Ausgabe 
12.10.1799
 
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rechnete, und auf den Einfall kam, die Bilder auf dem Heerde und im Ofen zu verbrennen, um sein Hokz dabei zu sparen. Er dachte, das wird unserem Fürsten, den Bildern und unserem Herrn Pfarrer gleich- gultig feyn f wo sie verbrannt werden. Den folgenden Tag wollte die Schulleh- rerinn Brod backen, wo denn gleich Ge­brauch von den Bildern gemacht wurde; der Schullehrer füllte den ganzen Back­ofen damit an; die zu dick oder zu breit waren, spaltete er vom Kopf bis zu den B-inen, ankern hieb er Arme und Beine weg. Es wurde nun Feuer untergelegt, und in einem Augenblicke war dieses mit * Oelfarben bestrichene Holzwerk in Glut, worüber der Schulmeister eine kindische Freude hatte.

Das Brod wurde nun gebacken, und sah recht schön aus. Kaum aber hatte der Schullehrer mit seiner Frau und vier Kin­dern davon gegessen, so wurden solcheplötz- lich krank, bekamen Uebelkeit, heftige Leib- schmerzen, anhaltendes Brechen und Durch­bruch. Die zwei kleinsten Kinder von zwei und vier Jahren erbrachen sich eine Stunde Lang immerwährend fort, daß aus Mund und Nase häufiges Blut kam, und beyde bald darauf ihren Geist aufgaben. Durch einen herbeigerufenen Arzt wurden die zwei andern Kinder nebst Vater und Mut­ter noch gerettet, blieben aber noch eine Zeitlang kränklich und elend.

Als der dumme Pöbel diese traurige Begebenheit erfuhr, und hörte, daß der Schulmeister die CbarfreitagS - Bilder in seinem Backofen verbrannt höbe, glaubte jedermann stuf und fest, daß dies eine of­fenbare Strafe des Himmels für die Ver>- wegenheit deö Schulmeisters fey, bis der kluge Arzt und rechtschaffene Pfarrer den albernen Leuten endlich begreiflich machten, daß es mit diesem Unglücke ganz natürlich zugegangen sey, und daß blos die vielen schädlichm Farben an den Bildern auf

Grünspan, Gummlgutt, Dleiweiß, ro. them Mennig und dergleichen, d,e sich beim Backen in das Brod gezogen, diese plötzliche Krankheit mit ihren fürchterli­chen Zufällen und den Tod der zwei Kin­der verursacht hatten.

Bekanntmachung von verschiedenen Sachen.

i) Donnerstag den i7ten dieses, Mor­gens Lv Uhr, sollen auf dahiesigem Rath- Haus, die den Erden des Georg Melchior Franz zustehende Gütherstücke, als

1/2 M. 26 9i. Acker im Wallpförter Feld, stoßt auf Die Land strafe, neben Johann Heinrich Schäfer und Jacob Feger,

Z/4M 28 R 15 Sch. Acker an dem Weys her im Selzerpförter Feld, neben Herr» Postmeister- Kempf und Johannes Pfaff,

I/4M. 35 9i. 6 Sch. Acker am Aul­weg, neben Hrn. Johannes Seipp und Hrn General v. Schmalkalders Erden,

23 R. 7 Sch. Garten am Hamm ne­ben Joh. Philipp Schäfer und Hrn Rath, schöff Frechen Kinder, erster Ehe, öffentlich an den Meistbietenden verstrichen werden, so hierdurch zur Nachricht bekannt gemacht wird. Gießen den 7ten October *799-

Fürstl. Hess. Oberamt das. Ray ß.

2) Dienstags den 2iten October Mor­gens io Uhr, sollen auf dadirsigem Rath- haus, nachstehende, dem Burger und Roth» gerber Johann Kaspar Vitzbcrger zuste. hende Grundstücke, als '

, 1) dessen Wohnhaus mit Zug,hör in der kowengasse, neben Hrn. Stadthauplmann Kempfs Wittwe gelegen,

2) 26 R. 71/2 Sch. Garten zwischen de« Crcfderfer und Wismarer Weg , neben Conrad Pepler und Georg Wilhelm Ockel,

3) -/4M.. 19 R. 14 Sch. Acker in der schwär-