Ausgabe 
29.5.1770
 
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172 Gl'essrsche wöchenelr'cke gemeinnützige Anzeigen

sondern die nächste Zeit nach der Zerstreuung zu seyn, so daß zu MosiS Zeiten wirklich schon manches andre und schon verschiedne Völker Dem Nahmen nach ausgegangen oder zusammengeschmolzenseyn konnten, (denn wer kann hier etwas gewisses bestimmen?) deren Geschichte aber dennoch damahls noch in jedermanns Andenken gewesen ist.

Andere Völker deren Nahmen erst lange nach Mosis Zeiten auf­gekommen sind, oder die in entfernteren Ländern gewohnt haben, in der Mosaischen Erzehlung zu suchen, ist ungereimt. Und aus dem Gleich­laut der Nahmen ist nicht viel zu schließen. So haben die Ionier ihre Benennung nicht eigentlich von dem Javan, sondern von einem weit spä- tern Jon, der aber vermuthlich den Nahmen daher bekommen , daß der Nähme des ersten Stamm Vatters JavanS noch einigermaßen im Anden­ken war, so wie bey uns die Kinder sehr oft nach den Nahmen ihrer Groß­eltern benennt werden. Cb also gleich Javan der erste Stammvatter der Griechen gewesen ist, so ist doch dessen Nachkommenschaft nicht lange un- vermischt geblieben; und es sind gar bald Nachkommen des Sems und «Hams dazu gekommen. Und so ist es mit allen Völkern , der einzigen Nachkommenschaft des Abrahams oder vielmehr Jacobs ausgenommrn, gegangen, welche mehr oder weniger nach Befinden der Umstände ver­mischt worden lind, Aast alle Völker vor« denen uns die griechische uns römische Schriftsteller Nachricht gegeben, sind nicht so alt, daß sie bis in diese Zeiten hinsufreichten. Damals waren schon allzuviel Vermischun- gen und Wanderungen vorgegangen, und wenig Nationen wußten ihre erste Stammvätter mehr: sondern man erinnerte sich meistens nur noch derjenigen, welche Anführer der Colonien abgegeben und sie in andreGe- genden gebracht hatten. Gallier, Deutschen, und andre Völker dieser Gattung sind also nicht bestimmrerweise gerad von diesem oder jenem Sohn Noahs herzuleiten: sondern sie stammen von altern Nationen her, bet) welchem wenigstens im Anfang ehe sie'sich noch so weit in Europa heraus­gewagt haben, schon manche Vermischungen mit Nationen die von den andern Söhnen Noahs entsprungen waren, vorgegangen waren. Es ist allo eine ganz vergebliche Arbeit, alle Nationen und deren Ursprung in der Mosäischen Erzchiung zu suchen. Man kann aber auch annehmen , daß alle Völker, deren Moses gedenkt, noch zu seiner Zeit würklich geblüht, und in den oben angeführten Ländern hin und wieder gewohnt Haden, ob» Aeich die HOmnrte Stelle ihrer Wohnplätze aus Mangel weiterer Nach-

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