344 Gieflrsche wZchentliche Hemeknnützige Anzeigen unerheblichen Ursachen. Stax glaubt besser zu seyn als seine Amtsbrü- ver, weil er eine einträglichere Pfarrey hat, weil sein Kirchspiel größer ist, weil er langer im Amt steht, weil er reicher ist , als sein Nachbar, weil er eine stärkere Stimme hat, und was dergleichen kindische Ursachen mehr sind. Wenn Prediger sich unter einander mit Stolz und Verachtung begegnen, wie ist es möglich, daß sie sich bey andern in der gehörigen Ehrfurcht erhalten?
Mancher ist geschickt genug seinen Hochmuth unter die Larve der Demuth zu verstecken. Die falsche Demuth ist eine Sache die vielen Geistlichen schon längstens vorgeworfen worden ist: diese Leute sind unter allen die gefährlichsten. Man hüte sich ja sie zu beleidigen : ihre Sache wissen sie gar künstlich zur Sache Gottes zu machen: wenn sie sich nicht nachdrücklich rächen, so fehlt eS ihnen bloß an der Gelegenheit.
Doch muß ein Prediger sich auch in einer gewissen Hochachtung und Ehrfurcht zu erhalten wissen. Das beste Mittel hierzu ist , daß der Prediger außer seinen guten Einsichten, welche allemal Hochachtung verschaffen, einen regelmäsigen und exemplarischen Wandel führt, und mit allen Leuten auf eme zwar liebreiche aber auch ernsthafte Art umgeht, und alle Dinge meidet welche einen bösen Schein haben, wenn sie auch gleich an und für sich noch so unschuldig und erlaubt wären. Es ist besser daß er in diesen Stücken der Schwachheit seiner Zuhörer nachgiebt, als daß er einen Anstoß und Aergerniß verursacht. Betrachtet man aber das Verfahren vieler Prediger, so ist leicht zu begreiffen, warum sie ihren Respect verliehren. Wenn sie den Stolz vermeiden wollen, so verfallen sie in den entgegengesetzten Fehler, und machen sich zu gemein. Prediger sind wie alle andre Menschen nicht ohne Fehler: aber sie müssen sich sorgfältig hüten dieselbige sehen zu lassen, weil mit ihnen die Hochachtung und Erbauung fallen kann. Insonderheit müssen sie die Oerter vermeiden, wo die Leute ihre Gemeinde in großer Menge zusammen kommen, als zum Vey- fpiel die Gastmahlen bey Hochzeiten Kindbetten und dergleichen. Es ist nicht immer thunlich bey einem jeden Fehlender daselbst vorgeht, zu mora- lisiren: und läßt der Prediger vieles mit Stillschweigen hmgehen, so ver- liehrt er sehr viel von seiner Achtung. Was soll man von denen sagen die auf alle Märckte und Kirchmesse laufen allenthalben vornen sind, an einem jeden Handel der in der Gemeinde geschloffen wird, theil haben, w/e die
Luden


