Ausgabe 
2.2.1799
 
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schemlich wakttt es Sprünge und Wen­dungen mitten zwischen den auf sie zuge- kehrten Schwerdtern und Lanzen, denen sie sich mit vieler Kühnheit näheren, aber auch mit Geschicklichkeit und Anstand auö- zuweichen wußten. Diese rohen deutschen Jünglinge tanzten also unter sich; einige traten vorher, machten eine Gasse/ fällten ihre Lanzen/ und einige andre durchtanz­ten unter mancherlei Sprüngen diese Gasse/ und loteten einander ab. Ihre Geschick­lichkeit wurde destomehr bewundert / weil sie ohne Bedeckung ihres Leibes und na­ckend zwischen den blitzenden Schwerdtern herumsprunqen. Sie gewöhnten sich da­durch zur Herzhaftigkeit , und ihr Auge an den Anblick dieser Gewehre, mit denen sie sich vorzüglich inZukunft beschäftigen sollten. Tacituv macht an einem andern Ort die psychologische und politische Anmerkung/ daß einige deutsche Völker mit allem Fleiß in erschrecklichen und fürchterlichen Gestal­ten ihren Feinden entgegen giengen , um dieselben verzagt zu machen, weil die Augen zuerst in allen Schlachten über­wunden würden. Je gefährlicher nun für diese jungen Wagehälse war, daß sie nackend und nicht, wie die römischen Jung, linge , den pyrrichrschen Tanz in voller Rü­stung tanzten, oder das trojamfcbe Spiel spielten; desto größer war das Vergnügen und die Bewunderung der Zuschauer: in­dem man allemal einen Luftsprinqer mehr bewundert, wenn er über bloße Schwerd- ter/ als über hölzerne Degen mit der näm­lichen Geschicklichkeit hinspringt. Daß Taritu« noch hinzusetzt, daß diese jungen Deutschen diese Uebung nicht aus Gewinn­sucht undsklavischer Niederträchtigkeit/ son- dern um den Zuschauern durch die Beweise ihrer angestammten Herzhaftigkeit eine wahre Freude und Vergnügen zu machen/ angeftellt hatten/ thut er deswegen, um seine Landsleute zu beschämen , unter de­nen sich so viele hrauchen ließen/ fürs Geld

durch die üppigsten Tänze und blutigsten Zweikampfe sie zu unterhalten.

Auch das Privatspiel/ dessen TaeituS hinterdrein gedenkt/ und bei welchem ihm so viel auffällt , kommt völlig mit den Sitten und Charakter der alten Deutschen überein. Es war ein Hazardspiel, wel­ches sie mit Würfeln verrichteten/ derglei­chen man hin und wieder aus der Erde auögegraben hat. Dieses Spiel erfor­derte keine Anstrengung des Geistes und nicht viel Verstand , und vertrieb diesen Völkern die Langeweile, welche sie sehr oft haben mußten. Die Griechen und Römer machten nicht viel aus dergleichen Spie­len. Ihre Spiele waren auch bloße Ha- zardspiele; denn die sinnreichen Spiele sind später und von den einsamen Einwoh­nern der Morgenländer erfunden worden, und daS beliebte Kartenspiel erfand man, umdie Melancholie eines Könige in Frank­reich zu vertreiben.

Der Verfolg künftig.

2?» der Rriegerschen Buchhandlung sind folgende wohlfeile Ausgaben ;u haben:

Kant Streit der Facultaten , 8. 3o fr. * Hufeland Kunst das menschliche Leben zu verlängern, 8. I ff.

Auflösung der Charaden im vorigen Stücke.

37- Windeltreppe. Z8. Nesseltuch.

Gottesdienst am Z §ebr.

In der St Pancratiuskirche. Mor­gens Herr Superintendent Bechtold. Nach­mittag- Herr Superintendent Müller.

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