Nr. LI. Derembr. 1799*
Giesser MUlWWWW
Die Spinne, als die beste Wetterprophetin, welche die bevorstehende Veränderung des Wetters mehrere Tage voraus an- kändiger.
Nichte ist qewiß jedem Landwlrth erwünschter , als die Beschaffenheit der bevorstehenden Witterung zum Voraus kennen zu lernen, um feine Geschäfte und Arbeiten bet der Landroirthschaft darnach ordnen zu können. Nicht nur die^Vor- kenntnis der Witterung eines jeden Jahrs, sondern auch die einer jeden Iahrszeit/ eines leben Monats ist für ihn von Wichtigkeit. Wie oft bedarf er einer vollkommenen Gewißheit über die beiden entgegengesetzten Witterungen, nämlich, ober regnen werde oder nicht? Beider Einsammlung des Heues, des Getreides, de» Grummets , u dql. kann eine gut oder übel gewählte Witterung, sowohl in der Güte, als in der Menge, die Hälfte gewinnen oder verlieren machen. Auf gleiche Weise verhalt el sich mit der Aussaat. Er mag Getreide, Flachs, Hanf oder Hülsenfrüchte von irgend einem Belange bauen, so kann er abermals die Halste davon einbüßen , theils durch Thiere und Insekten, die die Saat abfreffen, theils durch das, was davon im Keimen bei einer attzutrock- nen oder allzunaffen Witterung zu Grunde gehr. Auf diese Art kann es gar leicht geschehen, daß der Landwirth, aus Mangel an Vorkenntnis des bevorstehenden Wetters , sowohl zur Zeit der Saat, wie der Erndte, viermal weniger erhält, als bei einer genauen Dorkenntnis der Witterung hätte erhalten können. Ist also irgend etwa- in der Welt für den Landwirth vvr-
theilhaft, so ist es gewis die Kenntnisun- truglicher Vorbedeutungs-Zeichen der ber vorstehenden Witterung. Dieses Bedürfnis kennt der Oekonom in der Stadt, wie der auf dem Lande ; um ihm einigerma- fen adzuhelfen , zieht dieser seinen lügenhaften Kalender, jener seinen Barometer, oder beide zugleich, zu Rath. , Aber lei; der l sind beide gleich unzuverlässige Mittel, als daß man durch sie eine sichere Vor; kenntniö der künftigen Witterung erlangen könnte«
Man zürne nicht weil ich den Kalender einen Lügner genannt habe: denn der ist er , in Rücksicht auf Wetterprophe- zeihungen, allerdings. — Die wahre Bestimmung des Kalenders ist ja nur die, daß er uns die Eintheilung des Jahrs nach Monaten, Wochen und Tagen, die Zeit, wann Ostern, Pfingsten oder andere Feste einfallen, und höchstens noch den Mondeswechsel, die Sonnen - und Mondsfinsterniffe anzeigt. DieWet- tervoraussagungen, samt allem übrigen im Kalender sind adergläubistheS und unnützes Zeug. In Ankündigung de»- bevorstehenden Witterung hat ja der Kalender schon tausendmal gelogen, und wird wohl noch tausendmal lügen. Wie sollte aber auch der Kalender oder vielmehr der Kalenvermacher das Wetter für ein ganzes Land, und was noch rathfelhafter ist, für jede einzelne Gegend eines Landes voraussagen können? —ü Die Witterung in einzelnen Ortschaften ist sich nicht immer ganz gleich, sondern aus vielen Nebenursachen sehr verschieden. Wie oft erfreuen sich unsere Nachbarn eine- günstigen Regen-, da wir eine anhal-


