Ausgabe 
11.12.1770
 
Einzelbild herunterladen

rrrrd Vl«rchrr'chtett.

399

wenbunö der Kräfte der Seelen erfodern. Die Sittenlehre entwirft nur tiefe Regel. das Vergnügen muß fo genossen w erden / daß man zu wichtige,, Geschäften dadurch geschickt wird ; und was hie- rinn zu viel oder zu wenig gesthicher das ist als emr Ausschwei- Zfiirtß zu verdammen.

Findet nun jemand gerade in einem Spiel dieses ermunternde Ver­gnügen, so hat er zuzusehen, daß er dte in dieser Regel enthaltene Schran­ken nicht übertritt. Er darf es zu keiner Zeit vornehmen , welche wich­tigen Geschäften sollte gewidmet seyn; er darf nicht länger dieser Er­munterung obliegen , alS seine Kräfte zu ihrer Stärkung nöthiZ haben. Wer es weiter treibt, der ist einem Menschen gleich welcher beständig schlafen will. Der Schlaf ist eine Herstellung der Kräfte des Leibes, da, mit diese nachdem desto glücklicher können angewendtt werden, und eben dieses ifl das Vergnügen in Ansehung der Seelen. Es^vergleicbet sich also beyves sehr genau, und aus dem einen kann man die Schranken VeS andern abmeffen.

Weil durch keine Handlung weder unfern eigenen noch andern Voll­kommenheiten zu nahe getretten werden darf, so muß auch bey dem Spick kein Verlust statt finden, der jemand zum Vlachcheil gereitet. Die ganze Summe desselben muß den Werth nicht übersteigen , wonut man das Vergnügen, welches man dabey cmpfindet zu erkaufen gedachte. Alsdann wird der Verlust eben so wenig Misvergnügen erwecken, als das Geld welches man an eine Spatzierfarth verwendet, und der Gewinn kei­ne grüsere Freude, als etwan die ist, welche man fühlet, wann uns ein Freund seinen Wagen zur Lustreiße darbietet.

Unter diesen Einschränkungen sehe ich nichts was der Sittlichkeit deö Spiels entgegenstehet. Es ist eben auch daraus deutlich, daß es sehr un­gereimt seyn würde so zu denken: Das Spiel ist eswas erlaubtes, deswe­gen kann ich zu aller Zeit, jaden ganzen Tag und an jedem-Ort spielen. Es müssen gewis unglückseelige Geschöpfe seyn, welche kein anderes Vergnü­gen kennen. Das größte Vergnügen eines gesitteten Menschen rst, die Pflichten zu erfüllen, wozu ihn sein Stand ouffodert. Wer dieses nun in Vermischung Der Karten suchet , Der begibt sich von der Hoheit des Mnschen wozu er bestimmet rst, in die gröste Niederträchtigkeit.

E e e z EmeS