Ausgabe 
21.12.1799
 
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anhaltende Trockne haben. Ein andermal regnet es bei uns, und in der Nachbar­schaft herrschet eine gefährliche Trockne» Iezt hat es gegen Vas Gebirge zu einen Schnee , bei un< regnet es, oder ist höch­stens trüb. Diese Veränderungen bringen die natürlichen Lagen der Ortschaften, die verschiedenen Ausdünstungen, die mannig­faltigen Grade der Wärme, die Richtun­gen der Winde, die Donnerwetter u. dgt. m. heroor. Die Gegenden, welche nahe am Gebirge liegen , sind allemal kälter, als jene, die davon weiter entfernt sind. D»e Länder, welche erhabner liegen, sind ebenfalls kälter, als die in niedrigen Fla­chen und Thälern. Gleichwie aber die Wärme verschieden ist, so ist es auch die Ausdünstung. Dieser und mehrerer an­dern Ursachen wegen ist es nicht möglich, daß der Kalender die bevorstehende Witte­rung für ;ede einzelne Gegend bestimmt und sicher voraus ankündigen kann. Dar­aus wird leicht begreiflich, daß der Kalen­der wenigstens hundertmal lügt, bis er nur einmal die Wahrheit sagt.

Der Verfolg künftig»

An das Direktorialer der Französischen Republik, von Johann Caspar La- varer.

Verfolg.

Drei Millionen * von zweihundert Bür­gern einer kleinen Stadt, deren zwer tau­fend sechshundert Bürger so viel Haares Geld nie zusammendringen könnten. Und wenn diese Summe, wie es verlauten will, von den zweitausend sechshundert Bürgern gefordert wird, weil alle das Kapitalver­brechen auf sich haben, regierungsfähig zu styn, für welches Verbrechen der Regie- vungsfähigkeit dann die große Nation zur Rächerin von Rechtswegen bestimmt ist. Wenn alle nun bezahlen müssen, ist dann die Forderung gerechter ? und wäre sie ge­

recht, wenn alle egal gewordene Landes- ftssen sie bezahlen müsten ? Nur der erste . Fünfrheil (ihr Bürger, ach! warum wä­ret ihr schwach genug, einen Heller zu be­zahlen?) konnte kaum mit allem Zusam­menfluß von Geräthen, von künstlichen Silbermedaillen u. f. f. zusammengedracht werden.

Große Nation! hast du noch einest Funken von Menschlichkeit und Scham, so erröthe und eile zu sagen:Ich bin mißleitet, übel berichtet, ich schäme mich, keinen Heller mehr, -alle», alles zurück, olles Genossene und Empfangene an Mu­nition und Fourage, wie es einen Namen haben mag, werde genau und willig be­zahlt. Europa müste uns fluchen, die Nachwelt müste uns verdammen. Ferne ssy von uns, die schamlose Heuchelei, unS Freunde von Zürich zu nennen, und Blut­sauger von Zürich zu seyn."

Doch dieses ist noch nicht alles. Wer Unrecht that, rhut mehr Unrecht; wer über eine gewisse Grenze de» Laster» hinausge» het, der findet des Lasters kein Ende. Sunde straft sich mit Sünde; Verbrechen mit Verbrechen. Große Nation, ihr Agen­ten derselben, ihr hattet die nie erhörte Frechheit, die freien demokratischen Stern- tone zur Annahme eurer Constitution mit trotzender, hobnsprechender Waffenübrrr macht zu zwingen; sie. die Jahrhunderte, ehe Frankreich an Demokratie dachte, de­mokratischer waren, als eure kolossalische Re­publik nie werden kann; vergoßt euch sosehr, über diese friedlichenglücklichen Hirten­völkchen, wie Wölfe über eine Heerde Schaafe, herzufallen, um ihnen ihre gol­dene Freiheit zu rauben, und ihnen, wie es ihnen dünken müsse, Freiheit in falfdjtn Asst naten aufzumorden. Wie werdet ihr das je entschuldigen können ? Ihr, dieBe- redtesten und Witzreichsten; ihr, denen es nrc an künstlichen Wendungen fehlt, alle

Greuel