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das dritte Wort. Er nennt mich ein famoses, ein deliciosts Mädchen. Ach, Caroline, ich wünschte nur, daß ich einmal-recht arm würde, nm zn sehen, ob er mich dann auch noch „famos" und „deliciös" finden würde. Solche Ausdrücke .Hingen mir eben nach bloßem Appetit zu — ich weiß nicht zu was."
„Du hast nickt ganz unrecht," sagte Caroline.' „Du kennst Rosenfeld noch nicht recht. Ich möchte ihm zwar nicht bei Dir schaden — und doch —"
„Was „und doch" ?"
„Und doch — sich — es will mir nicht recht über die Lippen. Cs ist mir auf der einem Seite, als ob ich dieß verschweige» müßte, und auf der an-' dern erfordert es wieder meine Freundschaftspflicht —"
„Nur heraus' mit -der' Sprache!'" sagte Rosalie, „ich weiß, Du liebst ihn noch —"
„Ich ihn noch lieben?"
„O verstelle Dich nur nicht! Ich durchschaue Dich —"
„Jetzt wurde Caroline roth bis chinter die Ohren.— „Du wolltest etwas sagen?"
„Ja, und ich will's auch sagen," versetzte Caroline. „Ich habe nun schon einen andern recht braven Bräutigam, und es ist mir setzt gleich —"
„Es ist Dir nicht gleich —"
„Ja, es ist mir gleich! Also höre mich nur einmal . an. Ich verachte Rosenfeld."
„Aber du liebst ihn doch noch —"
„Wen man einmal verachtet, den kann man nicht mehr lieben."
„Es wäre nicht der erste Fall, wo- ein Mädchen den Anbeter, den sie verachten müßte, doch noch geliebt hätte!"
„So laß mich doch nur reden, Du weißt ja noch gar nicht, was ich sagen will; Rosenfeld hat sehr schlecht, er hat ganz erbärmlich an mir gehandelt. Bei seiner Spielwuth geräth er alle Augenblicke einmal in die peinlichsten Verlegenheiten. Ich kannte diese seine Leidenschaft wohl; aber ich hoffte ihn einst, wenn ich seine Fran wäre, zu bessern. Darum gab ich ihm Alles hin, um ihm in solchen Lagen zu helfen, Geld, Ringe, Pretiosen,' Uhr, ja sogar das goldene Halsband, das theuere Andenken meiner seligen Mutter. Das letzte Opfer kostete mich einen schweren Kampf, aber doch brachte ich es, und denke Dir, gerade den Tag darauf gab er mir den Abschied."
„Das ist aber doch entsetzlich," versetzte Rosalie mit Staunen. „Dessen hätte ich ihn nicht fähig gehalten Und warum sagst Du mir das erst heute?"
„Ich wollte, ich hätte es auch heute nicht gesagt, weil ich euer beiderseitiges Verhältnis! nicht gern nur mit einem Worte stören möchte. Denn Rosenfeld ist im Grunde doch ein recht liebenswürdiger Mann, wenn nur sein grenzenloser Leichtsinn nicht wgre!"
Während die beiden Mädchen so diiit einander
sprachen, öffnete sich auf einmal die Thüre, und Rosen, seid trat herein.
Cs war nun zwar eine äußerst fatale Situation für Rosenfeld, feine frühere Geliebte bei seiner jetzigen Braut anzutreffen, aber als geübter Rone wußte er feiner Verlegenheit Meister zu werden. Trotz dem blieb die Unterhaltung geschraubt, und es fiel Rosenfeld eine Centnerlast vom Herzen, als sich die beiden Mädchen entfernten und er sich mit Nosallens später hinzugekomniener Mutter allein sah.
. Mit dieser zu sprechen, war gerade seine Absicht gewesen.' Seine total zerrütteten Verhältnisse drängte» ihn, die Hochzeit mit Rosalien zu beschleunigen. Der beunruhigendste Umstand war jetzt seine letzte Spielschuld. Er wollte also so schnell als möglich heira- then, und sich nachher Rosalien entdecken, die dann wohl schon ehrenhalber dafür Sorge tragen mußte, die Sache abzuniachen.
Gegen die Commerzienräthin stellte er sich, als ob seine glühende Liebe zu Rosalien eine längere Zögerung kaum, ertragen könne. Diese, eine gewöhnliche, aber recht verständige Frau, sagte ihm, es sey kein Grund 'vorhanden, gar so sehr zu eilen, und sie habe eigentlich mit ihrem Manne beschlossen, daß die Hochzeit erst in einem Vierteljahre gefeiert werden solle.
Der Commerzieurath kam dazu, und bemerkte seinerseits, daß es aus gewissen Gründen bei dieser Bestimmung bleiben müsse..
Rosenfeld war offen genug, auch feine vielfachen Verbindlichkeiten mit zur Sprache zu bringen. .
Harder entgegnete: Ich will Ihnen gern eine Summe gebe», um vor der Hand Ihre lästigsten Gläubiger zu beruhigen. „Ich denke 6000 Thaler werden wohl zu diesem Zweck genügen?'
Wer war jetzt froher, als Rosenfeld! Er küßte seinem künftigen Schwiegervater die Hand, und ging mit dem Gelde glücklich wie ein Gott ans dem Hause.
Anfangs wollte er gleich damit zu dem Juden Jtzig. Doch auf dem Wege dachte er: „Mit dem Wechsel hat es ja noch Zeit. Ich will das Geld lieber noch bis zum Verfalltage behalten."
Daher kehrte er wieder um und wandte sich in das Hotel de Paris. ■
Als er dasselbe in der Nacht um zwei Uhr verließ, hatte er keinen Kreuzer mehr. ' ,
5.
Werner er'eüte in dem Hause des Commerzienraths Harder die glücklichsten Tage. Die Kinder machten unter seiner Leitung rasche Fortschritte und gewannen ihn deshalb lieb, und die Eltern schätzten sich glücklich, einen in jeder Hinsicht so eremplarischen Hauslehrer bekommen zu haben. Ei» besonderer Genuß war es ost für das ganze Haus, Werner des Abends auf dem Pianofodte phantasiren zu hören. Selbst die unten


