Ausgabe 
23.10.1770
 
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rmd LTsachrichtett. Z45

auch bey vielen auf weltliche Sachen, die ganz aufer dem Bezirck des geist­lich n Amtes gelegen sind. Man mischt sich in fremde Handel, die nicht vor uns gehören: man will eine Art von Beamten und Richter m dem Dorf vorstellen: Alle Augenblicke Zänkereven mit der Gemeinde über nichtswürdige Kleinigkeiten, mit einzelnen Personen, oder wohl gar mit den Beamten. Es ift nicht in Abrede zu stellen , daß es oft mit Mr Gewalt an den Prediger gebracht wird, und daß es Falle giebt, wo er sich genöthiget sicht, zur Hülfe der weltlichen Obrigkeit seine Zuflucht zu nehmen. Allein dieses muß so selten geschehen , alS nur immer möglich ist: der Prediger muß bitten, ermahnen, und wenn er droht, mit geistli­chen Strafen drohen: er muß nicht befehlen, nicht zwingen wollen: er muß alle Partheyilchkeit vermeiden, und nicht gleich aufgebracht seyn , wenn etwa jemand etwas an seiner Perlon oder den Seinigen tadelt. Er muß die Geschwatze übelgesinnter Leute verachten, und sie durch fein regelmä­ßiges Leben wiederlegen. Er muß keine Anbrmger leiden, keine Mähren- träger, keine Ohrenbläser: er muß nicht gleich alles was er hört auf die Kanzel bringen: er muß zuvor untersuchen, ob die Sacke ihre Richtig­keit hat: und wenn fein Amt eine Bestrafung nothwendig macht, so muß er bloß das Laster bestrafen, und der Personen entweder gar nicht geden­ken, oder allenfals eme mit aller Liebe eingerichtete Bestrafung in seinem Haus vornehmen, damit jedermann sieht, daß es nicht Haß und blinder Elfer ist, daß er niemand auf Antrieb seiner Frau oder andrer Leute aus­schändet, sondern daß es ihm um eine wahre Besserung der Seelen zu thun ist, und alles aus der Quelle eines wohlmeynenden und vor das Be­ste der Zuhörer besorgter Herzen herrührt. Sieht er sich genöthigt, den W^g der Strenge einzuschlagen, und höhere Hülfe zu suchen , so muß auch dieses mit aller Klugheit und Sanstmuth geschehen , wenn er nicht Verbitterungen erregen will. Am besten wäre es wenn man den Predi­ger mit allen gerichtlichen Untersuchungen , die in verschiednen Stücken noch hin und wieder ihm auferlegt sind, verschonen wollte, weil er eben dadurch seinen Zuhörern verhaßt wird, und sie die gehörige Liebe und das nöthige Vertrauen zu ihm verliehren.

Lächerlich ist es wenn ein Prediger sich über den andern erheben will. Wenn es noch immer Verdienste wären, darauf er seinen Vorzug gn'm- dtte, so ließe man es noch einigermaßen hingehen, ob eS gleich im Grund immer Hochmuth ist und bleibt. Aber oft entsteht dieser Stolz aus sehr

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