Ausgabe 
11.9.1770
 
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L-o Gl'effrsche wochEche gemeinnützige Anzeigen

Wollte man diese Sache von der politischen Seiten überlegen , so wären gar viele Fragen zu beantworten. Man nehme nur 2000. Lose an, jedes zu 10. Gulden, welche in einem Land untergebracht werden, so jtnD dieses schon 2,0000. Gulden, welche nicht allein in Landauser Lauf gesetzt werden, sondern auch ganz hinaus gehen. 2000. Loose sind in einer Lotte­rie welche aus 40000 Losen bestehet, ein gar geringer Therl. Nach aller Wahrscheinlichkeit sind unter denselben gar wenige Gewinnste zu hoffen, und weniges kehret von dem ausgegeben Geld wieder in das Land zurück. Wann diese Ausgaben in einem Land nur 5. Jahre fortgeletzt werden , so gehen demselben hundert tausend Gulden verlohren. Dieses ist schon eine Summe, welche nicht jede Gegend verschmerzen kann. E6 ent­stünde daher die Frage, ob es nicht heilsam wäre, wann in dieser Sa­che ein herrschaftliches Verbote erginge? Ferner, ob es nicht wohl gethan wäre, wann in einem Land selbst eine Lotterie errichtet, und daher mit grö- serem Fug die Einlagen in fremde Lotterien verbotten werden könnten? Diese Fragen will ich aber jetzo nicht berühren , sondern nur folgende, welche zur Sittenlehre gehören. Erstlich; in wie fern es dem Geko* nomen anständig f Zweitens; in wiefern einem vernünftigen Mann und Christen in eine Lotterie zu legen f

Ein Oekonom als -Oekonom hat auf die Erhaltung und Vermehrung seines Vermögens zu sehen. . Er darf nichts unter­nehmen, wodurch er seine Einkünfte ohne hinlänglichen Ursachen schwä­chet. Ohne allen Zweifel würde er sehr thörigt handeln, wannerein groseS Tbeil seines Vermögens Hingabe in der größten Ungewisheir sol­ches wieder zu erlangen, noch vielweniger es mit einem VortheN wieder zu bekommen. Man muß die Ausgaben nach der wahrscheinlichen Wiedern Einnahme abmessen. Ist diese Wahrscheinlichkeit sehr gros , so kann - auch mit Grund ein gross Therl Vermögens daran gewendet werden. Dieser Satz rechtfertiget sich durch die Erfahrung. Ein Kaufmann gibt wo nicht sein ganzes Vermögen, doch den größten Tbeil desselben meinen handel. Warum? Weil die größte Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, daß er dasslbe mit Nutzen werde wieder bekommen. Gewrsheit ist in dieser Sache eben nicht da; dann der sicherste Handel ist mehr als einem Zufall unterworfen. Niemand wird aber dieses thörigt heißen, weil die größte Wahrschemlichkeit vorhanden ist.

Daß dieses bey einer Lotterie nicht statt finde, bedarf keines ErweifeS. Es scheinetzwar, als wann eine grose Wahrscheinlichkeit statt findenkönn- re,