Ausgabe 
12.10.1799
 
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Nr. XXXXL ir.Oetobr. -799

Gresser Jrrkelltgenzblatk.

Beispiele von allerlei Unglücksfällen zur Beleh­rung und Warnung.

Ein besonderes Unglück -ei ei­nem Brande.

In Mannheim kam vor etrva 24Jah­ren im Gasthause zum Pstug Feuer aus, und zwar im Schornstein. In solchen Fällen zeigen sich die Schornsteinfeger im­mer dienstwillig, bedecken die Oeffnung der Schornsteins mit Mist, stellen sich darauf, und fahren so durch den Schorn-, stein herunter, wodurch dann dar Feuer , schnell gelöscht wird. Auch bei diesem Brande in Mannheim erbot sich sogleich ein Schornsteinfeger, dar Feuer auf solche Art zu löschen. Der Schornstein ward schleunigst mit Mist belegt, der Schorn­steinfeger fuhr hinein, kam aber unten in der Küche nicht heraus. Alles wollte die­sem Manne zu Hülfe eilen; man unter- suchte warum er rucht durchdringen könnte, und fand, daß zu allem Unglück der Weg Durch den Schornstein mit einigen dünnen Stangen, welche zum Dörrendes Fleisches angebracht, gesperrt war. Jedermann suchte nun schleunigst zu helfen; allein die Hülfe kam zu spat. Der gute Mensch war schon todt, war schon ganz gebraten und verbrannt, hatte also eines äusserst elenden Todes sterben müssen.

Unglück von verbräunen mit Farben bemalten Zgnnplanken.

Ein Gärtner nahm dasjenige Holz, fp von einem alten Gartenzaune abgebro- khen worden, welcher mit einem Bley- stosse, es fey nun Mennig oder Bleyweiß, angesttichen gewesen, und heitzle damit seb-

tien Backofen ein. ES soll sich ober der giftige Bleydampf so in den Ofrn gezogen haben , daß er hernach in das warme Brod, welches gerne alles mögliche anzieht, ge­zogen worden, so daß neun Personen, welche von diesem Brode, nachdem er­kaltet, gegessen haben, die schwersten Zu­fälle davon bekommen, und zwey von die­sen , ehe man auf die Ursache dieser Wir­kung gekommen, elend umkommen müs­sen; da die übrigen sieben endlich, nach­dem man die Ursache von einem Bley- gifte an den Zufallen erkannte, mit vieler Mühe errettet und beim Leben erhalten wurden.

Das nämliche Unglück von bemalten hölzernen Bildern.

Ungefahr vor 25 bis 30 Jahren ge­schah es, daß in einer kleinen Stadt des katholischen DeutschlandeS, auf Befehl ei­nes eben an die Regierung gelangten auf­geklärten Fürsten, die sogenannte Char- freitagS-Procession völlig eingestellt werden mußte. Bei solchen Processionen war eS üblich, allerlei bemalte hötzerne Figuren oder Bilder mitzutragm, welche die wich­tigsten Personen des alten und neuen Te­staments vorstellten. Da dieses dem Für­sten bekannt war, so fügte er den Befehl -ei, alle diese nunmehr überflüssigen Bil­der zu verbrennen.

So ungern dieses auch die Untertha- nen sahen, so gehorsam willigte der wa­ckere Pfarrer des Städtchens ein, und gab seinem Schullehrer Befehl, olle zur CharfreitagS - Procession gehörigen Bilder zu verbrennen. Der Schullehrer war ein Mann, der alles nach seinem Vortheil be­rechnete,