34 Gr'essische wöchentliche gemeinnützige Anzeigen nicht zu entschuldigende Unwissenheit, und ein schlechtes moralisches Be­tragen ist hiervon nicht selten die Quelle.

Man kann zwar nicht fordern, daß ein jeder Caplan , oder Land- prediger die Geschicklichkeiten eines Professors der Gottesgelahrtheit haben soll: Sondern die Obrigkeiten müssen vorsichtig seyn, daß sie einem je­den eine solche Stelle anweisen der er gewachsen ist. Ein Prediger in einer Stadt muß natürlicher weise weit mehr Kenntnisse haben als ein Mann auf einem kleinen Dörsgen. Denn jener hat nicht nur einsichtsvollere und feinere Zuhörer, sondern kommt auch in ungleich mehrere Gesellschaften, wo es ihm eine Schande ist, von vielen Sachen, die eben nicht gerat) zu seinem Amt gehören, nicht mir reden zu können, wo er Leute vor sichßn- det, die ihn, wie man zu reden psiegt, gerne auf das Eiß führen. Den­noch könnte man verlangen , daß ein beträchtlicher Theil von Geistlichen mehr gelernt haben möchte. Die Zeiten sind vorbey , wo ein einfältiger Fischer durch den auserordentlichen Beystand Gottes unterstützt, reden und große Thaten verrichten konnte. Man sage, was man will, fo ist heuti­ges Tages wenigstens einige Gelehrsamkeit nöthig , wenn man andre Leu­te in der Religion unterrichten will, wenn dieses auch gleich Bauern wären.

Viele studiren ohne den nöthigen Mutterwitz zu haben: wie wollen diese Leute das Wort der Wahrheit recht austhellcn, und sich nur in den geringsten bedenklichen Fällen helfen. Viele junge Leute haben das un­glückliche Vorurtheil, daß zu einem Prediger, wenigstens auf dem Lande, weiter nichts, als eine ordentliche Stimme, und ein gutes Gedächtniß gehöre. Sie verlassen sich darauf, daß man insonderheit den Bauern vor- fchtvatzen könne, was man wolle. Nichts davon zu gedenken, daß sich diese Leute sehr schwer versündigen, daß sie mit der wichtigsten Sache von her Welt mit der Religion so niederträchtig umgehn , so betrügen sie sich offenbahr. Denn erstlich gieht es unter dem gemeinen Haufen ost Leute von vieler Einsicht uno Erfahrung, die so gar manches Buch gelesen ha­ben, und also im Stand sind, nicht nur das schlechte Gewäsch des Pfar­rers zu beurtheilen, sondern auch nicht selten mit ihrem Gespräch in Ver- lMnheit zu setzen. Hernach, gehört zum Vortrag vor den gemeinen Mann, weit mehr Kunst und Geschicklichkeit, als sich diese gemächliche Herrn .ein- Men, damit man ihnen deutlich wird, ohne drr Wahrheit, und was

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