Ausgabe 
3.11.1847
 
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obschwcbende Schicksal in einer glücklichen Unwissenheit erhalten hatte.

Sie rannte sogleich mit dem Briefe zn ihrer Mutter.Kind^ was hast Du? Du siehst ja schreck­lich aus!" sagte die Conimerzienräthin.

Sehen Sie hier"! erwiederte -Rosalie, der Mutter den Brief zeigend. ,Lesen sie einmal, was Rosenfeld schreibt, und sagen Sie, ob man nicht an der Mensch­heit verzweifeln sollte!"

Die Conimerzienräthin las. Ihr entsank das Papier.

Ist es denn wahr?" fragte Rosalie,daß wir an den Bettelstab gebracht sind?"

Wahrscheinlich!" versetzte die Mutter.

Gott sey gelobt!" Dann ist mein Herz doch wie­der frei!" rief Rosalie zum Erstaunen der Mutter aus.

Und dieß greift Dich gar nicht an?" Dies freut Dich noch?"

Wohl greift es mich an, aber es ist mir glich lieb, daß ich von einem Manne los bin, zu dem ich nie eine wahre Neigung hatte. Was haben wir nicht für diesen Rosenfeld gethan, und wie lohnt er uns? Hätte er mit mir gesprochen, und mir seine Meinung gesagt, so hätte ich ihm erwiedert: Sie haben unter den jetzigen Verhältnissen recht ich sehe es selbst ein, daß unser Bund aufgehoben werden muß! Aber ein solcher gefühlloser Brief gegenüber der ihm belvie- senen Güte das ist empörend!"

So sehr sich Commerzicnraths bemüht hatten, die bloße Möglichkeit eines Fallissements zu verbergen, so wurde doch bereits in gailz Leipzig von der Sache gemunkelt. Auch hatte Werner bereits davon gehört.

(Fortsetzung folgt.)'

T r ä u in e.

Träume sind uns eng verbunden, Sind des Herzens Gängelband, Weben sich in unsre Stünden, Senken uns in's Feenland. Träume scherzen, tändeln, kosen In dem Schlummer um uns her, Flechten lieblich Maienrosen In das Leben, licht und hehr;

Steigen zu dem Schmerzculagcr, Dem die Freuden alle flieh'«/ Und auf's Antlitz bleich uns hager, Hauchen sie ihr Lächeln hin; Zaubern die Verblich'nen wieder Uns zurück in diese Welt, Wenn ihr farbenes Gefieder Unfern Geist umfangen hält;

Steigen zu der kleinen Hütte, Wo des Kummers Thräne fließt, Und in der verlaff'nen Mitte Sich ihr reicher Born erschließt; Ihren Farbenteppich breiten Sie dem armen Pilger aus, Dem die Wirklichkeit nur Leiden Spendet in demMden Haus;

Druck und Verlag der G. D. B

Schweben in die Kerkersräume, Und mit milder Friedenshand Schlingen sie der Hoffnung Säume x Um die graue, feuchte Wand;

Streuen Blüthen in die Oede, Füllen sie mit Früblingslust, -11116 der Freiheit Himmelsröthc Zieht dem Dulder durch die Brust; Süße Wesen, die im Leben Unserm Herzen ewig weit, Sie der Sehnsucht wieder geben Zn der Hoffnung grünem Kleid;

Und auf Rolen hingegossen, In der Seelen Sympathie, Wird der neue Bund geschloffen Unter Sphärenharmonie;

Schweben süß in Lichtgcstalten Zu der Maid^in'ö Kämmerlein, Um die Wang', der glanzumwallten, Tändeln ihre Liebelei'«;

Und Gott Amor spielt, der Traute, Ihr am luft'gen Busenband, Redet, sanft-wieLicolslautc, Ihr von süßcni Liebcstand;

Selig in dem Zauberkreise, Faff't sie all' die Wonne kaum ---

Da erwacht' sic lispelt leise: ,.Ach, es war ja nur ein Traum" Und so ist das ganze Leben Nür ein leeres Traumgebild', , Und so der Menschen Streben

Nur in Schein und Trug gehüllt!

Und. so sind der Erde Gliter Ewig nur ein eit'ler Schein, Und so steigen auf und nieder Ewig sie in bunten Reih'«. Heute strahlt in Lust und Wonne Dir das höchste Lebensglück, Morgen, ach! sinkt schon die Sonne Wie ein Traum in Nichts zurück!

Schon im Lenze malt der Knabe

-Sich die Zukunft golden aus;

Doch das Traumbild geht zu Grabe, Reicht, ihn, einen harten Strauß. Und der Jüngling, riesenmächtig Stürzt er in de« Drang der Zeit, Baut sich Schlösser groß und prächtig, Träumet ihre Wirklichkeit!-

Und so kräumt er goldne Zeiten Sich durch'ö ganze Leben hin, Wie sie kommen, wie sic gleiten. Seine Traumgebilde flieh'n.

Und so hascht er nach dem Glücke, Nach dem cit'lcn Schattenbild, Das mit Sehnsucht seine Blicke, Scine Traumwelt ganz erfüllt;

Bis er kehret in die Stille Aus der Träume buntem Spiel; Bis der ewig hcil'ge Wille Ihn geführt zum großen Ziel!--

Eine Thräne ttmtcf nieder Zu dem Grab, auf dem er kniet Gieb mir meine Träume wieder!" Ruft er, und sein Geist entflieht.

Theodor Loos.

hl'schen Buch- und Lteindtuckerei.