Ausgabe 
7.11.1769
 
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391 Giessische wöchmtUch-gemeLttttütztze Anzeigett

tnW MM ehrt wurde, daß er ihr nicht diejenigen Bequemlichkeiten vex- schaffen konnte, welche ein Ehemann seiner Ehegattin zu leisten verbunden tst; und hierüber machte sie ihm täglich Vorwürfe. Sie hakte den klein­sten Ueberrest ihres Geldes dieser Heirat!) meistentheils aufgeopfert, upD verlangte nun von ihm für das übrige zu sorgen, und er, der von den Zin­sen ihrer Capiralien ein vergnügtes Leben zu führen sich vorher embildett, Mieth in das äußerste Erstaunen, als sie ihm mit der unter Eheleuten ge­wöhnlichen Offenherzigkeit ihre schlechte Umstände entdeckte. Noch und Kummerbrachten ihn endlich zur Verzweiflung, so daß ersie heimlich zu ver- kaffen, dan Entschluß faßte, welchen er auch gar bald in Erfüllung brach­te, und man hat nach der Zeit niemals erfahren, wo ihn das Schicksaht hingebracht hat. Sie war über seine Entweichung mehr erschrocken , als betrübt. Doch ihr lebhafter Witz gab ihr bald ein Mittel an die Hand, sich über dieses ihr zugestoßenene Ungemach zu erheben. Sie verkaufte von ihren Kleidungsstücken so viel, als sie entbehren konnte, und machte es eben so mit einigen zum Putz eines Frauenzimmers gehörigen Stücken, als Ohrgehängen, Ringen und dergleichen, und begab, sich bannt auf ein Dors, um ihr Schicksaht weiter zu erwarten.So wie sie die besonbre Gabe hatte, sich bey jedermann beliebt zu machen, und ein Vrtrauen zu erwerben, welches ihr nachmals Gelegenheit gab, die-Leute auszufragen; so gelung es ihr auch hier, einige einfältige Leute zu gewinnen , und von Denenselbigen verschiedene Umstände zu erfahren, die ihr Anlaß gaben, durch eine ihr glücklich gerathene Betrügerei) Geld zu gewinnen. Sie hakte hier ausgekundschaftet, daß der Beamte des Orts feit wenigen Ta­gen nach einer benachbarten Stadt vereiset wäre, um daselbst mit der Tochter eines ansehnlichen Mannes sich ehelich zu verbinden , rmd erst nach eimgen Tagen wieder zurückkommen werde. Nachdem sie alles, was ihr von den Umständen dieses Mannes, seiner Braut, und künftigen Scbwie- Mältern zu wissen nöthig war, ausgekundschaftet hatte; io begab sie sich nach des Beamten Wohnung, welcher eine bejahrte Haushälterin in sei- mn Diensten hatte, die eben so leichtgläubig als einfältig war. Mit Vieler Wahrscheinlichkeit machte sie derselben glaubend, daß sie die Schwe­ster derjenigen Persohn sey, so ihr Hausherr sich zu seiner Braut erwäh­let hade^ Es würde derselbe nebst seiner Geliebten, und ihren Aeltern auf Yen morgenden Tag eintreffen, und man habe fle hieher geschickt, dieses dst Haushälterin zu melden, damit dieselbe zur Bewirthung der ankom- «enden Gäste die hchörige Anstalt machen könne. Der Beamte habe ihr ansse-