Ausgabe 
9.10.1770
 
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Messifchewöchentliche gemeinnützige Anzeigen

nug haben, ohne daß sie die Langeweile zu vermeiden genöthigt waren, sich mit allerley Sachen abzugeben,die weit unter die Würde ihres Standes erniedrigt sind: Denn das Studium der heil. Schrift muß auch in dem Amt selbst fortgesetzt werden: und je weiter es getrieben werden , und je mehr der Prediger auch hierinnen mit eignen Augen sehen kann, je größer ist der Vortheil den er mcht nur in seinem Vortrag sondern auch gele­gentlich in dem Umgang mit denen ihm anvertrauten Selen davon zu gewarten hat. Freylich muß ich auch hinzusetzm, daß mancher rechtschaf- ne Mann, der mit seinen Kenntnissen versehen, in das Amt kommt, gar ost durch die schlechte Umstände seiner Bedienung genöthiget wird, seinen ßleig aufzugeben, weil es ihm allzuviel an den nöthigen Sudstdien und Büchern fehlt, die hierzu crforderturcr den, welchem man einigermaßen durch Anlegung öffentlicher Priester Eibtiothecken in einer jeden Jnsprctlvn, wie bereits schon mehrere den Vorschlag gethan habe» , abhetfen könnte, worüber ich mich aber dermalen nicht weiter erklären kann, um nicht zu weitläufig zu fallen. Allein viele haben nicht die geringste Begierde noch etwas weiter in ihrem Amt zu erlernen; sie glauben das Ziel schon er­reicht zu. haben, ob sie sich gleich alle Tage noch weiter von ihm entfernen, und das wenige was sie noch von hohen Schulen nntgebracht haben,ver­gessen. Sie könnten manchmal ein gutes Buch von ihren Amtsbrüdern, oder aus einer nicht gar weit entfernten Stadt geliehen bekommen, wenn sie nur lesen wollten. Wenns hoch kommt, so bleiben sie an den paar Büchern hängen, die sie etwa noch von Universitäten her haben: auf das was von Zeit zu Zeit neues auch in diesem Fast) zum Vorschein kommt, sind sie im geringsten nicht aufmerksam: kaum finden sich in einet ganzen Diöceß zwey oder drey Personen die eine gelehrte Zeitung oder ein theolo­gisches Journal lesen mögen: Was Wunder wenn sie mit Verlauf der Jahre zurückkommen, ganz fremd und unwissend werden, an den alten Vorurtheilen hängen bleiben, und in der ersten Gesellschaft, so bald sie um den Mund öfnen, zum Gelächter werden: Lesen sie ja noch etwas so sind es elende Postillen, die sie vom Vatter, Groß, oder Schwiegervat- ter geerdet haben, und in denen bestehet nicht selten ihre ganze Gelehr­samkeit.

Man bemtbeist einen Geistlichen gemeiniglich nach den Predigten, die er hält. Dieses ist nicht ganz ohne Grund, aber doch auch nicht hin­länglich. Der gröste Theil begnügt sich mit dem äuferlichen Vortrag, die