240 Giessische wöchmUrch-gemeümützlge Anzeigen fliehen, verhütet daß sie keine Sclavinn eures Leibes fey, sondern suchet ihr die Herrschaft/ welche sie über Oenfdbcn haben muß/ sorgfältig zu erhalten.
Der Leib gehöret uns zwar auch zu, aber er ist doch nicht was ei- Kentlich wir selbst sind. Daher betrügen sich die Personen eures Geschlechts in Ansehung desselbigen gar sehr , , welche glauben, daß man sie liebe, da man doch nur ihre Schönheit liebt, und dieser Jrrkhum ist eine Quelle von unendlich vielen Unordnungen und widrigen Zufällen. Sie sehen nicht, daß man nicht sie selbst, sondern nur dasjenige , was ihnen zugehöret, liebe, und daß dieses, was man an ihnen liebet, augenblicklich verschwinden kann. Wenn man sie selbst liebet, woher komtesdenn, daß man sie aufhöret zu lieben, so bald die erste Blüthe ihrer Schönheit vergangen ist? Liebet man nicht die reiche Personen auf solche Weise, und verlasset man sie nicht plözlich, wenn ihre Reichthümer zerstreuet sind? Ein wahrer Freund liebet allezeit, seine Zärtlichkeit wird immer größer, so wie wir tugendhafter werden. Alle Runzeln des Alters sind nicht vermögend seine Liebe zu vermindern, weil sie keusch, vernünftig und uneigennüzzig ist, und auf die Seele selbst sich beziehet, welche unverweßlrch und unsterblich ist,nicht aber auf ton Leib, der hinfällig, sterblich und tausend Zufällen unterworfen ist. Allein Freunde von dieser Art sind um so viel seltener zu finden, je häufiger und gemeiner die andern sind: eben daher verdienet dieses, was ich euch jezzo gesagt habe, alle eure Aufmerksamkeit.
Gehet niemals müßig, denn der Müßiggang ist aller Laster Anfang Wenn ihr euch beyzeiten gewöhnet immer beschäftigt zu seyn, si> werdet ihr nicht nur eine Lust zu der Arbeit bekommen, sondern auch den Segen des Herrn empfangen.
Der heilige Apostel Paulus tadelt zweyerley Arten von Leuten , solche, die gar nichts thun, und solche, welche nur thun, was sie nicht thun sollen: Bcyde sind gerne beysammen. Denn gemeiniglich mengen sich müßige Leute in solche Dmge, die sie nicht angehen, welches nach dem Lauff der Welt nothwendig verdrießliche Folgen hersürbringen muß.
Wenn ihr in euren Verrichtungen giüklich seyn wollet, so müsset iht gedultig und aufmerksam seyn. Dieses ist das einige Wittel, wodurch ihr in den schweresten Unternehmungen euren Zwek erreichen könnet, ohne die- ses^aber werdet ihr in den Mingsten Sachen eure Absicht entweder gar «lchr, oder doch nur tury Theil erhalten. s r
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