Ausgabe 
11.9.1770
 
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L-4 Gr'essische wöchentliche gemeittttützlge Anzeigen

göttlichen Vorsehung sind. Nur unwissende können daran zweifeln oder solche, die den gemeinen Begrss, den man mif Dem Wort Vorsehung verknü­pfet nicht kennen. Das heißt nicht so viel, daß Gott etwas unmitteldar wür­fe, sondern alle und jede Begebenheiten zu einem gewissen Zweck lenke. Casus gewinnt hundert tausend Gulden. Seine Familie und Nachkom­men werden dadurch glücklich. TitiuS gewinnt eben dieses. Er wendet es zwar übel an, aber es hat doch einen Einstus auf andere. So wenig man laugnen kann, daß Veränderungen in der Welt dadurch entstehen, so wenig kann man laugnen daß der Ausschlag der Lotterien unter göttlicher Vorsehung stehe.? Es wird vielen dabey einfallen, daß mehrentheils sol­che gross Glücks-Falle mehr zum Verderben , als zum Wohl anderer etwas beygetragen hatten. Es möchte aber dieses so allgemein zu erwei­sen etwas schwer seyn; wann es aberiauch seine Richtigkeit hatte, so muß man nicht blos die grose Preiße als die einzige Würkung vor Augen haben-. Durch geringere kann gar vielen ihr zeitliches Wohl befördert werden, welches ohne dieselbe nicht hatte statt gehabt, und diese wird man nicht so gewahr.

Titius arbeitete fleissig. Sein Stand war so, daß er ohne ein Wunderwerk mit seiner Arbeit in keine Umstände versetzt werden konnte, seinen Kindern eine ansehnliche Versorgung zu verschaffen. Er legte das, was er wohl zu seinem Vergnügen hätte anwenden können, in eine Lotten rie. Er gewann ein ansehnliches Capital, stattete seine Töchter aus, und sie leben begückt. Die Vorsehung gebrauchte sich dieser Gelegenheit seine Arbeit zu belohnen, und ohne diese würde sie kein Wunderwerk erweh- let haben.

2. Matt muß aber wörtlich die Absicht habett / nach dem Willen der Vorsehrmg/ sich -der andere zu bcglöcfeit.

Wer einlegt blos allein um einen gewissen Reichthum zu erlangen, was wünschet der ? Die Absicht ist an und für sich nicht unrecht; es gehören aber noch mehre Bestimmungen dazu, wann sie tugendhaft seyn soll, und welche ? Das Vermögen auch gut anzuwenden. Doch das ist noch nicht genug. Wann er es ganz gewis host, ohne Rücksicht auf den göttlichen Beyfall, so ist seine Absicht noch roh, noch nicht vernünftig und christlich. Wann er aber dieses noch in seinen Wünschen hinzusetzte ? Es ist noch