nnd dieß find die Meisten.

Auf diese Art wird Alles anderwärts im Gro­ßen, in Gesellschaften betrieben nnd dem einzelnen, noch'so fleißigen Manne das Gewerbe gelegt.

Viele fragen vielleicht: Ist dieß nicht zu verhindern? Nein! denn die Zxit anszuhalten ist Niemand im Stande. Der Tischler kann sich, wie Valentin in RaimundsVerschwender," das. Hobellied singen, in welches vielleicht auch bald der Böttcher mit einstimmt, denn schon ist die Maschine fertig, welche die Faßdauben jeder Größe mit leich­ter 'Mühe schneidet, und wer sich die Dauben schnei­det, der will auch das Faß binden.

(Schluß folgt.)