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mancher Wanderer die Frage aufgeworfen, weshalb der Theil des sonst so schönen Weges, welcher von der Chaussee ab an dem forstbotanischen Garten vorüber bis an den Berg hinzieht, also auch eine der außerdem sehr begünstigten Univrrsitäts- Anstalten berührt, bisher so stiefmütterlich behandelt worden ist, und zu dessen beguemeren und besseren Benutzung. bei ungünstiger Witterung nichts geschieht. Die Beantwortung dieser Frage wird zwar hauptsächlich von unserem umsichtigen und thätigen Herrn Forstmeister von Buseck zu erwarten, dessen Nerdienst um das Publikum aber um so größer seyn, wenn es ihm gefallen sollte, auf eine thatsächliche Erwiederung einzugehen, wozu sich ihm bei der Abbüßung der Forststrasen durch Arbeit eine nicht kostspielige Gelegenheit darbietet.
Der Herr Lynker würbe ihn soweit nöthig im Interesse der Freunde seines trefflichen 1846rs gewiß gerne unterstützen, und vielleicht auch zur besseren Herstellung des geraden Fußpfades aus dem Berge selbst mitwirken/ da nicht allen seinem Neetar Zuei- kenden die Schlangenwindungen des Weges zusagen.
Der Bastard von Gemapps.
Historische Erzählung von g. Mcnk.
(Fortsetzung.)
Jeoffroy nahm alsbald eine so wichtige Miene an, als ruhe des französischen Reiches Wohl auf seinen Schultern. Er sprach erst viel und lange von des Herrn Dauphins Herzensgute und Milde, wobei die Alte jedoch wiver Willen ein sehr ungläubiges Gesicht machte. Dann ging er darauf über, -tote gern Se. Königliche Hoheit die Armuth unterstütze; dabei verklärten sich der Greisin Züge. Als aber Jeoffroy env- lich den schweren Beutel mit den hundert Goldthalern auf den Tisch legte und schonend im Namen des Prinzen'UM Verzeihung wegen des Unfalls, welcher dem jungen Mädchen durch Ungefähr begegnet war> bat, da kannte der Matrone Entzücken keine Grenzen mehr; trotz des Alters rannte sie wie besessen im Zimmer umher und ein ungeheuerer Wortschwall drang über ihre schmalen Lippen. „Grundgütiger Himmel," rief sie ein über das anderemal, „wie komme ich unwürdige Magd zu der unendlichen Gnad-, von den Augen unseres erlauchten Herrn eines Blickes gewürdigt zu werden? O eoler Herr, o weiser Herr, dieser Ludwig wird als ein großer Stern dereinst glänzen! Ach, ich weiß nicht mehr, was ich spreche. 100 Goldthaler, nein, ist's denn möglich? Und mein Haus eg soll von oben bis unten mit Rosamarinfarbe bestrichen werden, den hölzernen - Matthias da aber schenke ich der Nachbarin und setze mir einen messingnen hin. Ach, Jeanette, Jeanette, so höre doch, 100 Goldthaler!" dabei lief sie in vas Nebenzimmer- chen, unbekümmert, was Jeoffroh zu dem Spectakel
sagen würde. Als die Alte nicht gleich wieder kam, legte er sein Ohr an die Thür und unterschied drinnen, wie die Mutter einem im Bett liegenden Mädchen das wiederfahrene Glück erzählte; dann kam sie eilig wieder herausgestürzt. „Ihr müßt verzeihen, lieber Herr!" begann sie von Neuem, „aber meine Jeanette, mein Herzenstöchterlein, muß vor Allem wissen, welche Gnade uns zu Theil geworden. Der Splitter, der ihr in'8 Gesicht geflogen, hat ihr nichts weiter geschadet, nur der Schreck war es, der sie niederwarf."
„Desto besser, gute Frau," erwiederte treuherzig Jeoffroy. „Se. königliche Hoheitp der keine Mücke an der Wand, viel weniger ein so liebenswürdiges Mädchen, wie es euere Tochter doch seyn muß, verletzen will, hat es sich vorgenommen, sich persönlich von der Wiederherstellung der Kranken zu überzeugen."
Der Matrone blieb vor Erstaunen der Mund offen stehen. „Wie, ist es möglich," rief sie fast außer sich, „der hohe Herr will selbst . . . ?"
„Nicht anders," entgegnete Jeoffroy geschmeidig. „Doch," setzte er noch vertraulicher hinzu, indem er dicht auf die Alte zutrat, „ich darf von Euch wohl auch eine Gefälligkeit erbitten. Wirv es mir vergönnt seyn, Euer Töchterlein einmal, wenn auch nur von ferne, zu schauen? Man preist in der ganzen Stadt ihre Lieblichkeit und das Auge eines rauhen Kriegsmannes , wie ich es bin, wird gar sehr durch den Anblick eines so holden Geschöpfes erfreut."
Die Mutter, deren Eitelkeit dadurch nicht wenig geschmeichelt wurde, trippelte ängstlich im Zimmer auf und nieder. „Ach, du mein Himmel, wie gern will- . fahrete ich Euch," rief sie ein über das anderemal, „aber meine Jeanette ist ein tugendhaftes Mädchen, jeden Tag geht sie schon um 9 Uhr zu Bette ._. ." „Ei," unterbrach sie lachend Jeoffroy, „so heißt sie aufstehen, Ihr werdet m i r doch die Bitte nicht abschlagen."
So ungern die Matrone dies auch zu thun schien, so leuchtete es ihr doch ein, daß sie den nächsten Vertrauten des Dauphin nicht unverrichteter Sache fort- schicken dürfte. Sie rief deshalb in das. Schiafgemach hinein und Jeanette schien eine gehorsame Tochter zu seyn. Jeoffroy trat betroffen zurück, als das Mädchen verschämten Blicks in der sauberen, aber ärmlichen Tracht der damaligen Bürgerskinder eintrat. Er halte, nach dem Geschmack des Prinzen, eine üppige, feurige, , vielleicht auch schon halb gebrochene Blume vermuthet und hier trat ihm das Bild der reinsten Unschuld entgegen. Vielleicht zun> erstenmal int Leben wurde ein wahres Mitleid in ihm rege; er hatte manchen blutigen Auftrag seines Herrn kalten Sinnes vollzogen, fein Herz hatte vor mancher Schandthat nicht gebebt — hier ergriff ihn ein menschliches Gefühl. So allgewaltig wirkt oft das Bild heiliger Unschuld auch auf rohen Sinn.


