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haben, daß sie eben nicht gerad blindlings alles glauben, was man ihnen vorschwätzt. Es giebt noch immer Leute, die auch alsdcnn, wenn sie ir­ren, rechtschaffen handeln, und dem Irrthum aus keiner andern Ursache beygesallen sind, als weil sie ihn vor Die Wahrheit hatten ; Leute deren Charter nichts heuchlerisches an sich hat: Leute welche theils ihres Stands/ theils ihrer Glücksgüter, theils ihrer Redlichkeit wegen über allen Eigen­nutz erhaben sind: Leute die es ganz und gar nicht nöthig haben, eine Maske vorzunehmen. Cs ist ungerecht, wenn man glaubt, daß alle die­jenige, welche einer andern Religion zugethan sind, Leute von geringerer Einsicht und von einem schlechten und niederträchtigen Character seyn- sien. Wie kann man also einen Stand lchlechterdmgs verachten, indem man wenigstens eine gewisse Anzahl von sehr gelehrten Mannern , und von redlichen Gemürhern aufwe-sen kann? Laßt es seyn, daß alte diejeni­ge irren, welche sich etwas aus der Religion machen: Was folgt daraus? Ist man deswegen berechtiget ihre Diener zu verachten? -Oder nicht viel­mehr verpflichtet, sie, wo es möglich ist, zu recht zu führen? Oder wenn dieses allenfals zu schwer seyn möchte, Mitleiden mit ihnen zu haben? Glauben denn die Herrn, die des geistlichen Standes und der Religion so gern spotten, daß sie allein klug, alle andre Leute aber Dummköpfe, daß sie allein rechtschaffne Manner, alle andre aber Bösewichter, oder we­nigstens eigennützige Heuchler seyen. Möchten sie doch ihre Einsichten, die ihnen so groß scheinen, und ihr Herz, das ihnen so edel vorkommt, ein wenig besser kennen lernen. Ich darf nicht hoffen daß sie sich mit den ge­lehrten und rechtschaffnen Männern, deren es wenigstens, wie ich ge­dacht habe, einige giebt, in Vergleichung stellen sollen; denn sie wurden bey allem ihrem Stolz zu viel dabey verliehren.

Ich sage nichts von der Nothwendigkeit des geistlichen Standes in Absicht auf das bürgerliche Regiment, wenigstens in unser» Tagen , so wie die Sachen jetzt sind. Dieses erforderte seiner Weitläufigkeit halber eine eigne Betrachtung. Ich sage nur, daß es unbillig ist einen ganzen Stand zu verachten, in welchem sich Männer befinden , die Hochach­tung verdienen.

Will man die Fehler einzelner Personen dem ganzen Stand auf­bürden, so trift dieses alle Stande in der ganzen Welt. Wie viele schlechte Leute sind nicht in allen Standen: Wie viel Böses ist mcht durch