Ausgabe 
14.3.1769
 
Einzelbild herunterladen

v Uttd Nachrichten. . D xxl

sich mehr Dank durch ihr gefälliges und liebreiches Wesen, womit fleeS rhut, als durch die Wolthaten selbst, wenn fle auch noch so gros sind.

Wir sind zu der Menschenliebe schon natürlich verbunden. Wer wünscht sich gern den Haß andrer. Es ist wieder unsre Natur. Ein je­der wünscht vielmehr, daß ihn der andre heben möge. Andre wünschen dieses von uns. Sölten wir denn nun ihr Verlangen nicht gerne erfül­len; da wir eben daffelbige auch von ihnen begehren. Sölten wir sie nicht lieben, da wir doch wünschen von ihnen geliebet zu werden. Ja! diß ist ein ewiges Gesez der Natur. Es ist dem Menschen ins Herz geschrieben, und durch die Religion haben wir noch neue und stärkere Verbindlichkeiten bekommen, es zu erfüllen.

Die christliche Religion stellt in ihrem Stifter das vokkommenste Bild, ein Muster dar, in welchen wir alle angegebene Kennzeichen der rechten Liebe und also auch alle erhabene Eigenschaften des vollkommensten Menschenfreundes antreffen. =O was für ein nachahmungswmdiqer Men­schenfreund war unser Erlöser! Wie lebendig war nicht fein Verlangen nach der Wolfahrt der Menschen? redeten mehr Stumme, deren Mund er öfnete, und erzülten die Wunder seiner Liebe? Wie anhaltend , wie standhaft war seine Liebe! Auch auf dem Wege nach Jerusalem , da er schon sein nah bevorstehendes groses Leiden überdachte, hörte er das Schrei­en eines blinden am Wege , und erbarmte sich seiner. Wie zärtlich war er nicht gegen seine Freunde? Petrus, was sagte dir seinBlik, da er dich von deiner Höhe gestürzt sähe ? Johannes sprach nicht die Liebe selbst zu dir am Creuze? Wie höchst liebreich waren seine Gesinnungen gegen euch ihr seine Verfolger: Vater vergib ihnen / denn sie wissen nicht was' sie rhun? Judas, war er mehr gegen deine Verratherey der Unschuld, oder über dein Unglük, das du dir selber bereitetest, erweicht und bekümmert? Rede, o Oelberg, an dessen Füsse er für eine Welt voll Sünder alle- dultete und mit dem Tode selbst rang ! Und du o bebender Golgatha ver­kündige das Wunder der Liebe den Völkern! Er starb für seine Feinde» Geschah es mit Murren, geschah es gezwungen? Nein ! Vater dein Wille geschehe; so sprach er: und trank den Kelch des Leydens für euch. Ich bins den ihr suchet! so spricht er, und ging in den Tod für euch, sonst ewig verdamte Bewohner der Erde! Bewundert diesen Men­schenfreund ihr Völker, und lernt hieraus die gröste Verbindlichkeit zu die­ser Tugend, ihr Christen l

k i Schreiben