Ausgabe 
27.6.1769
 
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rzS GieMche wöcheMich^emqmttürMe Lnzetze» haben, schon viel zu fbun glauben , wenn sie den schwachen und elenden Ueberrest desselben zwischen Gökt und der Wut thcilen. Was müssen solche Stute für einen Begrif von Gott haben? Ist ihm eine solche Tbei- lung nicht viel schimpflicher als eine völikge Vergessenheit'?

Es ist gewiß und eine ausgemachte Sache,»Daß eine Person, welche gleichsam mit der Muttermilch das Grst des Stolzes eirigesvger^hat, und von Kindheit auf in dem schädlichsten und verderbtesten Gelchmakke erzo­gen ist , beynche unübersteigliche Schwierigkeiten in Ansehung der Ausübung der Tugend vor sich stehet, wenn sie anfangt ihren Jmhum zu merken, und einen andern Weg betreten will. Denn es ist keine so leichte Sache einen den Vorurthsilen der Kindheit gerade entgegen gesez- ten Weg zu betreten; zumal wenn dieselbigen durch die Menge derer, die ihnen folgen, in Ansehen stehen, wenn sie den Leidenschaften günstig, und durch die lache Gewohnheit fast eingewurzelt sind. Viele versuchen dieses zwar zu thun, allein ihr könnet nicht glauben, wie so wenige darinnen glük- lich sind und ihren Endzwek erreichen.

Dieses ist es, was ich.euch nothwendig sagen mußte in Ansehung' desjenigen Verhaltens, welches ihr alle Tage eures Lebens gegen Gott beobachten müsset.

Ich setze aber noch dieses hinzu , daß ihr euch ein unverbrüchliches Gesetz daraus machen sollet, keinen Tag vdrbey gehen zu lassen, ohne ein geistliches Buch zu lesen. Ihr werdet finden, daß keine Sache geschikter ist, uns auf dem Wege der Tugend'zu befestigest, als diesem Ich halte die Morgenstunden für die bequemste zum Lesen, so bald ihr nämlich euer gewöhnliches Gebet verrichtet habt. Leset besonders die heilige Schrift.

Denn das Wort Gottes * ift lebendig und kräftig und scharfer denn kein zweyschneidig Schwerdt und durchdringet, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Ge- danken und Sinnen des Herzens.

Das Leben des Herrn Jesu Christi , sagt der heilige Augustinus, sty eine beständige Unterweisung und Vorschrift unseres Verhaltens, und wir sündigen dahero nur alsdann, wenn wir ihm nicht nachwandeln und in seine Fußstapfen ttetten wollen.' " . n

. Das Evangelium. lehret uns alle Umstände des Lebens Jesu Christi,

seine Wunderwerke, um uns in eine heilige Verwunderung zu.stzzcn, unfern Glauben zu starken, unsere Hofnung fest zu gründen W un|ere $ _. Wr

* Hebr. 4, ir.