Ausgabe 
12.1.1799
 
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NniL iz, Januar. 1799*

Giesser Jlttelligenzblatk.

Lieber das zunehmende schlechte Fortkommen der weidenbäume.

Diese Ueberschrift betrifft eine sehr allgemeine KlaHe dec Landleute, und sie ist nicht ungegründet. Es ist nichts Un< gewöhnliches, Weidenplätze, welche sonst mit hundert und Mehrern Daumen be- pflanzt waren, fast ganz leer oder nur svär- sam besetzt zu sehen , oder da, wo sonst nichts als Zäune von Weidenholz zu sehen waren, jezt meistentheils, nicht weil man cs für schöner und besser halt, sondern aus Noch und Mangel an Weidenholze, Be­friedigungen von geschnittenen Latten oder Brettern vorzufinden. Allerdings thun diese auch das ihrige, sie vertreten die Stelle der Zäune von Weidenholz auf eine sehr gute Art, ja man muß ihnen den Vor­zug lassen. Ader man bedenke, wie schwer ehre Anschaffung und Unterhaltung roirb, da jezt der Preis des Holzes immer steigt.

Je unangenehmer nun dieses für den größten Theil der Landleute seyn muß, zu­mal wenn theils ibre Höfe, theils dieLage ihrer Aecker und Wiesen viel Zaune erfor­dern , desto dringender und angelegentli­cher muß die Bitte an alle erfahrne Oeko- nomen werden, zum allgemeinen Besten und zur Erleichterung vorzüglich des min­der begüterten Landmann» , in Hinsicht de» zunehmenden schlechten Fortkommens des WeidenholzeS mit guten, diesem Hebel abhelfenden Rathschlagen zu Hülfe zu kom­men. Es ist nicht zu läugnen, daß schon viel gethan seyn würde, wenn man die Diehleute und die von geringem Klassen der Einwohner eines Dorfes von Gerichts.

wegen genauer beobachten ließ. Eben diese Menschen sind e», welche oft mit ei­ner unverzeihlichen Gleichgültigkeit die neuen Anpflanzungen theils selbst, theilS durch ihr Vieh ruiniren lassen, zu sehen, wenn Pferde und Kühe die jungen Wei­den abschälen, um dabei nur etwas we­niger Mühe bei der Aufsicht zu haben. Durch Preise oon Obrigkeiten auf die Ent­deckung solche« Frevels gesetzt, würde die­sem am leichtesten gesteuert werden; und der Preis könnte und müsse von dem der That sich schuldig gemachten herbeigeschafft werden. Durch Geldstrafen werden die untern Volkeklaffen am leichtesten geschreckt. Endlich müssen die Gemeinden nicht nur befugt, sondern auch angewiesen werden ihre Hirten bei einer sich vorfindenden gro­ßen Vernichtung zur Rechenschaft zu zie- hen und nach Beschaffenheit der Umstände zu strafen.

Bei den jährlichen Anpflanzungen der Weidenbäume versehen ee btt- meisten Land­leute damit, daß sie bei ihren jährlichen Anpflanzungen gewöhnlich immer von dem auf ihren eigenen Weidenplatzen oder doch vor ihrem Dorfe gewachsenen Holze neh­men. Dies scheint allerdings ein großer Fehler» den aber der Bauer um desto leich­termacht, je mehr er sich vor den durch den Ankauf fremder Weidenssämme noth- wendig werdenden Kosten scheut. Sollte ober diesem nicht leicht abgeholfen werden können, wenn die Gemeinheiten eineS Amte» ober eine« gewissen Dissricts ange­wiesen würden, jährlich eine gewisse An­zahl Pflanzenweiden gegen einander zu vertauschen? Auf diese Art wurden alle

Gossen