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Die

Eroberung von Giejstn a, 1327?

( Deschkus.)

Der Tag , an welchem die Bewoh­ner von Giessen die Befreiung von Ih­ren übermüchigen Feinden durch' ihre Tapferkeit errangen, ist nicht bekannt, ob er gleich verdient hätte, aid ein Volksfest von der Nachwelt gefeiert zu werden. Ec fiel in die leztenTage des Septembers. Es ist möglich, daß die sogenannte Giesser Lirmeß, welche von unfern Vorfahren auf den Bartholo- mäusmarkt, Ende Augusts, gefeiert wurde, und deren Gedächtnis beinahe ganz erloschen ist, auf dieses Ereignis «ine Deutung hak.

LandgrafOtto starb den 17teg Ian. 1Z2Ü., und der Erbprinz Heinrich der Eiserne, der durch seinen Heldenmuth In der Geschichte bekannt ist, folgte ihm in der Regierung. Der Haß des Erzbischofs Matthias gegen den Vater erbte auf den Sohn fort. Er betrach­tete die Bewohner Hessens, hauptsäch­lich Giessens, als Rebellen und traf furchtbare Anstalten, fie in einem neuen Feldzüge zu züchtigen. Er verband sich enger mit den beiden Grafen Jochann und Heinrich von Solms und zog auch den kriegerischen Grafen Johann von Nassau - Dillenburg in sein Interesse, der wegen der Begünstigung, welche in feiner Fehde mit Eckhard von Bi- <$en Landgraf Otto gegen diesen gezeigt hatte, über Hessen aufgebracht war. Erzog aber diesmal nicht selbst mit zu Felde, sondern ernannte den Grafen von Nassau zum obersten Befehlshaber. Das Heer der Verbündeten, und mit ihm die Blüthe des Mainzischen und Wetterauischen Adels, versammelte sich in den Ebenen bei Aßlar undider Zug desselben sollte Giessen gelten. Land­graf Heinrich, welcher nicht gewohnt

war, seine Feinde zu er iwfett, rückte ihnen mit seinem Heer von Giessen in die Gegend von Wetzlar entgegen. Mit ihm zogen seine zahireichen und kriege­rischen Edlen uno Burgmannen und die Burger der Städte, besonders von Frankenberg nnv von Giessen. Beide Heere trafen in der Ebene zwischen Wetzlar und. Hermannstein, in der Ge­gend des sogenannten Linsenbergs, auf- ein.ander. In eben der Gegend, in welcher 17ÄG die Oestrercher unter ih­rem Heerführer-Erzherzog Carl über die Franzosen einen glorreichen Sieg erfochten. Dec Tag der Schlacht wac der 10. August 1328. Man schlug sich von beiden Seiten mit Hartnäckigkeit und mit Erbitterung. Beide Theile schrieben sich den Sieg zu, und beide büßten viel ein an Tobten und an Ge­fangenen. Der Verlust der Hessen war der grösere, der Tod ihres kriegerischen Anführers, des Grafen Johann.von Nassau, war für die andere Parte» der empfindlichere. Die Hessische Reim­chronik enthält über dieses Treffen fol­gendes.

Bey Wetzlar war ein grofer Streit, Darinn blieb kodt zu beyder Seit Manch Ritter gut und GrafJohann, Gefangen ward manch Edelmann, Dec gröste Schade aber zwar Dem Landgrafen von Hessen war. Der Schade, meint man, so gestehn Zweymal hundert kaufend Floren.

In dieser für jene Zeiten ungeheuren Summe ist auch das Lösegeld begriffen, mit welchem sich die Gefangenen ios- kaufen mußten.

Der Erzbischof Matthias überlebte die Botschaft des Sieges, welche man ihm überbrachte, nur kurze Zeit. Er starb den 29. Äugust. Sein Nachfolger Erzbischof Balduin von Trier, der die .Verwaltung des Erzbistums erhielt, harte