Nr.XXXXIX. ,v y.Decembr. 1799.

Gresser Jiltelligenzölatt.

Skizze einer Rarakteristik der Araber.

( Au» dem Portefeuille eines reisenden Fran- rosen, der mit der lezten Expedition zu- rück kam.)

Arabien macht eine Halbinsel, die auf der einen Seite an das rothe, und an der andern an'a große Weltmeer gränzt Das Land besteht au» mehreren Provinzen. In jeder liegen mehrere unabhängige Herr­schaften. Ueberall trift man abwechselnde Gegenden, wie bei uns, an. Den Ebenen fehlt» oft an Regen, und folglich an Frucht­barkeit ; dagegen sammlen sich während der Regenzeit viele Flüsse, welche wodi ge­nannt werden, die die Ebene fruchtbar wachen, und sich nach und nach im Sand und Feldern wieder verliehren.

Die Witterung ist dort sehr verschie­den , in der Grafschaft Jemen z. E. dauert die Regenzeit von Iuniu» bis in Septembr. Eben so ist die Wirkung der Winde sehr verschieden, auf Vereinen Seite feucht, auf der andern trocken. Die Sonne ist in den meisten Gegenden im Jul. und August so heftig, daß man von Vormittag» ii bi» Nachmittag» 3 Uhr nicht auf öffentlicher Strafe die HitzeauS- halten kann. Um die Zeit hält man den Mittagsschlaf. Wir nennen diese Zeit Hund»tage, die Araber aber Smnm, nur ist dieser oft tödtlich für Menschen und Vieh.

Die Erziehung der Araber ist sehr son­derbar. Sie lassen ihre Söhne 45 Jahre jn dem Harem, d. i. bei dem Frauenzim­mer. Nachher müssen sie sich zum Ernst gewöhnen, und kann ihnen der Vater kei­nen Lehrmeister geben, so müssen sie ganze Tage lang bei ihrem Vater sitzen.

Da Tanz und Musik bei den Arabern für unanständig gehalten wird, und gar kerne starke Getränke im Gebrauch sind, so lernen sie die wenigsten unferer Vergnür gungen kennen, und werden früh ernst­haft. Demohngeachtet lieben sie doch große Gesellschaften. Sie sitzen gern in Coffee- Häusern und auf Markten, daher sind sie auch so ungesittet nicht, als man glaubt. Man trifft viel brave Menschen unter ih- tun, und im Handel trauen sie den Euro­päer am meisten. Sie sind nicht zänkisch; gerathen sie aber in Zorn , so gehen sie mit M'sser auf einander lo», doch sind sie auch bald wieder auszusöhnen.

Sie sind höflich gegen Fremde, gast­frei, und wer in Geschäften zu ihnen kommt, wird frei unterhalten unD noch beschenkt. In den Städten sind öffentliche Häuser, wo man emkehret, auf dem Lande auch ei­nige Dörfer, wo man freie Herbergen fin­det. Ohne Ansehn, ob man Christ oder Mahomedaner ist, wird man zum Essen von ihnen eingeladen. Die» besteht ge­wöhnlich aus Reis, Suppe und Fleisch. Nach der Mahlzeit folgt Coffee und Tabak, und da wird gesprochen, bi» sie schläfrig werden, alsdann gehen sie ab und pfle­gen ihrem Schlaf, der Fremde aber hat seineFeeiheit, ein gleiches zu thun. Selbst Eseltreiber in den Karawanen üben diese Bescheidenheit aus, wenn man zur Essen- ' Zeit bei ihnen vorbeigeht.

In ihren Häusern sind die Zimmer, wo sie wohnen, forne, und hinten woh­nen ihre Frauenzimmer, die sich gar nicht Horen und sehen lassen. Auf den Stra­fen grüßt man sich mit den Worten Sa« law Alaikum, d. i. Friede sey mit euch.

Frau-