Ausgabe 
4.12.1770
 
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und Nachrichten. A-r

Vorstellungen hervorzubringen angemessen, indem der Vortrag mannich- stltiger Begebenheiten die Neugierde befriedige.

4. Man könne sich daraus einer schönen Schreibart angewöhnen, z. E. aus Lesung der Clarissa, Addisons u- d. gl.

Diese Gründe scheinen schon den Ausschlag zu geben, um die Frage zu be­jahen. Wir wollen sie prüfen, und sehen ob nicht ein und der andere Nachtheil dagegen abgewogen werden müsse.

i) Man lernt die Sitten der Nationen kennen in den Begebenhei­ten und Personen welche geschildert worden, das ist wahr. Nur ist daö auch zu erwägen , daß man auser dieser rvürkkchcn in eine idealrsche Welt versetzet wird; dann ein Roman ist eine Geschichte auS einer andern Welk, welche zwar möglich aber mcht würklich ist. Der Dichter bildet die Personen, Umstande und Begebenheiten wie er will, er läßt die Be­gebenheiten erfolgen wie ihm beliebt. Er darf freilich, wann er anders- wo die wahrscbernlrchkeie nicht verletzen will, keine Lücken lassen, unp keine Sprünge machen, sondern er muß den Erfolg allezeit in dem vorher­gehenden gründen. Dennoch bleibt- allemal ein groser Unterschied unter den Begebenheiten der würklichen Welt. Es schleichen sich da Triebfedern in den Handlungen der Personen ein,..kleine Umstände welche sich in dem unendlichen erlitten, und zufällige Begebenheiten welche nur einmal da sind, und die entweder übersehen werden, oder doch einen grosen Unter­schied unter dem erdichteten und würklichen verursachen.

Menschen sind gewohnt nach ähnlichen Fallen zu denken und zuchane deln. Die einmal vereinigten Begriffe verbinden sich wo nicht auf bcstän* dig doch eine lange Zeit so, daßwann die eine solcher Vorstellungen dir ist, die andere ebenfalls in den Sinn kommt. Nach dieser'Erfahrung entde­cket sich eln merklicher Schaden, 'welche Romanen können verursachen.

' Eine Person wird sehr lasterhaft vorgesteüet, und ist doch am Ende glück­lich, so wird hiedurch das Laster etwas groses von seiner Abscheulichkeit in dem Gemüth des Lesers verlier'? Bey dem Anblick des Lasters wird er auch an das Glück denken, welches es dennoch in der Geschichte des Romanen Helden gemacht hat. Es wirt) eine Person welche lasterhaft ist , so vor- gestellet daß sie dennoch gefällig ist, und sich in gewissem Betracht aus- nimmt, so ist dieses eine unmerkliche Reitzung zur Nachahmung, welche

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