mrd Nachrichten. 437
Es ist ein grosser Fehler bet) den Menschen , daß sie nur insgemein nuf das sehen, was entweder vor Augen, oder auch nur, bloß möglich ist; z- E. wie man diesem oder jenem Mangel abhelftn , oder sonst seine puffern Umstande verbessern und gewissen Zufällen entgehen könne. JcV tadele eine vernünftige Ueberlegung von der Verbesserung der Umstünde nicht. Ich verwerfe auch jene Vorsorge nicht, die ein Mensch hat, um. dadurch gewissen Zufällen zu entgehen, oder sich auch aus einer Not!)^zu retten, die ihn bereits empfindlich trifft. Werdenaber mcht diese, an sich sonst billige undnöthige, Sorgen und Veranstaltungen höchstschadlrch und ungerecht, ja strafbar, wenn man dabey jenes Wesen aus den Augen fetzt, nach dessem heiligem und unwandelbarem Rathschluß der Grund zur ganzen Welt, und vornehmlich auch zum Wohl der Menschen von Ewigkeit her festgesetzt wurde? Alle Drnge und Gegebenheiten sind m ihren folgen von der Vorsehung bestimmt und bereits eingerichtet. Folglich kann mir ohne de» Willen Gottes nichts begegnen , oder em Haar von meinem Haupte fallen. Ich nehme daher bei; allen Veränderungen und Zufällen dieses Lebens meine Zuflucht zu ihm. Er ist ein treuer und versorgender Vater. Warum sollte ich ängstlich sorgen?
Ein Mensch, welcher so sorgt, als ob es allem auf ferne Kräfte ankäme, geht von seinem Schöpfer ab, und legt sich selbst die größte» und wichtigsten Hindernisse in Weg, sich glücklich zu machen. Wre manchem Uebel würde er nicht entgehen, oder doch solches zum wenigsten erleichtern können, wenn er jenen Kummer verbannte und nur vernünftig sorgte? Darf er wol an der Vorsicht Gottes zweifeln, ob sie ihn auch inS künftige erhalten werde? Warum martert und quält er sich beständig mit Sorgen der Nahrung? Ist es nicht genug, daß ohnedis schon em jeder Tag seine besondere Plage mit sich führt ? Welch eine Unbesonnenheit, wenn wir.solche durch gemachte Pein und Qual häufen und vergrössern wollen? Sorget nicht, so redet der beste Freund der Menschen , sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr, als die Speise? Sehet die Vögel unter dem Himmel an; sie säen nicht, sie emd- ten nicht, sie sammlen nicht in die Scheunen; und euer himnstischer Vater nähret sie doch. Seyd ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seiner Länge eine Elle zufttzen möge, ob er gleich darum sorgt ? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Listen auf dem Felde, wie sie wachse»; sie arbeiten nicht, auch fpmnen sie nicht. Im


