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die Sachen selbst mögen beschaffen, oder kergenommenseyn wo sie wollen. Allerdings sollten diejenige, welchen die Natur die Gabe des äußerlichen Vortrags versagt hat, sich lieber zu einer andern Lebensart entschließen, weil doch nach der Gewohnheit der Leute, welche die herrlichste Sache bey einer schlechten Stimme verachten, sehr viel darauf beruht. Wenn aber die äuserlichc Beredsamkeit des Körpers gleich vorhanden ist, so ist es doch damit allein nicht ausgemacht. Der Zuhörer will auch Nahrung haben; er will belehrt, überzeugt und gerührt seyn. Hierzu gehört außer der Kenntniß der Sache woran jedoch die wenigsten denken , eine große Ue- bung in der Beredsamkeit. Es ist so leicht nicht, eine Rede zu halten, die allen Zuhörern angemessen ist, und in welche man sich gleich weit von dem schwülstigen und glatten Vortrag entfernt. Die meisten erwählen den letztern und werden dadurch wäßericht, matt, pöbelhaft und unerträglich. Einige andre, die etwas weiter zu sehen glauben, verfallen in den ersten Fehler; sie meynen wunder was sie für große und rührende Prediger waren, wenn sie Zeug schwatzen, das weder die Zuhörer noch sie selbst verstehen. Die goldne Mitteistraße eines in gutem Verstand so genannten populären Vortrags ist nicht so leicht zu finden. Sie erfordert richtige Grundsätze der Beredsamkeit, eine ausgebreitete Belesenheit in den besten Schriftstellern, und eine Uebung, welche sehr öfters angestellt worden ist. Aber auch dieses ist noch nicht genug: Man kann den besten Musternder Beredsamkeit oft nicht gerat) zu folgen: Man muß nach den Umstanden der Gemeinde ab* und zu geben. Ein Prediger hat während seines gan» zen Amtes hieran zu lernen, damit er das gehörige Mittel trift, und seinen Zuhörern gemas reden lernt. Er muß also fieißig auf die Würkung seines Vortrags acht geben, sich zuweilen mit der gehörigen Klugheit mit seinem Zuhörer darüber unterreden, und hieraus lernen, wie derselbige eigentlich eingerichtet seyn müsse. Es ist also nicht genug, daß man die erste die beste Postille vor sich nimmt und eine Predigt auswendig lernt, welches die Zuflucht der meisten ist. Wenn auch gleich die gewählte Predigt vortrcflichwäre, so ist sie doch für die Zuhörer, die man gerat) vor sich hat, oft nichts weniger als angemessen und erbaulich. Man kann sich wohl einer und der andern Stelle mit Vortheil bedienen: aber das ganze ist für den Begrifder Leute entweder zu hoch, wie solches bey vielen Meisterstücken großer Redner statt hat, oder es paßt doch nicht gerat) auf die dermalige Umstände. Es ist nicht genug daß der Prediger etwas gutes sagt: es muß auch verständlich und schicklich genug seyn- Daher fordert
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