Ausgabe 
14.3.1769
 
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Schreiben an seinen Freund.

Wenn ich mich manchmal inder stillen Einsamkeit recht vergnügen will: [o denke ich an die Stunde zurük, da Sie mich würdigten in ihre mir stets verehrungswürdige Freundschaft aufzunehmen. Die Empfindungen, yie damals in meiner Seele lebendig wurden, waren fo stark; daß sie kei­ne Zeit wird unterdrükken können, nein! sie sollen nie sterben jene Regun­gen, sie sollen immer lebendiger in mir werden. Ich möchte sie Ihnen, rvehrtester Freund, entdekken! werden sie nicht ungedultig darüber, daß ich Ihre Aufmerksamkeit hiezu verlange. Sie sollen mein ganzes Herz- kennen lernen,'und dann urkheilen, ob es ihrer so schäzbaren Freundschaft wehrt-fey. Ein freudiges Verlangen nach derselbigen fühlte ich schon lan­ge. Ihr Umgang hatte mir schon ihr Herz erklärt, ein Herz zur Freund­schaft und zur Zärtlichkeit geschaffen fand ich in Ihnen. Wie glüklich werde ich seyn, wenn ich noch näher mit ihm bekant werde, dachte ich oft bey mir selbst: bis ich ihre liebreiche Gesinnungen erfuhr; und nun sagte ich zu mir selbst: wie glüklich |bm ich! Ich lernte mich jezt erst recht kennen, meine Bestimmungen, die Welt, meine Mitmenschen , die Tu­gend , das Laster. Die erhabenste Moral war mir ihr Veyspiel! Wie schäzbar wurden Sie mir; so oft ich Sie als einen erfngen Diener der Gottheit ansah. Himmel, so sagte mein Herz, Himmel segne diesen ed­len , der mich ermunterte einen ewigen Bund mit dir zu errichten, und zu festen Entschliessungen anfeuret, Die Menschen als Brüder zu lieben: und der es sich eben auch dadurch angelegen seyn last, mein Herz auf jene gros­se Zukunft zu bilden. Dann die Menschenliebe machet uns der Liebe des­jenigen würdig, der die Ewigkeiten in seiner Hand trägt, und erhabene Ab­sichten müssen sich ins Meer Der Ewigkeiten verlieren. Seyd mir gegiüst ihr künftigen Tage meines Lebens; wie oft werde ich mich in den Armen dieses besten der Freunde noch feegnen! Wie oft werde ich ausruffen; ge­dankt sey es dem Himmel! Und wann ich es ausruffe, in die Ewigkeit se­hen, und sagen.

Da werd ich dem den Dank bezahlen, Her Gottes Weg mich gehen hies, Und ihn zu Millionenmahlen Noch seeanen, daß er mir ihn wieS; Ha find ich in des Höchsten Hand Den Freund, den ich auf Erden sand.

Betank