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Das Gegentheil der Liebe ist der Haß. Dieses Laster, welches Men* schen von ihrem eigentümlichen Adel soweit erniedrigt: sie zu Unmenschen- macht, und als die unwürdigsten Geschöpfe ihres grosen und liebreichen Schöpfers darstellt. Wo dieses Laster herrscht, daherrschen sie alle. Wo der Haß herscht; da wird jede Tugend ver schmähet; die Unschuld gekränkt; der glükliche beneidet; der unglükliche verlacht; der Freund verfolget, und Hegen den Feind muß sich die Rachsucht empören.
Aber die Liebe ist selbst die Königin aller Tugenden; wo diese Tugend ist, da sind sie auch alle. Sie ehrt Talente; sie schäzt sie, und sucht sie zu erhöhen: sie beschüzt die Unschuld; steuret Mn NUde; hält die Zunge der Verläumder im Zaum; sie wünscht dem glüklichen ein immer steigendes Glük; sie ist die Freundschaft selbst, und gegen Feinde die gröste Freundin.
Wenn wir die Natur der Liebe kennen; so wlffen wir auch daß sie verschiedene Grade haben kan. Ueberhaupt besteht sie in einem Verlangen, das Glük und die Vorkommenheiten andrer zu befördern. So stark dieses Verlangen ist; so stark ist auch die Liebe. Dieses Verlangen ist aber nichtMy'jeden Menschengleich stark. Vey einem ist es todt, bey dem andern ist es lebendrg. Ein todtes Verlangen nach dem Glük eines andern, ist dasjenige, welches sich nirgends thätig beweiset. Die meisten nicht ganz unempfindlichen Menschen haben ein solches: sie hören den elenden klagen; es ist ihnen keyd; sie eilen aber nicht ihm beyzustehen. Sie sehen die Tränen der Unschuld; sie wünschen ihre Errettung; abersiewenden sichweg,und trokkenen fie nicht ab. Sie erblikken ihre Freunde; sic wünschen ihnen ein blühendes Glük; -sie zeigen ihnen aber nicht die Wege, ihrem Glükke entgegen zugehn. Eme tobte Liebel Sie verdient kaum den Nahmen der Liebe, so wenig man von ei- MM würklich gestorbenen sagen kan; daß er noch lebet.
Soll die Liebe rechter Art seyn, so müffln wir ein lebendiges Verlangen nach der Mstfart unsrer Brüder hegen. Em Verlangen, welches sich bald äuserttwelches sich in allen unfern Handlungen und Unternehmungen zeigt, welches sich beständig zum wahren Wohl andrer geschäftig und thätig beweist.
Doch auch das ist noch nicht genug Es kan einer ein würksameS Verlangen bezeigen, das Wohl eines andern zu befördern: und dennoch fehlt ihm die Liebe., Es frägt sich, was hat er für eine Absicht frabctp welches ist die Quelle; woraus fein Verlangen das Leben geschöpft hat? Das Laster kan in der Gestalt der Tugend einhertreten. Die Arglist verbirgt sich oft unter dem Mantel der Freundschaft , und die Liebe muß dem strafbaren Eigennuz oft ihre freundlichen Minen ^ihr Mitleid, ihre Trä
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