Ausgabe 
23.5.1769
 
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ice Gresisisthe wöchemlich-gememnülziZe Anzeigen

Weltweisheit das eine Auge in der Gelehrsamkeit ist , so gewiß ist die Geschichte nach ihren mannigfaltigen Theilen betrachtet das andre.

Würde man zwar , nicht in Lehrbüchern, aber doch in größern Werken, die zum Nachlesen bestimmt sind, die Geschichte und manche andre Kenntnisse mit der Weltweisheit verknüpfen und diele durch jene cr- lautern und brauchbarer machen, so würde man die Liebe zur Weltweisheit mehr ausbreiten, und die Vorwürfe, eines störrigten, steiffen , unnüzli» chen und finstern SchulgeschwäzzeS, welche man ihr von Zeit zu Zeit ge­macht hat, von ihr ablchnen. Hierzu aber gehört nicht nur ein guter und gereinigter Gejchmak in Absicht auf die Weltweisheit selbst, sondern auch viele anderwertige tiefe Einsichten, und eine weitläufige Gelehrsamkeit, vor allen Dingen aber eine Gabe, seine Gedanken deutlich, ordentlich, gründlich, praktisch/angenehm und reizend vorzutragen, oder mit einem Wort Genie und Geschmak in Absicht auf die schöne Wissenschaften.

Aber eben dieses ist der andre Mangel, den unsre deutsche Welt- wersheit noch allzusehr fühlt, als daß sie Muth genug hatte, sich biß zu Leuten von Stand, die eben nicht gerad schulmäßig erzogen werden, noch eigentliche Gelehrte abgeden wollen, zu erheben, oder sich biß zu den Aus­ländern auszubreiten, Deren mangelhafte, falsche oder gar gefährliche Welt­weisheit oft in einem reizenden und verführerischen Gewano, mir den Mi­nen und Anfällen der feinsten und verschlagensten Vuhlerinn zu erscheinen pflegt.

Man wende mir nicht ein, daß es eine gewisse philosophische Schreib­art gebe, und daß die Wahrheit keines Schmuks nöthig habe, um Ero­berungen zu machen. Muß sie darum in einem schmuzigen und verlump­ten Rok einhergehen? Ich verlange keinen gesuchten, keinen gekünstelten, keinen übertriebnen Puz, keine Schminke. Aber wenn diese Schönegefal­len soll, so muß sie wenigstens einen natürlichen Anzug tragen , der nach dem Leibe gemacht ist, und darinnen man ihre prächtige Taille gewahr wird. Sie muß eine Farbe des Kleides wählen, welche den Glanz ihres Gesichts erhöht, und ihrem Gewand einen solchen Schnitt geben und mit solchen anständigen und wohlgewählren Zierrathen versehen lassen, daß sie sich darinnen gleich weit von der plumpen Tracht einer Bäuerin, und der Flitter Pracht einer Comödianrin unterscheidet. Was ist die philosophische Schreibart? Sind die Regeln womit man sich zu schüzzen gedenkt, wohl alle in der Natur per Seele und in der Erfahrung gegründet? Und wenn sie es wären, werden sie auch genau genug befolgt? Mas ist das vor eine

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