Anzergeblatt

für die Stadt und den Kreis Gießen.

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Mittwoch den 8. April

M 28

Der Großh. Hess. Kreisrach des KreiseS Gießen Prinz.

ten Rathschlage.

Gießen den 6. April 1846.

Bekanntmachung

(P m?nfmnnacn Gr Centralbehörde der landwirthschaftlichen Vereine in Bezug auf die dies-

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Maffnnnqen in ßr>iehnng auf dir dirsrjährigr Kartoffrlsaat. & ,

Eine ungewöhnliche Krankheit hat in vielen Orten unseres Großherzogthums d,e vorjährige Kartoffel­ernte betroffen gehabt. Sie war im ersten Anfang um so bedenklicher, als dieser m eine Zett fiel, wo der Laww ch geqen die in Folge dessen drohenden Verlegenheiten durch Nachpflanzung anderer Gewächse sich nicht wohl mchr schütten konnte. Besonrere Besorgnifle hatte sie aber hervorgerufen m Beziehung auf die FortrAaiuung eines der heutigen Bevölkerung so unentbehrlich gewordenen Naturproduetes wie der Kartoffel. Hat das Nebel sich g ücklicherweise in dem befürchteten Maaße nicht verwirklicht, haben weise Em chran. kunaen größere Wirthschaftlichkeit im Haushalte rc. dem drohenden Mangel so ziemlich begegnet, ft können !v,?uns^doch in Beziehung auf den andern Punkt: die Sicherheit der Fortpflanzungssah,gke,t der voMhr.gen Kartoffel, um so weniger außer aller Gefahr halten, je weniger über ähnliche Falle aus früherer Zeit Er­fahrungen zur Hand stehen, welche uns dießfallsigen Besorgnissen zu entheben geeignet waren. ,

Um wie viel dringendere Aufforderung daher zur eignen größten Aufmerksamkeit sowohl, wie zur gegen­seitigen Ermunterung in Allem, was unserer neuen Kartoffelsaat irgend zum Frommen gereichen kann. M es doch leider ohnehin nur zu wahr, daß im Allgemeinen gerade nut dem für die menschliche Gesell­schaft beinahe unentbehrlichsten Produete des Bodens der Kartoffel am verfahren zu

werden pflegt. Um schon an der Saat zu beginnen, d. h. schon hier zu jparen, scheut man sich nicht, die Kartoffel n? aller erdenklichen Weise zu vcrstümpen bei Bielen ist dieses zum eigenen Studium gewor­den - Von vielen werden sie Jahr aus und Jahr ein immer tn derselben Werft gepflanzt, ohne Ab- und flugeben nach den jedesmaligen Umständen. Viele Kartoffeläcker des vorigen Jahres zagten bet der Ernte das Ansehen der größten Verwilderung, einen Boden, mitunter ft fest wie Tenne. Wie leicht hatte man da uu^ dort rem Uebel durch Auflockern des Bodens, in welchem d.e Kartoffeln wie emgekittet lagen, vor- deugc^akouuen! ^Mung bei der Ernte, im Keller u. s. w. Wäre die Kartoffel aus Stein oder Eisen, fürwahr jene könnte inanckimal nicht schonungsloser sein. ,. ,, , . .

Warum aber auch nicht jede Mühe bei einer Pflanze anwenden wollen , welche, wie beinahe keine andere, dafür ft reichlich lohnt! War doch ihre aufmerksamere Behandlung, in Folge der Nachthelle durch Mangel an Keimkraft, welche man vor einigen Jahren da und dort zu erdulden hatte, nicht so bald emge- t eten, als jener Mangel schon wieder zu verschwinden begann.

Unsere Mahnungen beziehen sich auf folgende Punkte.

1. Auswahl der Kartoffeln zur Saat.

Höchst räthlich erscheint vor Allem die völlige Ausschließung aller u nd jcder anscheinend nicht ganz gesunden Kartoffel. Ist es schon em allgemein gültiger Satz:Wie die saat, ft die Ernte," ft müssen wir uns zu jener Vorsicht um so mehr aufgefordert sehen, als nach sicheren Erfah­rungen (wie in der Thierwelt, so auch im Pflanzenreiche) unter allgemein ungünstigen Verhaltmssen ausge­wachsene, selbst anscheinend gesunde Gewächse für fernere ungünstige Einwirkungen vorzugsweise besondere Empfänglichkeit zu zeigen pflegen. Und mögen auch selbst erkrankte Kartoffeln aus vorjähriger Ernte sich .keimungsfähig gezeigt, ja selbst schon neue Früchte hervorgebracht haben, wo haben wir die Garantie dafür, daß diese nicht den Keim neuen Verderbens in sich tragen?