Ausgabe 
29.8.1769
 
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tich, und noch glüklicher, als einen Asexrmder zu schazzen? Nichts, a!S die richtige Ueberzeugung, daß wir öey äußerlich schlechten Um|tdnoen, in einem innerlich guten Zustande noch allzeit glücklich genug sind. So rsteS der Be'ttler, der den Reichen um eine Gabe anspncht, oft eher, als der Weiche, der ihm seine wenige Nahrung hinwirft, und so,verlegt der dürf­tige Schäfer seinen geringen Hntcnstab mit keinem Zepter eines mächtigen Königs zu vertauschen. Er hat einen gefunden Körper, eine zufrieden- Seele, und was noch weit mehr ist, einen damit verbundenen allzeit frö- klchen Muth. Viele Krankheiten kennt er nur dem Namen nach; und auch dieses nicht einmal. Sein Ungemach ficht er von einer Seite an, wo es daffelbige nicht ist, und welche- andre dafür halten, weil es ihnen «ur von einer andern Seite zu sehen vergönnt ist. Seine schlechte Speisen fchmekken, und bekommen ihm wohl. Sein Hunger macht es. Sowie die schwere Last, die er mit jedem anbrechenden Tage bis rn die spare Nacht tragt, ihm seinen Schlaf auf dem harten Lager ruhig und süß macht, den der Reiche auf feinem sanften und weichen Bette zwar sehnlich, aber nur immer vergeblich verlanget.

Bald sollte man also glauben, daß der äußerlich gute Zustand wenig, -der gar nicht- zu unferm Glück beytrüge. Dies wollen wir nicht behaup- ren. Er kann das feiner er kann vieles zu unserm Glück beytragen; aber dann muß der gute Zustand es nothwendig durch uns seyn. 9ßir müssen ihn nach feiner Vergangtiä km, und nach seinen Veränderungen, denen er yur gar zu leicht unterworfen ist, kennen. Wir müssen uns in demselbi- gen gut gegen uns, aber noch besser gegen andre verhalten. Wir müssen als gewiß annehmen, daß wir bestimmt sind, nur darum besonders vor andern in demklbigen.zu seyn, damit wir andern, die nicht sind , eben dadurch bchüistch seyn sollen, damit sie es seyn können.

Ist dieses nicht; so gebe ich gernezu, daß unser äußerlicher Zustand, er mag auch noch so güt seyn, zu unserm waren Vergnügen, zu unserer Beruhigung, und folglich auch zu unserm Glück nichts beytmgt r daß sich nicht weniger zufriedene finden, als unter denen, die es am ersten seyst könnten. Denn die Macht, die Ehre und das Ansehen Hilst un- für sich betrachtet nichts. Durch das Glück andrer, welches sie in der rechten An­wendung bewürken, werden wir erst glücklich, Sie sind schädlich, wem; man sie nicht zum Schutz der Unschuld, und zur Wolfahrt der Tugend, und noch schädlicher, trenn man sie gar zu ihrem Verderben anwendt. Was Hilst der gröste Reichthunr, wenn wir ihn als ein vermeintes Gut

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