Ausgabe 
28.11.1769
 
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4i 6 Giessische wöchentlich-gemeinnützige Anzeigen

pftr erhaltenen, Kräfte arbeiten, und sich jene, von dem Schöpfer ge­machte, Anlage in so ferne zu Nutze machen , als zur Erhaltung seine- Lebens nöthig ist. Er muß dabey mit unverwandten Augen aus den se­hen, der ihm die Kräfte oder auch die Gelegenheit gibt, etwas zu scbaf- - fen, wodurch er sich volkommmener machen kann. -O! wie schlecht und elend sind diejenigen dran, welche beständig mit ängstlichen Sorgen ange- füllt sind? Ein Mensch muß seinen Beruf abwarten , und dabey seine Hoffnung und Zuversicht auf Gott setzen. Er muß von ihm allein das Gedeyen erwarten, womit er nach seiner Zusage, unsere Arbeit und Be­mühungen begleiten will.

Die wirklichen Vergnügen, die wir hier geniessen, sind ohnedem so gering, daß wir in der That mehr als bedaurenswürdig seyn würden, we.nn uns die gütige Vorsehung nicht mit jener süssen und angenehmen Leiden­schaft, der Hoffnung, begabt hätte. Die Hoffnung hat an sich etwas Angenehmes und Reizendes in sich. Sie giebt uns einen gewissen Ge­schmack von den Gütern, die wir entweder wirklich besitzen, oder von de­nen es wenigstens möglich ist, daß wir sie besitzen können. Sie belebt, so zu reden, unser ganzes Leben. Sie macht, daß ein Mensch bey allen Zufällen , die ihm begegnen, gesetzt, munter und stölich bleibt. Kurz! Vie Hoffnung auf Gott ist, wenn ich so reden könnte, eine Art von einer lebendigen Wärme in der Seele, die sie belebt, erquickt und erfreuet. Die Hoffnung macht alle Widerwärtigkeiten und schmerzhaften Empfin­dungen seicht und erträglich. Sie versüßt alle Arbeit und Mühe, die sonst ein Mensch hat, wenn er, nach göttlicher weisester Verordnung, im Schweisse seines Angesichts das Brod essen muß. Die Hoffnung macht, daß ein Mensch demjenigen , was ihm die gütige Vorsicht im leiblichen Könnt, keinen höheren und grösseren Werth beylegt, als es wirklich ver­dient. Kömmt er in Trübsal und Noch: so vergißt er sie, in Ansehung der Hoffnung, die ihn belebt. Er wird ruhig und stille in Gott, an dem <r einen Freund und Vater verehrt. Denn

Ern grosser Geist bleibe auch im Uitglud2 groß;

Rein Ohngefahr bestimmt das harte Loos Die Hoffnung bleibt das Triebwerk seiner Freuden; Und nur der Tod kann Geist und Lörper scheiden. *

..... Es

* Rebus in ädverfis animum fubmittefe nölt:

Spem retine : fpes una hominem nec mores relinqtilt, Qvidiw,