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Schreiben an seinen Freund.
Wenn ich mich manchmal inder stillen Einsamkeit recht vergnügen will: [o denke ich an die Stunde zurük, da Sie mich würdigten in ihre mir stets verehrungswürdige Freundschaft aufzunehmen. Die Empfindungen, yie damals in meiner Seele lebendig wurden, waren fo stark; daß sie keine Zeit wird unterdrükken können, nein! sie sollen nie sterben jene Regungen, sie sollen immer lebendiger in mir werden. Ich möchte sie Ihnen, rvehrtester Freund, entdekken! werden sie nicht ungedultig darüber, daß ich Ihre Aufmerksamkeit hiezu verlange. Sie sollen mein ganzes Herz- kennen lernen,'und dann urkheilen, ob es ihrer so schäzbaren Freundschaft wehrt-fey. Ein freudiges Verlangen nach derselbigen fühlte ich schon lange. Ihr Umgang hatte mir schon ihr Herz erklärt, ein Herz zur Freundschaft und zur Zärtlichkeit geschaffen fand ich in Ihnen. Wie glüklich werde ich seyn, wenn ich noch näher mit ihm bekant werde, dachte ich oft bey mir selbst: bis ich ihre liebreiche Gesinnungen erfuhr; und nun sagte ich zu mir selbst: wie glüklich |bm ich! Ich lernte mich jezt erst recht kennen, meine Bestimmungen, die Welt, meine Mitmenschen , die Tugend , das Laster. Die erhabenste Moral war mir ihr Veyspiel! Wie schäzbar wurden Sie mir; so oft ich Sie als einen erfngen Diener der Gottheit ansah. Himmel, so sagte mein Herz, Himmel segne diesen edlen , der mich ermunterte einen ewigen Bund mit dir zu errichten, und zu festen Entschliessungen anfeuret, Die Menschen als Brüder zu lieben: und der es sich eben auch dadurch angelegen seyn last, mein Herz auf jene grosse Zukunft zu bilden. Dann die Menschenliebe machet uns der Liebe desjenigen würdig, der die Ewigkeiten in seiner Hand trägt, und erhabene Absichten müssen sich ins Meer Der Ewigkeiten verlieren. Seyd mir gegiüst ihr künftigen Tage meines Lebens; wie oft werde ich mich in den Armen dieses besten der Freunde noch feegnen! Wie oft werde ich ausruffen; gedankt sey es dem Himmel! Und wann ich es ausruffe, in die Ewigkeit sehen, und sagen.
Da werd ich dem den Dank bezahlen, Her Gottes Weg mich gehen hies, Und ihn zu Millionenmahlen Noch seeanen, daß er mir ihn wieS; Ha find ich in des Höchsten Hand Den Freund, den ich auf Erden sand.
Betank


